Fussball

Narben, Kreuzbandrisse und Mädchen für alles

Von SPOX
Samstag, 20.08.2011 | 11:25 Uhr
Die Aushängeschilder (v.l.n.r.): Bajramaj, Popp, Okoyino da Mbabi, Goeßling und Simic
© spox

Am Wochenende startet die höchste Spielklasse der Frauen in die neue Saison. Die Vereine hoffen, dass sich das bei der Heim-WM neu entstandene Interesse am Frauenfußball auch auf die Bundesliga übertragen lässt. Doch wer spielt überhaupt in der 1. Liga? SPOX stellt die zwölf Vereine vor.

1. FFC Turbine Potsdam

Es scheint beinahe so, als gehöre die Schale nach drei Meistertiteln in Folge bereits fest zum Inventar in Potsdam. Trotz namhafter Konkurrenz (Frankfurt, Duisburg, Bayern) ging der Titel-Hattrick an Turbine. Mit drei Pokalsiegen, fünf gesamtdeutschen und sechs DDR-Meistertiteln ist der FFC bezüglich nationaler Titel führend. Zudem ist Potsdam der bislang einzige Verein aus den neuen Bundesländern, der nach der Wiedervereinigung Meister werden konnte.

Saisonvorschau: Gerade in Anbetracht der vielen Verstärkungen der Frankfurter wird es für Potsdam in dieser Saison relativ schwer werden, sich erneut den Meistertitel zu holen. Und nicht nur Frankfurt macht Druck, auch Duisburg hat bereits eine Kampfansage gestartet. Dazu kommt, dass der Klub einige Abgänge zu verzeichnen hat, darunter Lira Bajramaj.

Bekannteste Spielerinnen: Mit Babett Peter und Bianca Schmidt hat Potsdam zwei WM-Teilnehmerinnen in seinen Reihen. Auch Anja Mittag ist aktuelle deutsche Nationalspielerin.

Übrigens: Die beiden beim FFC aktiven Zwillingsschwestern Monique und Isabel Kerschowski haben ein eindeutiges Erkennungsmerkmal: Beide haben eine Narbe auf der Stirn - die von Monique verläuft quer, die ihrer Schwester längs.

 

1. FFC Frankfurt

Mit sieben deutschen Meistertiteln, acht Pokalsiegen und zwei internationalen Titeln ist der FFC Frankfurt eine der erfolgreichsten deutschen Mannschaften. Gemeinsam mit dem Rivalen aus Potsdam streitet man sich seit jeher um die Vorherschafft im deutschen Frauenfußball. Auch die Meistertitel der letzten zehn Jahre teilen die beiden Klubs untereinander auf.

Saisonvorschau: Nach nunmehr drei Jahren, in denen sich Frankfurt mit der Vizemeisterschaft hinter Potsdam begnügen musste, hat der Pokalsieger seine Mannschaft zur neuen Saison kräftig verstärkt. So holte man nicht nur Weltmeisterin Saki Kumagai aus Japan, sondern auch die Nationalspielerinnen Kim Kulig und Bajramaj. Letztere hat mit ihrem Wechsel für Aufsehen gesorgt - schließlich kommt sie von keinem geringeren Verein als dem Erzrivalen aus Potsdam. Bekanntester Abgang ist Ariane Hingst, deren auslaufender Vertrag nicht verlängert wurde. Ihr weiterer Weg ist noch ungewiss.

Bekannteste Spielerinnen: Alleine acht deutsche WM-Teilnehmerinnen stehen im Kader des Pokalsiegers. Die Bekanntesten sind Nadine Angerer, Bajramaj und Kulig. Rekordnationalspielerin Birgit Prinz beendete nach der auch für sie persönlich enttäuschenden WM im eigenen Land ihre Karriere.

