Die Fußballerin Birgit Prinz geht offiziell in Rente

SID
Montag, 26.03.2012 | 17:08 Uhr
"Es wird schon irgendwie gehen" - Birgit Prinz (l.) freut sich auf ihr Abschiedsspiel
© Getty
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Im Mittelpunkt zu stehen, war Birgit Prinz Zeit ihrer Karriere ein Gräuel. Wenn am Dienstag (18 Uhr) die deutsche Nationalmannschaft im Frankfurter Volksbankstadion auf den Bundesligisten 1. FFC Frankfurt trifft, wird sich die erfolgreichste Fußballspielerin der Welt notgedrungen damit abfinden, dass sich alles um sie dreht.

"Ich denke mir, es wird schon irgendwie vorbei gehen", sagt die 34-Jährige in ihrer typischen Art vor ihrem vom Deutschen Fußball-Bund (DFB) organisierten Abschiedsspiel. DFB-Präsident Wolfgang Niersbach wird die Verabschiedung persönlich vornehmen. Nach ihrem 214. Länderspiel hatte sie bei der verkorksten Heim-WM ihre Karriere beendet, jetzt ist auch offiziell Schluss.

Bereut hat Birgit Prinz die Entscheidung bis heute nicht, nach 20 Jahren mit dem Profifußball aufzuhören. "Es ist vorbei, wie es war, ist es okay", sagt die dreimalige Weltfußballerin. Sie vermisse allenfalls "den Fußball als solchen". Sie gibt aber auch zu, dass sie sich "natürlich einen schöneren Abschied gewünscht" hätte, als nach 53 Minuten beim 1:0-Sieg im WM-Vorrundenspiel gegen Nigeria ausgewechselt worden zu sein. Weshalb sie auch "ernsthaft" überlegte, das Angebot des 1. FFC anzunehmen, in der Rückrunde noch einmal auszuhelfen. Doch dann siegte "das Gefühl, dass die Zeit des Leistungssports vorbei" sei und sie sich beruflich orientieren wolle.

Berufliche Zukunft als Psychologin

Nach einem dreimonatigen Aufenthalt in Neuseeland und Indien hospitiert die examinierte Psychologin seit Februar beim Fußball-Bundesligisten TSG 1899 Hoffenheim. Bei dem für die Profis zuständigen Vereinspsychologen Jan Mayer bildet sie sich weiter. Es ist ein Feld, in dem sie ihre berufliche Zukunft sieht. Sie könne sich gut vorstellen, einmal beim DFB oder auch beim 1. FFC als Sportpsychologin zu arbeiten, sagt sie. Auch in der Managementberatung will sie tätig werden, eine Trainerlaufbahn sehe sie dagegen nicht. "Es baut sich so langsam was zusammen", sagt sie.

Da ihr Leben derzeit eine Baustelle ist, passt es sich vielleicht ganz gut ins Bild, dass sie ihr Abschiedsspiel im Stadion des Zweitligisten FSV Frankfurt gibt. Auch die Arena wird umgebaut. Trotzdem freut sie sich über das beim DFB sonst nicht mehr übliche Abschiedsgeschenk. "Es ist eine nette, gute Geste", sagt die Frau, die im Nationaltrikot 128 Tore schoss.

Frühere Weggefährtinnen eingeladen

Nicht der Ehrungen und Ansprachen wegen findet sie die DFB-Idee "ganz cool", sondern weil sie noch einmal mit langjährigen Wegbegleiterinnen ihrer Leidenschaft nachgehen darf. Die aktuellen Teams der Nationalmannschaft und des 1. FFC werden durch ehemalige Spielerinnen ergänzt, "mit denen ich viel meiner Zeit geteilt habe". Steffi Jones, die Prinz als "die Lichtgestalt des Frauenfußballs bezeichnet", und Doris Fitschen werden beispielsweise das deutsche Tikot tragen, Renate Lingor und Hege Riise laufen für den FFC auf.

"Es wird bestimmt ein nettes Spielchen werden", sagt Prinz, die gerne noch mehr ehemalige Weggefährtinnen in den Teams gesehen hätte. Bundestrainerin Silvia Neid wollte aber der aktuellen Mannschaft, die am Samstag in Mannheim in der EM-Qualifikation auf Spanien trifft, zu Spielpraxis verhelfen. Kein Grund für Prinz, das nach Differenzen während der WM durch eine offene Aussprache wieder gekittete Verhältnis zu Neid erneut belastet zu sehen.

Stimmen aus der Fußballprominenz

Wolfgang Niersbach (DFB-Präsident): "Was Birgit Prinz für den Frauenfußball geleistet hat, ist einmalig. Sie hat ihrem Sport ihren Stempel aufgedrückt, insbesondere durch ihre Leistungen, und das weit über die deutschen Grenzen hinaus. Birgit Prinz ist ein Qualitäts-Siegel in der ganzen Welt."

