Hinter den Kulissen: Der Herr der Kabel

Von Laura Romano
Die DB Schülerreporter im Gespräch mit Logistik Manager Joachim Gniza

Das WM-Stadion in Frankfurt rüstet sich für das Spiel Deutschland gegen Kanada am Donnerstag. DB Schülerreporterin Laura Romano warf einen Blick hinter die Kulissen- und traf den Mann, der dort für alles die Verantwortung trägt. Sein wichtigster Helfer: die Sendung mit der Maus.

Es ist 7 Uhr morgens. Der Wecker klingelt. Für Joachim Gniza beginnt ein neuer Tag. Ein neuer Tag voller Stress, Telefonaten und einer Menge Kilometern , die er im Frankfurter WM-Stadion im Stechschritt zurücklegt.

Dort findet am Donnerstag das zweite Gruppenspiel der deutschen Frauen-Nationalelf statt, und die Stadion-Logistik steckt mitten in den Vorbereitungen für den großen Tag.

Dass sein Job stressig ist, sieht man dem etwa 50 Jahre alten Mann an. Etwas zornig sieht er aus. Fast grimmig. Seine Sätze hält er kurz und knapp. Er wirkt streng. Das verleiht ihm Respekt. Die Zigarettenschachtel legt er nie aus der Hand: sein Beruhigungsmittel, um die Nerven zu bewahren.

Zwischen Peking, Sydney und Frankfurt

Joachim Gniza ist Logistik Manager bei DB Schenker, dem offiziellen Logistik Partner der FIFA Frauen WM 2011. Und das seit 30 Jahren.

Seine Karriere begann Ende 1990 bei den Olympischen Spielen in Sydney. Seitdem ist er viel herumgekommen. Peking, USA, Australien, Österreich: Bei großen Sportveranstaltungen kümmert er sich um die Arbeit hinter den Kulissen.

Diesmal ist es die Frauen-WM. Seit dem 6. Juni steht er nun jeden Morgen am Eingang vor dem Stadion in Frankfurt und koordiniert die Anlieferungen für Technik und Versorgung der Stadionbesucher, Journalisten und FIFA-Mitarbeiter: "Eigentlich öffnet der Log Point erst um 9 Uhr. Aber viele LKW´s stehen schon um 8 Uhr auf der Matte. Ich kann sie ja nicht wieder weg schicken."

Seine offiziellen Arbeitszeiten von 9 Uhr - 16 Uhr stimmen nur auf dem Papier. Er muss früher da sein und geht später nach Hause. An Spieltagen ist er um 7.30 Uhr an seinem Arbeitsplatz und kommt erst lange nach Abpfiff nach Hause. "Während des Turniers habe ich oft einen 16-Stunden-Tag. Der kann sich aber auch schnell zu einem 20-Stunden-Tag entwickeln".

400 freiwillige Helfer

Hilfe bekommt Joachim Gniza vor allem von den freiwilligen Helfern. In Fachsprache, die er sehr gerne benutzt: die "Volunteers". Über 400 Männer und Frauen aus allen Altersklassen und sozialen Schichten arbeiten während der WM ehrenamtlich in den Stadien.

Die Volunteers nehmen Gniza zum Beispiel die Empfangsarbeit am Log Point ab und verfrachten die angekommenen Waren an die entsprechenden Orte im Stadion. An diesem Tag etwa schaffen sie alleine 160 Flachbildschirme auf die Pressetribüne, verkabeln die Fernseher und legen Leitungen für die Internetverbindungen von fast 450 Journalisten, die vom Spiel Deutschland gegen Nigeria vor Ort berichten werden.

Alle diese Arbeiten zu koordinieren und die gesamte Logistik zu organisieren, ist Joachim Gnizas Job. Dafür hängt er ständig an seinem Handy. Und wenn es alle zwei Minuten klingelt, verflüchtigt sich jedes Mal das Bild des strengen, abgeklärten Managers. Denn es ertönt die Titelmusik der Sendung mit der Maus. Er hat also doch Humor.

Wohin mit den Bratwürsten?

Und den braucht er auch, um all die Fragen seiner Anrufer freundlich zu beantworten. Wo soll die Lieferung der Monitore hin, die von der letzten WM in Südafrika eingeflogen wurden? Warum sind nicht alle Lampen im Media Center? Wieso funktioniert das Fernsehsignal auf der Pressetribüne nicht? Und wo sollen eigentlich die Bratwürste gelagert werden? So geht es den ganzen Tag.

Doch Herr Gniza weiß die Antwort. Er managt alles. Und das mit einer unglaublichen Ruhe. Er hilft seinen Kollegen geduldig weiter und nimmt ohne zu Raunen jeden Anruf entgegen. Das ist sein Job. Immer präsent sein. Immer erreichbar sein. Er ist verantwortlich, dass bei einem Sportevent, diesmal ist es die FIFA Frauen WM, alles am richtigen Platz landet.

Und der ganze Stress soll ein Traumjob sein? "Ich würde meinen Job niemals gegen einen anderen tauschen. Ich habe das erreicht, was ich mir immer erträumt habe", lächelt Gniza. Vom Logistikarbeiter bei der Messe Frankfurt zum Logistik Manager bei DB Schenker Sportsevents. Ohne Zweifel eine beachtliche Karriere, ein Job mit vielen Gesichtern - und eine Aufgabe, die ihn erfüllt.

Im Labyrinth aus Kabeln

Sein persönliches Steckenpferd ist dabei der Aufbau des IBCC (International Broadcast Communication Center). Das ist der Ort, an dem das Fernsehen sein Zuhause hat. Hier werden die TV-Signale aus allen WM-Stadien verarbeitet und übertragen. Ein Labyrinth aus Parabolantennen, Kabeln und Containern.

Gniza macht es stolz, dass die Weltmeisterschaft auch auf sein Management angewiesen ist. Gerade auch das Fernsehen: "Der Schlimmste, was passieren könnte, wäre ein Stromausfall. Wie damals in Wien, als die Fernseher kurz schwarz blieben. Das war eine Katastrophe. Aber wir sind hier auch darauf vorbereitet."

Mittlerweile ist der anfangs etwas mürrische Mann auch aufgetaut, versprüht einen ganz eigenen, verschmitzten Humor. Man wünscht ihm, dass er von kleineren und größeren Katastrophen während der WM verschont bleibt.

Und dass seine Hoffnungen Wirklichkeit werden: "Ich drücke natürlich der deutschen Mannschaft die Daumen", sagt Gniza. Obwohl er sich - "ehrlich gesagt"- sonst eigentlich kaum für Fußball interessiert: "Aber unsere Mädels sollen Weltmeister werden!"

Laura Romano (18) begleitet als DB Schülerreporterin die FIFA Frauen-Weltmeisterschaft 2011. Während der WM berichtet sie vor Ort von den Spielen in Sinsheim.

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