Mittwoch, 29.02.2012

Lena Goeßling im Interview

"Mats Hummels schaue ich gerne zu"

Lena Goeßling wechselte vor der Saison zum VfL Wolfsburg und macht mit ihrem Team den Spitzenklubs aus Frankfurt, Potsdam und Duisburg Dampf. Die 25-jährige Nationalspielerin über die Folgen der WM, Felix Magath, ihr Vorbild und die Ziele in der Bundesliga.

Lena Goeßling (M.) lief bisher 32 Mal für die deutsche Nationalmannschaft auf
© Getty
Lena Goeßling (M.) lief bisher 32 Mal für die deutsche Nationalmannschaft auf

SPOX: Frau Goeßling, Sie haben bisher in Gütersloh, Bad Neuenahr und Wolfsburg gespielt - alles nicht gerade Metropolen. Mögen Sie keine großen Städte?

Lena Goeßling (lacht): Nein, das hat nichts damit zu tun, wo ich spiele. In Bad Neuenahr hatte ich Köln ganz in der Nähe und mochte das auch sehr gerne.

SPOX: Wie sind Sie eigentlich zum Fußball gekommen?

Goeßling: Über meinen Zwillingsbruder - der hat Fußball gespielt, ich bin mitgekommen und dort hängengeblieben. Es hat mir viel Spaß gemacht und irgendwann konnte ich mir ein Leben ohne Fußball gar nicht mehr vorstellen.

SPOX: Sie sind Sportsoldatin. Was genau bedeutet das?

Goeßling: Wir sind für den Sport freigestellt und können uns ganz darauf konzentrieren. Zwischendurch müssen wir Lehrgänge besuchen. Da trifft man sich mit den anderen aus der Sportfördergruppe Fußball und trainiert mit denen. Aber eigentlich wird dort auch nur Fußball gespielt. Für diese Unterstützung bin ich sehr dankbar. Es ermöglicht mir, professionell für den Fußball zu leben.

SPOX: Mit der Ausbildung bei der Bundeswehr scheint das nicht allzu viel zu tun zu haben.

Goeßling: Das stimmt. Man muss nur die Grundausbildung am Anfang machen. Es wird alles auf meine sportliche Karriere hin abgestimmt.

SPOX: Als Nationalspielerin haben Sie auch bei der WM für Deutschland gespielt. Wie schauen Sie mit einigen Monaten Abstand auf die WM zurück - als Höhepunkt Ihrer bisherigen Karriere oder am Ende doch als bittere Enttäuschung?

Goeßling: Es war beides. Es war mein Ziel und das größte, was ich erlebt habe - im eigenen Land eine WM zu spielen. Aber natürlich war auch die Enttäuschung, auch noch im Nachhinein, groß.

SPOX: Es gibt ein Foto, auf dem Sie DFB-Präsident Theo Zwanziger nach dem Ausscheiden gegen Japan in den Arm nimmt. Was hat er zu Ihnen gesagt?

Goeßling: Das weiß ich gar nicht mehr, ich war einfach zu traurig. Wahrscheinlich hat er gesagt, dass es weitergeht und dass man wieder neue Ziele hat. Aber zu dem Zeitpunkt haben ohnehin keine Worte geholfen, ich war zu sehr mit mir beschäftigt.

SPOX: Was hat sich im Jahr nach der WM getan, erhält auch die Bundesliga merklich mehr Zuspruch und Aufmerksamkeit?

Goeßling: Bei uns in Wolfsburg sind die Medien durchaus sehr interessiert und berichten regelmäßig über unsere Mannschaft. So gesehen hat sich das Medieninteresse schon gesteigert. Das Zuschauerinteresse in Wolfsburg ist gleichgeblieben, es gab leider keinen großen Sprung nach vorne. Bei einigen Vereinen hat es aber durchaus mehr Zuschauer seit der WM.

SPOX: Enttäuscht es Sie, dass nach Wolfsburg nicht mehr Zuschauer kommen?

Goeßling: Teils hätte man sich schon gewünscht, mehr Aufmerksamkeit von den Zuschauern zu bekommen. Aber man findet sich damit ab, dass es nicht so ist und muss halt weiter daran arbeiten, mehr Fans für unsere Sportart zu gewinnen.

SPOX: Sie sind eine sehr flexible Spielerin, die auf mehreren Positionen eingesetzt werden kann. Wo sehen Sie sich am liebsten?

Goeßling: Ich spiele am liebsten in der Innenverteidigung oder vor der Abwehr.

SPOX: Wer sind Ihre Vorbilder? Schauen Sie sich auch bei den Männern etwas ab?

Goeßling: Borussia Dortmund spielt einen tollen Fußball. Vor allem Mats Hummels schaue ich gerne zu, weil der auch in der Innenverteidigung spielt. Da gucke ich schon, was er macht. Sein Zweikampfverhalten finde ich super.

SPOX: Nach fünf Jahren beim SC 07 Bad Neuenahr sind Sie im Sommer zum VfL Wolfsburg gewechselt. Fiel der Abschied nach fünf Jahren schwer?

