Frauen-Fußball in Pakistan

Zwischen Zwangsheirat und Liebe zum Spiel

Von Stefan Moser
Mittwoch, 23.03.2011 | 20:00 Uhr
Südasien-Meisterschaften in Bangladesch: Sana Mahmud führt Pakistans Nationalteam aufs Feld
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Der dritte Teil der SPOX-Themenwoche beschäftigt sich mit Frauenfußball in Pakistan. In Teilen des Landes gelten Frauen nach wie vor als Eigentum des Mannes, Zwangsehen und "Ehrenmorde" inklusive. Viele dürfen alleine noch nicht einmal das Haus verlassen - geschweige denn öffentlich Sport machen. Bei gemischt-geschlechtlichen Sportveranstaltungen kam es immer wieder zu gewalttätigen Übergriffen durch islamistische Gruppen. Trotzdem hat sich in den letzten Jahren eine Frauennationalmannschaft organisiert. Die Kapitänin Sana Mahmud erzählt über die Probleme in ihrer Kultur - und ihre große Liebe zum Sport.

Nach 2 Stunden und 16 Minuten überquerte Tseko Mpolokeng die Ziellinie im Gaddafi-Stadion und riss erschöpft die Arme nach oben. Er hatte soeben die haushohen Favoriten aus Kenia und Äthiopien geschlagen - und den ersten internationalen Marathon-Lauf in Lahore, der mit 8 Millionen Einwohnern zweitgrößten Stadt Pakistans, gewonnen. Am 30. Januar 2005 schrieb der Südafrikaner damit ein kleines Stück Sporthistorie.

Knapp vier Monate später, an gleicher Stelle: eine neue Geschichte. Diesmal eine ganz andere; geschrieben von rund 50 pakistanischen Frauen und Mädchen. Wieder stand in Lahore ein Marathon auf dem Programm. Doch die kleine Gruppe feierte ihren Sieg nicht erst im Ziel - sie triumphierte bereits in dem Moment, als sie die Startlinie überquerte.

Auf Intervention der Mullahs hatte die Stadtverwaltung den Frauen nämlich die Teilnahme an den Laufwettbewerben kurzfristig untersagt. "In unserer Kultur will kein Vater sehen, wie seine Tochter zusammen mit Jungs auf der Straße herumläuft, und das auch noch in kurzen Hosen", ließ Hafiz Hussain Ahmed, der stellvertretende Vorsitzende von Pakistans größter konservativ-islamischen Partei (MMA), wissen.

"Wir sind gelaufen. Und die Polizei hinterher!"

50 Frauen aber liefen trotzdem. Zwar nicht in kurzen Hosen sondern in der Schalwar Kamiz, der landesüblichen Tracht, bestehend aus einem knielangen Hemd, weiten Stoffhosen, einem breiten Schal über Kopf, Hals und Schultern sowie zum Laufen reichlich ungeeigneten Schuhen. Die Gruppe lief auch nicht die volle Distanz, sondern nur einen einzigen, symbolischen Kilometer vom Liberty Square bis zum Stadion. Aber sie lief.

In den Augen von Bushra Aitzaz, einer der Mitorganisatorinnen des verbotenen Laufs, blitzt noch heute ein verschmitzter Stolz, wenn sie sich an die Szene erinnert: "Wir haben damals beschlossen, uns zu widersetzen. Wie konnten sie es wagen, uns das Laufen zu verbieten! Also sind wir einfach los gelaufen. Und die Polizei hinter uns her." Der Gedanke an das skurrile Bild bringt die selbstbewusste und sympathische Frau heute selbst zum Lachen.

Video der Heinrich-Böll-Stiftung in Pakistan: Bushra Aitzaz im Interview

Dabei hat die Episode einen geradezu beklemmend ernsten Hintergrund. Im Diskurs um die religiöse Identität des Landes wurden gemischt-geschlechtliche Sportveranstaltungen mehrfach zu einem Politikum. Immer wieder kam es bei vergleichbaren Aktionen zu gewalttätigen Übergriffen auf Frauen durch islamistische Gruppierungen und Anhänger der MMA.

