Fussball

Brasilien: Ohne Marta geht es nicht

SID
Nach ihrem glanzlosen Auftritt gegen Australien muss Brasilien-Star Marta sich steigern
© Getty

Mitfavorit Brasilien hat sich in Gruppe D zu einem ebenso glanzlosen wie glücklichen Auftaktsieg gegen Asienmeister Australien gekämpft. Superstar Marta war bemüht, konnte aber nur wenige Glanzlichter setzen. Marta und Brasilien müssen sich steigern, wollen sie bei der WM in Deutschland endlich ihren ersten Titelgewinn feiern.

Brasilien hängt am Tropf von Marta: Ohne die genialen Momente der fünfmaligen Weltfußballerin sind die Canarinhas offenbar nur die Hälfte wert. Auf dem Weg zu ihrem ersten Titel bei einer Frauen-WM sind die Olympiazweiten vom Zuckerhut auf eine Marta in Topform angewiesen.

Diese Erkenntnis dürfte nicht nur Brasiliens Trainer Kleiton Lima nach dem 1:0 (0:0)-Arbeitssieg zum Auftakt gegen die aufopferungsvoll kämpfenden Australierinnen in Mönchengladbach gewonnen haben. "Marta ist eine fantastische Spielerin, sie ist herausragend, und wir sind froh, dass sie in unserem Team ist", sagte Lima und ergänzte: "Sie ist eine Waffe, die keine andere Mannschaft hat. Wir wollen diese Waffe nutzen."

Dabei konnte die 1,62 m kleine Marta in der Partie gegen Asienmeister Australien nur wenige Glanzlichter setzen. "Das war harte Arbeit und auch ein glücklicher Sieg", gestand Marta nach dem Schlusspfiff: "Aber alle Favoriten haben sich bislang sehr schwer getan. Diese WM ist eine der ausgeglichensten, die es je gegeben hat."

Zerfahrenes Angriffsspiel

Die 25-Jährige zeigte sich von Beginn an bemüht und versuchte immer wieder, spielerische Struktur in das teilweise sehr zerfahrene Angriffsspiel ihrer Mannschaft zu bringen. Brasilien entfachte nur dann Torgefahr, wenn der Superstar der weiblichen Selecao am Ball war.

Bei der Großchance in der 26. Minute hatte Marta ihren Mitspielerinnen den Führungstreffer eigentlich auf dem Silbertablett serviert, doch weder Cristiane noch Rosana waren in der Lage, ihre mustergültige Vorarbeit in Zählbares umzumünzen.

Marta haderte, war unzufrieden und gestikulierte wild, aber sie kämpfte unermüdlich. Darüber hinaus konnte in der brasilianischen Auswahl, die sich mit einer Timba-Trommel, Gesang und einem Tänzchen auf das Spiel gegen das Team aus Down Under eingestimmt hatte, mit Abstrichen nur Cristiane überzeugen. Die Torschützenkönigin der vergangenen beiden olympischen Fußballturniere leistete die energische Vorarbeit zum Siegtreffer von Rosana (54.).

Australiens Stärke: Der Defensivverbund

Dass Pele im Rock - so wird Marta in ihrer südamerikanischen Heimat genannt - selber nur dreimal (35./47./67.) gefährlich vor das Tor kam, war im Wesentlichen dem hervorragend organisierten australischen Defensivverbund zu verdanken. "Wir haben Martas Kreise effektiv gestört und sehr gut gegen sie verteidigt", sagte Australiens Trainer Tom Sermanni.

Zwei Tage vor seinem 57. Geburtstag hatte der Schotte trotz der Niederlage eine tolle Leistung seiner Mannschaft gesehen: "Natürlich sind wir enttäuscht, dass wir nicht mehr den Ausgleich erzielt haben. Ich war mit dem Spiel meiner Mannschaft aber sehr zufrieden."

Auch Spielführerin Melissa Barbieri war sichtlich stolz auf ihr Team. "Wir haben der Welt gezeigt, dass wir gegen die Besten bestehen können", sagte die Torfrau. Am Sonntag ab 14.00 Uhr ist die Mannschaft von Äquatorial-Guinea, die zum Auftakt mit 0:1 gegen Norwegen unterlag, Australiens zweiter Gruppengegner. Am gleichen Tag muss Brasilien ab 18.15 Uhr gegen Norwegen antreten.

Coach Lima erwartet auch gegen den Weltmeister von 1995 eine enge Partie: "Der Frauenfußball hat sich in den vergangenen Jahren enorm entwickelt. Die Mannschaften sind deutlich stärker als früher, es ist alles sehr dicht beisammen." Lima fördert den Zusammenhalt innerhalb der Selecao und setzt auf Teamgeist, verweist aber gleichzeitig auch auf die Abhängigkeit von seiner Schlüsselspielerin: "Wir können nicht nur mit Marta spielen, allerdings auch nicht ohne sie."

Der Spielplan zur Frauen-WM

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