Deutschlands Rekordnationalspielerin im Porträt

Birgit Prinz: Für Ken und ganz Deutschland

Von Norbert Pangerl
Freitag, 10.06.2011 | 15:52 Uhr
Birgit Prinz könnte ihre Karriere mit einem WM-Erfolg vor eigenem Publikum krönen
© Getty
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Seit nahezu zwei Jahrzehnten ist ihr Name untrennbar mit Frauenfußball in Deutschland verbunden. Trotzdem ist sie für viele nach wie vor die große Unbekannte. Still, bescheiden und ohne Allüren schickt sich Birgit Prinz in diesem Sommer an, ihrer einzigartigen Karriere die Krone aufzusetzen - mit einem WM-Sieg vor eigenem Publikum.

Als am 27. Juli 1994 die deutsche Frauen-Nationalmannschaft in Montreal zum Freundschaftsspiel gegen Kanada antritt, gibt es keine Live-Übertragung im deutschen Fernsehen.

Lediglich 768 tapfere Zuschauer verirren sich ins Stadion, um der Partie der beiden Frauen-Fußball-Großmächte beizuwohnen. Nachdem die Lokalmatadoren bereits in der fünften Minute in Führung gehen und Maren Meinert zehn Minuten später für Deutschland zum Ausgleich trifft, scheint das Match auf ein gerechtes Remis zuzusteuern.

Länderspiel-Debüt mit 16

Als Bundestrainer Gero Bisanz in der 72. Minute die erst 16-jährige Birgit Prinz für "Europas Fußballerin des Jahrhunderts" Heidi Mohr einwechselt, ahnt niemand, dass in diesem Moment eine neue Ära des Frauenfußballs angebrochen ist.

Die Ära der Birgit Prinz.

Genau 17 Minuten ist die junge Stürmerin des FSV Frankfurt auf dem Rasen, als sie mit ihrem Premieren-Tor im Länderspiel-Debüt den 2:1-Siegtreffer für das deutsche Team markiert.

Dieser Treffer ist jedoch nur der erste Mosaikstein einer Karriere, die mit Rekorden und Titeln nur so gepflastert ist und deren Verlauf damals in Kanada noch keiner vorhersehen konnte.

Imagewandel im Frauen-Fußball

Der Frauenfußball hat sich seit 1994 gravierend verändert. Vorbei sind die Zeiten in denen sich nur eine Hand voll Fans zu den Spielen der Nationalmannschaft verirrten und die Feierabend-Kickerinnen ein Schattendasein zwischen rhythmischer Sportgymnastik und Bodenturnen fristeten.

Frauenfußball ist mittlerweile ein Event und - nicht erst seit Theo Zwanziger mehr Sendezeit forderte - auch ein voller Erfolg im TV. Top-Spielerinnen wie Fatmire Bajramaj haben gut dotierte Werbeverträge und können vom Sport leben.

Auch inszenieren sich die Spielerinnen viel selbstbewusster als noch die Generationen vor ihnen. Sportschau-Auftritte in High-Heels, Video-Clips für die Sponsoren, Charity-Auftritte - die Liste der PR-Termine ist im Vorfeld der WM im eigenen Land lang.

Da lässt man keine Kamera, kein Foto-Shooting und keine Facebook-Kampagne aus. Außer man heißt Birgit Prinz.

Old-School-Lady mit eingepflanztem Erfolgsgen

Wie ein Relikt aus vergangener Zeit kommt die am 25. Oktober 1977 in Frankfurt geborene Spielführerin des deutschen Teams im Zeitalter der Facebook-Generation daher. Auf ihrer offiziellen Homepage erscheint als aktuellste News: "Hessischer Verdienstorden für Weltfußballerin Birgit Prinz." Darunter das Datum: 11. November 2007. Damals war Roland Koch noch hessischer Ministerpräsident, schüttelte der Preisträgerin kräftig die Hand - und lächelte gewohnt verbissen in die Kamera.

Vielleicht, so könnte man meinen, ist für Birgit Prinz das ständige Updaten ihrer Erfolge einfach ein zu großer Zeitaufwand. Mit einer Titelsammlung so lang wie die Kaffeekarte von Star Bucks ist sie so etwas wie der weibliche Ronaldo. Weltmeisterin, Weltfußballerin, WM-Torschützenkönigin, WM-Rekordtorschützin und vieles mehr. Lediglich den Europameistertitel hat sie Ronaldo voraus. Und das Privatleben der beiden unterscheidet sich um einige Nuancen.

Lautstark auf dem Platz - zurückhaltend gegenüber den Medien

Im Gegensatz zum "enfant terrible" aus Rio sind Medientermine für die heute 33-Jährige noch immer ein Graus. Schüchtern, fast ängstlich wirkt die 1,79 Meter große Sportlerin auf Aufnahmen neben ihren männlichen Pendants bei der WeltfußballerInnen-Wahl. Dass der große Auftritt nicht ihr Metier ist, äußerte sie bereits 2005 in einem Interview mit der "FAZ".

Insbesondere der ganze Hype nach ihrem Tor im EM-Finale von 1995 war ihr suspekt: "Ich hatte das Gefühl, dass die Medien ungerecht sind. Ich habe es nicht verstanden, warum ich so in den Blickpunkt gerückt wurde wegen dieses einen Tores, da waren schließlich noch andere, die schon ewig in der Nationalmannschaft gespielt und dort gute Leistungen gebracht hatten. Mittlerweile weiß ich, wie die Medien funktionieren."