Goeßling: Ich habe in Bad Neuenahr persönlich und fußballerisch einen großen Sprung gemacht. Als ich mich entschieden habe, nach Wolfsburg zu gehen, war ich schon sehr traurig, Bad Neuenahr verlassen zu müssen. Ich kann nichts Schlechtes über die Zeit dort sagen.

Der deutsche Traum ist geplatzt
Deutschland - Japan 0:1 nach Verlängerung: Der Traum vom WM-Titel im eigenen Land ist für Babett Peter und die deutschen Ladies geplatzt
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Über die komplette Spielzeit erreichten unsere Mädels nie ihre Topform und hatten zeitweise große Probleme gegen die quirligen Japanerinnen
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Der erste Schock kam für Silvia Neid und Co. bereits nach wenigen Minuten: Kim Kulig musste den Platz mit Verdacht auf einen Kreuzbandriss und unter Tränen verlassen
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Gerade offensiv fehlte Kerstin Garefrekes (M.) im Gegensatz zum Spiel gegen Frankreich die Durchschlagskraft
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Auch Celia Okoyino da Mbabi (l.) konnte den Torriegel der fliegenden Japanerinnen nicht knacken
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Während eine müde wirkende Simone Laudehr (r.) über 120 Minuten kämpfte, blieb Birgit Prinz wieder nur der Platz auf der Bank
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Der entscheidende Moment: Maruyama überwand Nadine Angerer aus spitzem Winkel und schießt Japan ins Halbfinale. Für...
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...das deutsche Team bliebt dagegen nur die große Trauer. Nichts wurde es mit dem Titel-Hattrick nach 2003 und 2007
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SPOX: Was hat sich mit dem Wechsel nach Wolfsburg verändert?

Goeßling: Es ist alles sehr viel professioneller in Wolfsburg. Der Anfang war für mich nicht einfach, weil ich wegen der WM erst später zur Mannschaft gestoßen bin. Wir mussten uns als Team erst finden, aber mittlerweile ergänzen wir uns gut. In der Rückrunde könnten wir für die eine oder andere Überraschung sorgen.

SPOX: Sind Sie eigentlich schon Felix Magath über den Weg gelaufen?

Goeßling: Nein, Felix Magath habe ich noch nie getroffen. Mit den Profis gibt es kaum Berührungspunkte, aber wir teilen uns ein Trainingsgelände mit den Amateuren.

SPOX: Hat sich Ihr Trainer Ralf Kellermann denn wenigstens einige Gemeinheiten fürs Training von Magath abgeguckt?

Goeßling (lacht): Davon habe ich noch nichts bemerkt.

SPOX: Der VfL hat ihre Nationalmannschaftskollegin Alexandra Popp undTalent Luisa Wensing verpflichtet. Die beiden sollen sich angeblich vor allem aus finanziellen Gründen für Wolfsburg entschieden haben. Das hat Kritik hervorgerufen. Verdient man in Wolfsburg tatsächlich mehr?

Goeßling: Das kann ich nicht bestätigen. Ich weiß nicht, wie viel die beiden verdienen, aber ich denke, dass sie vor allem aus sportlichen Gründen kommen, weil wir die Perspektive haben, oben anzugreifen.

SPOX: Welche Gründe waren für Ihren Wechsel vor der Saison ausschlaggebend?

Goeßling: Ich wollte etwas Neues machen und als klar war, dass unser damaliger Trainer Bad Neuenahr verlassen wird, habe ich mich auch entschieden, etwas Neues zu machen und die nächste Hürde zu nehmen. Ausschlaggebend war das Ziel, international und um die Meisterschaft zu spielen.

SPOX: Alexandra Popp kennen Sie von der Nationalmannschaft - haben Sie da auch Überzeugungsarbeit geleistet?

Goeßling: Nein, ich wusste davor gar nichts und habe erst davon erfahren, als es offiziell bekannt gegeben wurde. So etwas ist kein Thema bei der Nationalmannschaft.

SPOX: Gegen die Spitzenteams aus Potsdam (0:2) und Duisburg (0:3) setzte es recht deutliche Niederlagen. Was fehlt Wolfsburg noch zum Spitzenteam?

Goeßling: Uns fehlt die Kaltschnäuzigkeit, wir müssen die Torchancen besser nutzen, die wir in den Spielen haben. Die Niederlagen haben wir am Anfang der Saison kassiert, als wir noch nicht richtig eingespielt waren. Mittlerweile sind wir stärker.

SPOX: In Wolfsburg tut sich offensichtlich etwas. Was ist langfristig möglich?

Goeßling: Ganz klar: Wir haben langfristig das Ziel, Deutscher Meister zu werden.

SPOX: In der Bundesligatabelle liegt derzeit Potsdam vorn, dahinter folgen Duisburg und Frankfurt sowie Wolfsburg. Ihr Meistertipp?

Goeßling (lacht): Am schönsten wäre natürlich Wolfsburg. Aber Potsdam spielt sehr konstant - wäre schön, wenn wir oben mitmischen könnten, aber ich tendiere zu Potsdam.

Lena Goeßling im Steckbrief

Interview: Eugen Epp

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