Fussball

SPOX-Redakteure in Unterhose

Von Max-Jacob Ost
Ein heimlich aufgenommener Schnappschuss aus der Redaktion - kennt Ihr "Nicht-Witze"?
© Imago

Redakteure, mySPOX-User, Facebook-Fans und SPOX-Reporter vor Ort: Hier kommen alle zu Wort - und jeder schreibt tatsächlich über Frauen-Fußball. Buntes, Randnotizen und persönliche Erlebnisse zur WM 2011. Heute: Wie der Alltag zur Frauen-WM in der SPOX-Redaktion aussieht. Und warum zum Teufel mancher Redakteur hier in Unterhose sitzt.

Frauen-WM in der SPOX-Redaktion. Machen wir uns nichts vor, das ist wie die Frisur von Mario Gomez: Entweder man liebt sie oder man hasst sie. Eines ist sie aber für Anhänger beider Fraktionen: Großes Entertainment.

Das beginnt schon morgens zu nachtschlafender Zeit, wenn um 10 Uhr in der Redaktionskonferenz der aktuelle WM-Spieltag durchgegangen wird. Egal wer abends antritt. Ob Kolumbien, Nordkorea, Vatikanstaat oder der Geburtshilfekurs Neu-Wedau. Es gibt immer einen Experten am Tisch, der ganz genau weiß, wie es läuft.

"In Kolumbien geht es aufwärts mit dem Frauenfußball. Seitdem man dort nicht mehr an- sondern aufbaut." "Der Trick gegen Nordkorea ist, sich mit UN-Sanktionen Zugang zur demilitarisierten Zone vor dem Strafraum zu ermöglichen." "Nationaltrainerin vom Vatikanstaat ist glaube ich Alice Schwarzer - hatte Lothar Matthäus wohl sein Handy mal aus." "Das Pressing vom Geburtshilfekurs Neu-Wedau ist überragend!"

So geht das ein kleines Weilchen hin und her, bis die Sitzung abrupt abgebrochen wird. Ist ja schon 15 Uhr und das Spiel Vatikanstaat gegen Japan geht los (Sidegag: Was ist der Unterschied zwischen beiden Ländern? Wenn sich die Torhüterin von Japan "Hilfe von oben" wünscht, meint sie damit einen Balljungen, der über 1,20 Meter groß ist). Damit endet also die nüchterne und sachliche Betrachtung der Spiele. Und der eigentliche Spaß beginnt.

Zwischen Dieter-Thomas Kuhn und UN-Sicherheitskonferenz

Denn während der Spiele herrscht in der Redaktion eine Stimmung irgendwo zwischen Dieter-Thomas-Kuhn-Konzert und UN-Sicherheitskonferenz. Der Tickerer und Teile der Fußballredaktion verlieren sich in Detailanalysen von Spielzügen, Auswechslungen und Spielsituationen. Und der Rest macht mehr Stimmung als vor Ort im Stadion herrscht. Faustregel: Zahl der Kalauer > Umdrehungen der LaOla im Stadion.

Kenner des Frauenfußballs und der Stimmung in den Stadien wissen: Eine unfassbar hohe Zahl.

Besonders spannend werden solche Nachmittage, wenn parallel noch Tennis (Wimbledon) oder Formel 1 auf dem Programm stehen. Da vermischen sich schon mal die lautmalerischen Brunftschreie einer Maria Scharapowa mit dem Gekreische mexikanischer Teenies bei der Torchance.

Dementsprechend wenig verwunderlich ist es, wenn man im Fahrstuhl von den Bewohnern der Nachbarbüros angesehen wird, als wäre man ein frei herumlaufendes Schmuddelheftchen aus dem dunklen Eck eines Bahnhofskiosks. Da hilft nur eines: Freundlich lächeln und den Fahrstuhl beim nächsten deutschen Sieg für fünf Stunden mit der Begründung "Das hier is'n Fahrstuhlkorso. SCHLAND!!!" blockieren.

Zieht den SPOXlern die Lederhosen aus...

Doch wir schweifen ab. Ein wichtiges Ritual zur Frauen-WM in der SPOX-Redaktion haben wir nämlich noch vergessen. Den fast sekündlichen Blick auf den Zwischenstand im Frauen-WM-Tippspiel. Immerhin geht es hier um die Redaktionsehre - wer von den Redakteuren in der hinteren Tabellenhälfte landet, braucht für die nächsten Tage/Jahre/Dekaden nicht mit Gnade rechnen.

Weil sie ihm bei irgendeinem Tippspiel zur kasachischen Hallenhalma-WM oder dem mittelfränkischen Weitspuckwettbewerb ausgezogen wurde, sitzt hier mancher Redakteur mental ohne Hose. Ein Gedanke, der an sich schon Folter genug für alle Beteiligten ist.

Aber so ist das nun mal als Sportredakteur. Man muss in diesem Beruf dahin gehen, wo's weh tut. Selbst wenn damit der Gang zur Kaffeemaschine gemeint ist. Die ist nämlich während Frauen-WM-Spielen auffallend verwaist. Sonst der Anlaufpunkt für Seelenbummler aus allen Ressorts, liegt sie während der 90 Minuten WM-Fußball einsam da und tropft verloren einige Tränen in den Überlauf. In manchen Punkten sind sich Frauen- und Männer-WM eben doch auffallend ähnlich.

Und noch etwas ist gleich geblieben: Man sollte unbedingt alles lesen, was wir über unsere Arbeit schreiben. Nur glauben sollte man davon besser kein Wort.

Der Spielplan der WM 2011 im Überblick

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