Übrigens: Zu Ende der Saison 2003/2004 rissen sich gleich drei Stammspielerinnen das Kreuzband. Aufgrund vieler weiterer Verletzungen hatte Trainerin Monika Staab zwischenzeitlich sogar Schwierigkeiten, überhaupt elf Spielerinnen zusammenzubekommen. Bleibt nur zu hoffen, dass sich die Geschichte nicht wiederholt - Nationalspielerin Kulig zog sich bei der Heim-WM bereits einen Kreuzbandriss zu...

FCR 2001 Duisburg

Duisburg ist so etwas wie das weibliche Pendant zu Bayer Leverkusen im Männerfußball - in den letzten Jahren wurde man entweder Zweiter oder Dritter. Auch in der Ewigen Tabelle der Bundesliga belegt Duisburg den zweiten Platz. Trotz erst einer deutschen Meisterschaft gehört der FCR mit einem Europapokalsieg und drei Pokalsiegen aber zweifellos zu den Spitzenmannschaften im deutschen Frauenfußball.

Saisonvorschau: Nachdem man in der Vorsaison hinter Potsdam und Frankfurt den dritten Tabellenplatz belegte, soll in Duisburg nun wieder ein Titel her. Dabei sorgt Trainer Marco Ketelaer bereits vor der Saison für eine Überraschung: Annike Krahn wird den FCR in der neuen Spielzeit als Kapitänin aufs Feld führen. Das bedeutet zwangsläufig, dass die bisherige Spielführerin Inka Grings die Binde abgeben muss. Ketelaer begründet die Entscheidung mit dem Generationenwechsel im Team. Wenn man bedenkt, dass andere Titelaspiranten kräftig aufgerüstet haben, während der FCR selbst mit Annemieke Kiesel, Sonja Fuss oder Uschi Holl sogar einige Leistungsträgerinnen abgegeben hat, könnte die Meisterschaft für Duisburg ein schwieriges Unterfangen werden.

Bekannteste Spielerinnen: Auch der Kader der Duisburgerinnen ist gespickt mit Nationalspielerinnen. Linda Bresonik, Krahn, Simone Laudehr, Grings und Alexandra Popp waren bei der WM für Deutschland im Einsatz. Als frisch gebackene Weltmeisterin kehrte Kozue Ando zurück ins Ruhrgebiet.

Übrigens: Sieben Mal stellte der FCR Duisburg die Torschützenkönigin der Bundesliga - keinem anderen Verein gelang dies so oft. Torjägerin Grings ist mit sechs gewonnenen Torjägerkanonen Rekordhalterin. Unerreicht blieben ihre 38 Tore in der Saison 1999/2000.

 

Hamburger SV

Der HSV ist einer von fünf Vereinen, deren Männerteam in der 1. Männer-Bundesliga aktiv ist. Seit der Gründung im Jahr 1970 hat sich der Verein kontinuierlich nach oben gespielt, ehe er fester Bestandteil der 1. Frauen-Bundesliga wurde.

Saisonvorschau: Mit Platz vier erreichte man in der letzten Saison das beste Saisonergebnis der Vereinsgeschichte. Diesen Erfolg würde man freilich gerne wiederholen. Wie die Mannschaft mit dem Abgang von Nationalspielerin Kim Kulig und dem personellen Umbruch zurecht kommt, bleibt abzuwarten. In den Testspielen konnte die Mannschaft bisher nur teilweise überzeugen.

Bekannteste Spielerinnen: Mit Kim Kulig hat der HSV seine wohl bekannteste Spielerin vor der Saison an Frankfurt abgegeben. Marie-Louise Bagehorn und Jessica Wich können, was den Bekanntheitsgrad angeht, zwar nicht mit Kulig mithalten, als Ex-Potsdamerinnen und U-20-Weltmeisterinnen steht ihnen die große Karriere aber wohlmöglich noch bevor.

