Ein extra Stuhl für Sepp Blatter

Von Josef Opfermann
Mittwoch, 29.06.2011 | 19:42 Uhr
FIFA-Präsident Josef Blatter (l.) wünscht sich für das WM-Finale einen eigens eingebauten Stuhl
© Getty

Joachim Gniza ist Venue Logistik Manager bei DB Schenker und kümmert sich hinter den Kulissen um alle Vorbereitungen im Frankfurter WM-Stadion. Im Interview mit DB Schülerreporter Josef Opfermann sprach Gniza über seine Arbeit vor, während und nach den Spielen, die Extrawünsche von Sepp Blatter und den "worst case" eines Logistiker.

DB Schülerreporter: Herr Gniza, Sie sind ein viel beschäftigter Mann. Was sind Ihre Hauptaufgaben in Bezug auf die Abläufe im Stadion von Frankfurt?

Joachim Gniza: Ich kümmere mich um die logistischen Abläufe, ob im Stadion oder vor dem Stadion, ich bin eigentlich überall zu finden. Das beginnt morgens bereits um 8 Uhr am LOG-Point, wenn ich die ersten LKWs abfertige bis die Volunteers kommen, die ihre Arbeit so gegen 9 Uhr aufnehmen.

DB Schülerreporter: Insgesamt sind über 400 Freiwillige während der WM im Einsatz. Wobei gehen die Volunteers Ihnen noch zur Hand?

Gniza: Die helfen mir bei den verschiedensten Dingen. Zum Beispiel muss das 1500 Quadratmeter große Medien Centre aufgebaut werden, in dem dann die Journalisten ihre Berichte schreiben. Bei der Frauen-WM werden insgesamt immerhin rund 2500 Journalisten aus aller Welt im Einsatz sein.

DB Schülerreporter: Das scheint ein sehr aufwändiger und stressiger Job zu sein. Wann geht denn Ihr Arbeitstag zu Ende?

Gniza: Um 18.30 Uhr findet täglich die Besprechung mit dem General Coordinater und den Leuten von der FIFA statt. Gegen 21 Uhr endet dann mein Arbeitstag an einem Nicht-Spieltag. An einem Spieltag verlagert sich das Ganze natürlich um bis zu vier Stunden nach dem Abpfiff nach hinten. Da wird es schnell mal Mitternacht.

DB Schülerreporter: Seit wann sind Sie hier in Frankfurt mit den Vorbereitungen auf die WM beschäftigt?

Gniza: Seit dem 6. Juni bin ich hier in Frankfurt tätig, um zum Beispiel die Medientribüne, die für die WM komplett umgebaut werden muss, vorzubereiten. Insgesamt werden hier fast 450 Arbeitsplätze für Kommentatoren und Journalisten zur Verfügung stehen.

DB Schülerreporter: Gibt es einen Bereich, in dem Sie besonders gerne arbeiten?

Gniza: Ich muss in meiner Arbeit möglichst viele Bereiche abdecken, aber die Arbeit am LOG-Point bereitet mir sehr viel Freude, weil man dort mit vielen unterschiedlichen Menschen zusammentrifft, wie den ganzen LKW-Fahrern. Auch der Aufbau des International Broadcasting Centers für die Fernsehübertragungen macht mir immer großen Spaß.

DB Schülerreporter: Arbeiten Sie auch während des Spiels?

Gniza: Es gibt natürlich immer etwas zu tun, sehr viele Kleinigkeiten, die auch während des Spiels anfallen. Wenn zum Beispiel der Begleiter eines Rollstuhlfahrers noch einen Stuhl benötigt: Auch dann sind wir zur Stelle.

DB Schülerreporter: Was gibt es nun noch bis zum Anpfiff des Deutschlandspiels am Donnerstag zu tun?

Gniza: Momentan werden noch die ganzen Monitore auf der Medientribüne aufgebaut, da die direkt vom Eröffnungsspiel aus Berlin hierher nach Frankfurt geliefert wurden. Außerdem werden noch kleinere Aufenthaltszelte für die Security-Leute aufgebaut, die sonst den ganzen Tag in der Sonne arbeiten müssten. Ansonsten werden hauptsächlich die Bereiche des Caterings betreut, um möglichst alle Speisen und Getränke pünktlich servierbereit zu haben.

DB Schülerreporter: Sepp Blatter, der Präsident der FIFA, besteht auf einen eigenen Stuhl beim Finale direkt auf Höhe der Mittellinie. Da dort aber eine Treppe ist, muss extra ein neuer Stuhl eingebaut werden. Ist das nicht viel Aufwand für einen einzigen Sitzplatz?

Gniza: (lacht) Natürlich müssen wir diesen Stuhl erst mal an seinen Platz befördern und ihn dort auch so befestigen, dass weder für Herrn Blatter noch für andere Zuschauer Probleme entstehen. Aber auch das werden wir sicher lösen.

DB Schülerreporter: Was wäre für Sie als Logistik Manager das Schlimmste, was passieren könnte, also der "worst case"?

Gniza: An so etwas wie einen "worst case" denken wir gar nicht, aber das Schlimmste, was passieren könnte, wäre, wenn etwas mit der Statik des Medien Centers nicht in Ordnung wäre und das ganze Zelt zusammenbrechen würde. Aber auch ein Stromausfall, der alle Fernsehproduktionen und Übertragungen lahm legen würde, wäre fatal. Allerdings haben wir Stromgeneratoren, die im Notfall die Stromversorgung aufrecht erhalten.

DB Schülerreporter: Eine letzte Frage noch. Wer wird Weltmeister?

Gniza: Ich hoffe, dass unsere Frauen Weltmeister werden, aber das kann man nie genau vorhersagen. Während so eines Turniers kann viel passieren. Nicht nur für die Logistiker.

Josef Opfermann (17) begleitet als DB Schülerreporter die FIFA Frauen-Weltmeisterschaft 2011. Während der WM berichtet er vor Ort von den Spielen in Wolfsburg.

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