"Könnte das Todesurteil bedeuten"

"Es gibt Familien in Pakistan, in denen es für die Töchter schlichtweg das Todesurteil bedeuten kann, wenn sie in der Öffentlichkeit Sport treiben würden", beschreibt Britta Petersen, Leiterin der Heinrich-Böll-Stiftung in Lahore, das grundsätzliche Klima in bestimmten Milieus.

Vor allem in den ländlich geprägten Gebieten im bevölkerungsreichen Nordwesten entlang der afghanischen Grenze gelten Frauen - wie das Land oder das Vieh - nach wie vor oft als Eigentum des Mannes. Zwangsehen sind gängige Praxis. Fast täglich gibt es Berichte über "Ehrenmorde", von denen weniger als zehn Prozent zu einer Festnahme oder einer Verurteilung des Täters führen.

Der traditionelle Gesetzeskodex der paschtunischen Stämme, der "Paschtunwali", ist oft noch konservativer als die von Militärdiktator Zia ul-Haq (Regierungszeit: 1977-86) eingeführte islamische Familiengesetzgebung.

Vergewaltigt - und dafür ausgepeitscht

Dessen sogenannte Hudood Ordiances sorgten nach grotesken Urteilen vor allem in den 80er Jahren auch in westlichen Medien zumindest anekdotisch für Schlagzeilen. Wie der Fall der 13-jährigen Jehan Mina. Das Waisenkind wurde 1983 mutmaßlich von ihrem Onkel und dessen Söhnen mehrfach vergewaltigt und erwartete schließlich selbst ein Kind. Um die Täter zu verurteilen, verlangt die Scharia allerdings vier, selbstredend männliche, muslimische Augenzeugen, die die Vergewaltigung mit angesehen haben und die Geschichte des Opfers im Detail bestätigen.

Jehan Mina aber konnte natürlich keine vier Zeugen benennen. Also wurde ihre Schwangerschaft als Beweis gegen sie verwendet. Wegen Ehebruchs wurde sie zu hundert Peitschenhieben und drei Jahren Einzelhaft verurteilt.

"Solche Fälle gibt es auch heute noch, das Thema ist nach wie vor relevant", sagt Petersen. In konservativen Umgebungen in Pakistan hat sich die Stellung der Frau langfristig nicht verbessert: "Der Vater oder der Ehemann entscheiden dort alleine, was die Frau darf oder nicht darf. Und in vielen Familien können sie ohne männliche Begleitung noch nicht einmal das Haus verlassen."

Die Frage, ob sie öffentlich an Sportveranstaltungen teilnehmen, stellt sich entsprechend erst gar nicht.

Petersen geht davon aus, "dass da draußen etliche Mädchen davon träumen, einen Marathon zu laufen, Cricket oder Fußball zu spielen, aber ganz genau wissen, dass die Väter das nie zulassen würden. Wenn sie aus der falschen Familie kommen und sich dagegen auflehnen, könnten schreckliche Dinge passieren..."

Sana Mahmud: Fußball in aller Öffentlichkeit

Sana Mahmud kommt, gemessen daran, aus der "richtigen" Familie. Die 21-Jährige lebt und studiert im vergleichsweise modernen Islamabad. Ihre Eltern gehören zum, in der Regel eher liberalen, gehobenen urbanen Mittelstand. Ihr Vater arbeitet für die UNO, die Mutter designt Kleider in der Hauptstadt.

Und Sana spielt Fußball. In aller Öffentlichkeit. Mit ihrem Klub, den 2007 von der amerikanischen Botschaft gegründeten Young Rising Stars, gewann sie bereits zwei Mal die nationale Meisterschaft. Seit 2010 ist sie außerdem die Kapitänin der pakistanischen Frauennationalmannschaft. Ihre Familie unterstützt und fördert ihre sportliche Laufbahn.

Teil 2: Frauenfußball in Pakistan: "Solange wir keine Burka tragen"

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