Turbine trotzt dem Aderlass

SID
Dienstag, 29.05.2012 | 15:03 Uhr
Fatmire Bajramaj kehrt vorerst nicht nach Potsdam zurück
© Getty
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Die Meisterpartys von Turbine Potsdam werden zu einem traurigen Ritual. Mit den befreundeten Ruderern feiern die Fußballerinnen bis tief in die Nacht hinein am Templiner See, danach trennen sich die Wege und die Feierrunde wird nie wieder in derselben Besetzung zusammenkommen.

Acht Spielerinnen, darunter Fatmire Bajramaj, verließen den Klub vor der Saison. Nach der vierten Meisterschaft in Serie werden die Nationalspielerinnen Viola Odebrecht, Babett Peter und Bianca Schmidt Potsdam den Rücken kehren.

Trotz des nahezu ständigen Neuaufbaus ist Turbine national kaum zu schlagen, hat seit 2004 sechs Meisterschaften gewonnen. Und der 69 Jahre alte Trainer-Guru Bernd Schröder ist sich sicher, dass das auch so bleiben wird, Abgänge hin oder her. "Wir sind gut aufgestellt, denn wir sind nicht nur eine Marke, sondern wir sind Kulturgut in Brandenburg. Wir werden es immer wieder schaffen, uns durchzusetzen", sagt Schröder.

Gerüchte um Bajramaj

Der jährliche Aderlass hat gewiss auch mit Schröder selbst zu tun, dessen eigenwillige Art nicht jeder Spielerin liegt. In Potsdam ist das Urgestein unantastbar und so suchen die Spielerinnen in der Ferne ihr Glück. Auch wenn sie es dort nicht zwangsläufig finden, wie im Fall der nach Frankfurt gewechselten Bajramaj. Gerüchten, dass eine Rückkehr nach Potsdam geplant ist, widersprach Schröder allerdings: "Grundsätzlich kann man solch eine Ausnahmespielerin immer gebrauchen, aber aktuell ist das für uns kein Thema."

Ganz einfach ist es in diesem Jahr nicht gewesen. "Es gab viele Disharmonien, aber wir haben uns gefunden, den Kopf in der Schlussphase zum richtigen Zeitpunkt wieder frei gekriegt. Wir sind eine Mannschaft, auch wenn wir keine vier hauptamtlicher Trainer haben", sagt Schröder mit einem Seitenhieb auf Erzrivale Frankfurt. Dass dort Spielerinnen mit viel Geld angelockt werden, passt ihm überhaupt nicht.

Kritik am DFB

Noch gelingt es dem umtriebigen Schröder, die Abgänge adäquat zu ersetzen. Das liegt auch an dem guten Unterbau in Potsdam. Die zweite Mannschaft wurde am Sonntag in der Halbzeitpause als Meister der 2. Liga Nord geehrt. Aufsteigen darf die Reserve freilich nicht, doch Schröder kann dadurch Spielerinnen, die trotz ihrer jungen Jahre über einiges an Erfahrung verfügen, nahezu problemlos in sein Meisterteam einbauen.

Schröder macht sich aber auch Gedanken über den eigenen Klub hinaus. Bei der Meisterfeier kritisierte er erneut den Deutschen Fußball-Bund (DFB). "Die Liga ist in vielen Bereichen nicht gut aufgestellt", bemängelte der Trainer. Zu wenig Nachhaltigkeit, zu wenig Perspektive.

Keine Führung, keine Strategien. "Ich hätte mir einen runden Tisch gewünscht, damit man sich austauscht und nicht allein vor sich hin werkelt. Es gibt Trainer mit guten Ideen, aber im Moment ist es so, dass die Liga an der eigenen Jacke verhungert."

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