Vielmehr aber weiß Prinz, wie Fußball funktioniert. In 211 Länderspielen hat sie 128 Tore erzielt. Fast 50 mehr als die Zweitplatzierte Heidi Mohr. Ein Blick auf die Bundesliga-Bilanz der Spielführerin des 1. FFC Frankfurt legt den Verdacht nahe, sie habe in ihrem Vertrag eine Klausel, wonach sie in jedem Spiel mindestens einmal treffen müsste.

Ihre Ausnahmestellung in der Welt des Frauenfußballs hat der gebürtigen Frankfurterin - neben einem kurzzeitigen Engagement in den USA - im Jahr 2003 auch ungeahnte Schlagzeilen beschert.

"Mich hinstellen, nett in die Kameras lächeln. Das bin nicht ich"

Damals verkündete der exzentrische Präsident des AC Perugia, Luciano Gaucci, dass er Birgit Prinz für sein Männerteam - das zu dieser Zeit immerhin in der Serie A spielte - verpflichten wolle. Weltweite Sensationsmeldungen waren die Folge - die sportlichen Meriten traten für kurze Zeit in den Hintergrund. Ein Fakt, der für die gelernte Physiotherapeutin nicht hinnehmbar war.

"Ich habe das immer als PR-Gag von denen wahrgenommen und für so Sachen bin ich nicht zu gebrauchen. Da habe ich keine Lust drauf. Das passt nicht zu meiner Lebensphilosophie. Mich da hinstellen, nett in die Kameras lächeln. Das bin ich nicht", sagte Prinz der "Rheinischen Post" und verschwieg dabei, dass sie durch ihre Absage auf eine siebenstellige Summe verzichtete.

Wer Birgit Prinz kennt - oder glaubt zu kennen - weiß, dass ihr nichts ferner liegt als das Spiel mit den Medien und deren Oberflächlichkeit. Statements wie "Ich bin gerne eine selbstbewusste Tussi" von Lira Bajramaj werden ihr nicht über die Lippen kommen. Was nicht heißt, dass Prinz nicht selbstbewusst wäre. Im Gegenteil: Wer eine sportliche Karriere vorweisen kann, die bei den Männern für zwei reichen würde, hat es nicht nötig sein Gesicht in jede Kamera zu halten.

Gala, Bunte? - ohne Birgit Prinz

"Da könnte ich mir eher vorstellen, als Hund wiedergeboren zu werden und fröhlich wedelnd durch die Welt zu laufen", antwortete die Torjägerin einst auf die Frage, ob sie sich vorstellen könne, im nächsten Leben etwas offensiver außerhalb des Platzes aufzutreten und sich in "Gala" oder "Bunte" zu zeigen. Da ist es auch nicht verwunderlich, dass Prinz sich im Vorfeld der Frauen-WM vornehm zurückhielt.

Besonders OK-Chefin Steffi Jones forderte mehr Engagement von ihrer ehemaligen Mitspielerin. Diese jedoch will sich nicht vereinnahmen lassen: "Es ist ja nicht so, dass ich überhaupt nichts mache. Aber ich halte es eben in Grenzen. Ich weiß einfach, was ich will und was ich nicht will. Ich finde auch, das ist mein gutes Recht. Eine Steffi Jones ist da anders, die hat Freude an solchen Aufgaben. Ich möchte das nicht, die Freiheit habe ich."

Fußball nicht alles im Leben

Ihr Credo "Wenn man sich zu stark auf den Fußball fokussiert, verliert man den Spaß", verdeutlicht, dass sie über den Fußball-Tellerrand hinausschaut. Nebenbei und fast unbemerkt hat sie im letzten Jahr an der Universität Frankfurt ihr Psychologie-Studium erfolgreich abgeschlossen. Die Planungen für die Zeit nach der aktiven Karriere laufen also bereits auf Hochtouren - natürlich ohne Beteiligung der Öffentlichkeit.

So bleibt Birgit Prinz sich auch in einer Zeit selbst treu, in der die Medien vor der WM im eigenen Land nach Schlagzeilen gieren und das zweite Sommermärchen heraufbeschwören wollen. Lediglich mit der Vorstellung ihrer "One-of-a-Kind-Barbie", mit der der Hersteller herausragende Persönlichkeiten des öffentlichen Lebens ehrt, gelang ihr ein für ihre Verhältnisse riesiger PR-Coup. "Offen gestanden ist das hier meine allererste eigene Barbie", erklärte die Hessin bei der Übergabe ihres Plastik-Zwillings.

WM-Titel als großes Ziel

Dass sie diese Ehre auch verdient hat, will die 33-Jährige ab 26. Juni 2011 beweisen. Dann wird sie das deutsche Team im Eröffnungsspiel in Berlin auf das Feld führen. Der Gegner im Olympiastadion: Kanada. Die Zuschauerzahl diesmal: 74.000. Europäische Rekordkulisse.

Läuft alles so, wie es sich Fans, Veranstalter und vor allem das Team vorstellen, könnte Birgit Prinz am 17. Juli 2011 den WM-Pokal in die Höhe stemmen. In ihrer Heimatstadt Frankfurt.

Dies wäre die endgültige Krönung für die Karriere einer Jahrhundert-Sportlerin und die Chance für den neuen hessischen Landesfürsten Volker Bouffier, die Homepage der deutschen Nummer 9 zu reanimieren. Und eines ist sicher: Auch Ken würde sich den Scheitel nachziehen, sich verbeugen und für sie lächeln. Birgit Prinz hätte es sich mehr als verdient.

Der Spielplan der WM 2011

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