"Geeint durch die Katastrophe"

SID
Freitag, 09.03.2012 | 10:24 Uhr
Japans Fußballerinnen gewannen bei der WM 2011 in Deutschland den Titel
© Getty
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Die Szenen am Flughafen von Tokio wird Norio Sasaki nie vergessen. Tausende Menschen empfingen den Trainer und seine japanischen Fußballfrauen im Juli vergangenen Jahres nach der siegreichen WM. Japanische Fähnchen flatterten, fröhliche Menschen waren da, die für einen Moment das Erdbeben und die Fukushima-Katastrophe vergessen konnten.

Der erste WM-Sieg der japanischen Fußballfrauen hat dem geschundenen Land und seinen Einwohnern Hoffnung gegeben. Danach hat sich das Leben von Spielerinnen und Trainer verändert. Geblieben ist eine besondere Motivation aus dem erlebten Zusammengehörigkeitsgefühl.

"Es wird noch eine Weile dauern, bis das Erdbeben-Gebiet Tohoku wieder aufgebaut ist. Uns ist es wichtig, für die Betroffenen zu spielen. Wir fühlen, dass unsere Mannschaft von diesen Menschen unterstützt wird, und wir wollen gern etwas zurückgeben bei den Olympischen Spielen", sagt Norio Sasaki. Nach dem WM-Titel zählt die "Nadeshiko", wie das Team sich nennt, nun auch zu den Favoriten für den Olympiasieg in London.

Bilder aus dem Katastrophengebiet liefen vor den Spielen

Vor den WM-Spielen im Sommer 2011 in Deutschland hatte Sasaki seiner Mannschaft immer wieder die bedrückenden Bilder aus dem Katastrophengebiet gezeigt. "Die Spielerinnen waren geeint durch die Katastrophe und bereit, hart zu kämpfen", sagte der frühere Generalsekretär des japanischen Fußball-Verbandes, Takeo Hirata, jüngst in einem Interview mit der "Japan Times".

Auf dem Spielfeld habe seine Mannschaft immer die Unterstützung der Nation im Rücken gespürt, hatte Sasaki damals am Flughafen von Tokio betont. Das ist noch immer so, wenn die "Nadeshiko" ein Länderspiel bestreitet.

"Nach der WM hat der Frauenfußball in Japan an Aufmerksamkeit gewonnen, und seine Beliebtheit ist enorm gestiegen", weiß der 53-Jährige. Im Januar wurde er vom Weltverband FIFA zum Trainer des Jahres gekürt, Spielführerin Homare Sawa zur Fußballerin des Jahres.

Ihr WM-Titel hat nach dem 11. März 2011 eine ganze Nation inspiriert. Mehr Sponsoren interessieren sich für die Fußballerinnen, sie drehen TV-Spots und finden sich auf den Titelseiten großer Modemagazine wieder. Sawas japanischer Verein Inac Kobe Leonessa war jüngst beim FC Barcelona zu Gast, die Spielerinnen trafen Superstar Messi. All das wäre vor der WM und der Katastrophe undenkbar gewesen.

Spielerin von Tepco wurde zur Identifikationsfigur

Als die Welt noch heil war in Japan, da spielten sie unweit des Atomkraftwerks Fußball. Nationalspielerin Aya Sameshima war Teil von "Tepco Mareeze", dem Erstligaklub des Kraftwerkbetreibers. Die fast zerbrechlich wirkende Verteidigerin arbeitete als Sekretärin direkt im Kraftwerk. Sie gilt heute als besondere Identifikationsfigur innerhalb der Fußballmannschaft.

"Sie wird eine der Schlüsselspielerinnen bei Olympia werden. Es würde für die Menschen in den zerstörten Gebieten so viel bedeuten, wenn sie gut spielt, weil sie in Fukushima 1 gearbeitet hat", sagt Takeo Hirata.

Gegenseitige Unterstützung

Zur Unglückszeit war sie selbst im Süden des Landes unterwegs, doch einige ihrer Freunde traf die Katastrophe. Ihr Verein ist längst vom Spielbetrieb abgemeldet, die verbliebenen Fußballerinnen werden an einem anderen Ort in ein neu formiertes Team eingegliedert. Sameshima aber ist nicht mehr da. Sie nahm eines der vielen Angebote an und spielt für den französischen Erstligisten Montpellier.

Wenn sie im Sommer mit der Auswahl nach London reist, wird Fukushima in ihren Gedanken wieder ganz nah sein. "Die Spielerinnen nehmen immer noch an vielen Charity-Projekten teil. Am ersten April haben wir ein Freundschaftsspiel gegen die USA in Sendai in der zerstörten Region. Ich hoffe, dass wir da sehr viele Menschen treffen im Stadion", sagt Sasaki.

Die gegenseitige Unterstützung wird den Japanerinnen bei Olympia wieder eine besondere Kraft verleihen.

Die Ergebnisse der Frauen-WM

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