Joachim Löw (Bundestrainer): "Birgit Prinz ist seit vielen Jahren ein Star des internationalen Frauenfußballs. Wenn sie nun ihrer Karriere beendet, kann sie stolz auf viele Erfolge mit der deutschen Nationalmannschaft und ihrem Verein 1. FFC Frankfurt zurückblicken. Doch nicht nur als Rekordnationalspielerin und Torjägerin wird sie in Erinnerung bleiben. Auf dem Platz war sie auch stets ein Teamplayer, denn sie hat sich immer in den Dienst der Mannschaft gestellt."

Silvia Neid (Bundestrainerin): "Es ist einfach toll und beachtlich, wie lange Birgit auf höchstem internationalen Niveau gespielt hat. Sie hat mit ihren Leistungen die Entwicklung des Frauenfußballs mitgeprägt. Für die deutsche Frauen-Nationalmannschaft war sie jahrelang ein Erfolgsgarant, nicht nur, weil sie viele wichtige Tore erzielt hat, sondern auch weil sie sich stets in den Dienst der Mannschaft gestellt hat und Verantwortung übernommen hat, wenn es in unserem Spiel nicht rund lief."

Tina Theune (Bundestrainerin von 1996 bis 2005): "Ich habe Birgit kennengelernt als Menschen, der sehr zielstrebig und zukunftsorientiert ist. So hat sie in ihrer Fußballkarriere stets neue Maßstäbe gesetzt. Vom unbefangenen torgefährlichen Youngster zum Weltstar mit Format. In großartigen Teams mit Charakter ist sie gereift. Als gestandene Persönlichkeit hat sie nicht nur eine unglaubliche Anzahl von Titeln gewonnen, sondern sich stets auch auf andere Dinge außerhalb des Fußballs konzentrieren können."

Franz Beckenbauer (Ehrenspielführer der Nationalelf): "Sie hat den Frauenfußball im Bewusstsein der Öffentlichkeit weit nach vorne gebracht und salonfähig gemacht. Mehr als 200 Länderspiele, das ist unglaublich, vor allem für eine Angriffsspielerin. In meiner Wahrnehmung hat sie mehr Länderspiele als Bundesligaspiele absolviert."

Steffi Jones (DFB-Direktorin): Für mich ist Birgit die Lichtgestalt des deutschen Frauenfußballs. Mit 15 Jahren stand sie schon im Blickpunkt. Über den kompletten Zeitraum ihrer Karriere hat sie auf konstant hohem Niveau gespielt. Sie war nicht nur Leistungsträgerin, sondern auch ein Vorbild für viele Mädchen."

Abby Wambach (171-malige amerikanische Nationalspielerin): Birgit ist eine Spielerin, die ich bewundert habe, seit ich mich mit Profi-Fußball beschäftige. Sie hat so viele Tore erzielt, dass ich behaupte, wenn sie noch ein paar Jahre länger gespielt hätte, hätte sie den Rekord von Mia Hamm gebrochen. Sie ist eine Legende des deutschen Frauenfußballs. Und für mich persönlich, die ich ebenfalls Angreiferin bin, war sie ein Vorbild, jemand, zu dem ich aufgeschaut habe."

Lothar Matthäus (Rekordnationalspieler): Mit Birgit Prinz beendet zweifellos die größte Persönlichkeit des deutschen Frauenfußballs ihre Karriere. Sie hat unvergleichliche und unverkennbare Meilensteine gesetzt. Wie ich hat auch sie an fünf Weltmeisterschaften teilgenommen. Auch sie ist mit dem Goldenen Ball als beste WM-Spielerin ausgezeichnet worden. Und auch sie hat in den USA eine Zeit lang gespielt. Im Gegensatz zu mir hat sie aber zweimal den Titel gewonnen und sogar fünfmal den EM-Titel."

Jürgen Strödter (ehemaliger Trainer des FSV Frankfurt): "Ich durfte ja die junge Birgit Prinz erleben, habe mit ihr in ihren ersten fünf Jahren im Frauen-Bereich zusammenarbeiten dürfen. Ich finde, sie hat sich über die Zeit nicht verändert, ist ihrer Linie treu geblieben. Sie war stets liebenswert und nett. Allerdings konnte man es ihr auch ansehen, wenn ihr etwas nicht gepasst hat. Das hat sie dann auch gesagt, allerdings immer in einem Ton, der sehr höflich war. Es hatte sich damals schon angedeutet, dass sie eine tolle Fußballerin werden würde."

Birgit Prinz im Steckbrief

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