Übrigens: Im Gegensatz zum Männerfußball dürfen in der 2. Frauen-Bundesliga auch die Reserveteams der Erstligisten spielen. Der Hamburger SV II, der sich zur Saison 2010/2011 für die 2. Liga qualifizieren konnte, wurde zu Ende der Saison Vizemeister und ist damit bester Aufsteiger aller Zeiten. Der FC Lokomotive Leipzig bedankte sich und stieg als Drittplatzierter in die 1. Bundesliga auf.

 

FC Bayern München

Auch bei den Frauen darf der deutsche Rekordmeister der Männer natürlich nicht fehlen. Nach 19 gewonnenen bayrischen Meistertiteln in Folge gehörte der FC Bayern zu einem der Gründungsmitglieder der Frauen-Bundesliga. Danach allerdings kickte man bis 2000 nur in der Bayernliga, ehe man sich seit dem Wiederaufstieg in der Bundesliga etablieren konnte.

Saisonvorschau: Im Vergleich zu den Männern wird bei den Damen des FC Bayern ein wesentlich bescheideneres Saisonziel ausgegeben. "Wir haben eine junge, entwicklungsfähige Mannschaft, die sich nach oben orientieren kann", sagt Trainer Thomas Wörle. Während der Klub in den letzten Jahren oft als Ausbildungsverein fungierte (Behringer, Angerer und Laudehr spielten alle einmal beim FCB), will man die jungen Spielerinnen jetzt auch im Verein halten.

Bekannteste Spielerinnen: Mit Laura Feiersinger hat der FCB die Tochter des ehemaligen österreichischen BVB-Spielers Wolfgang Feiersinger in seinem Kader. Weitere bekannte Spielerinnen sind Petra Wimbersky (ehemalige Nationalspielerin) und Isabell Bachor.

Übrigens: In der Saison 2008/2009 fehlte den Bayern genau ein Tor zur Meisterschaft. Mit 54 Punkten und einer Tordifferenz von +47 landete man am Ende auf Rang zwei hinter Potsdam. Dies war zugleich die beste Platzierung der Bundesligageschichte des FCB.

 

SC 07 Bad Neuenahr

Bad Neuenahr-Ahrweiler ist zugegebenermaßen eine eher unscheinbare Stadt - nicht einmal 30.000 Menschen leben dort. Im Frauenfußball gehört der ansässige Fußballklub allerdings zu den etablierten Vereinen der Bundesliga. Als Gründungsmitglied der Liga 1990 konnte man sich in den Folgejahren zwar nie länger als ein Jahr in der obersten Spielklasse halten, seit 1997 ist der Verein aber dauerhaft in der Bundesliga vertreten.

Saisonvorschau: Mit Sarah Gregorius und Katie Hoyle holte man gleich zwei neuseeländische Nationalspielerinnen. Gregorius soll helfen, die durch den Ausfall von Stürmerin Nicole Rolser (Kreuzbandriss) entstandene Lücke in der Offensive zu schließen. Von Hoyles Verpflichtung wiederum erhofft man sich Stabilität im Defensivverbund. Der neue Trainer Colin Bell (spielte u.a. für Köln und Mainz) bezeichnet seinen Job als etwas ganz Neues für ihn: "Da kann ich Impulse geben, da ist viel Luft nach oben."

Bekannteste Spielerinnen: Nationalspielerin Celia Okoyino da Mbabi ist die mit Sicherheit berühmteste Akteurin im Kader des Sportclubs. Aber auch ihre Kollegin Almuth Schult durfte bei der WM im eigenen Land als dritte Torhüterin dabei sein.

Übrigens: Die neu verpflichtete Vanessa Baudzus ist beim SC Bad Neuenahr sozusagen das Mädchen für alles. Neben ihrem Hauptjob als Abteilungsleiterin Frauenfußball ist sie zudem auch Co-Trainerin der zweiten Mannschaft. Falls Bedarf besteht, hilft sie dort aber auch als Spielerin aus.

Weiter geht's mit Wolfsburg bis Lok Leipzig

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