Pionier des Frauenfußballs wird 75

SID
Mittwoch, 03.11.2010 | 17:36 Uhr
Hier strahlt Gero Bisanz, als er mit seinem Team das EM-Finale 1995 gegen Schweden gewann
© Getty
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Wenn Gero Bisanz heute im Kreise von Familie, Freunden und DFB-Vertretern seinen 75. Geburtstag begeht, liegt nur gemäßigte Feierlaune in der Luft vom rheinischen Overath.

Seinen 75. Geburtstag feiert der Pionier des deutschen Frauenfußballs ohne großes Tamtam: Gemeinsam mit Familie, Freunden und Weggefährten stößt der langjährige ehemalige Frauen-Nationaltrainer und Chefausbilder des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) heute im heimischen Overath bei Köln im kleinen Kreis auf seinen Ehrentag an. "Ich mag diese großen Feiern mit vielen Lobhudeleien nicht", sagt Bisanz.

Gründe für solche Lobhudeleien gäbe es zur Genüge: Seine Aufgabe als Trainer und Mitbegründer des Frauen-Nationalteams in den Jahren 1982 bis 1996 war es, die Grundlagen für eine erfolgreiche Zukunft zu legen. Nicht nur für die DFB-Auswahl, sondern generell durch verbesserte Ausbildung und Strukturen, die die Vorbereitung einer weiblichen Bundesliga ermöglichten.

"Die Saat ist aufgegangen"

In seinen 14 Jahren als Frauencoach legte Bisanz das Fundament des heutigen Erfolges: Dem Durchbruch mit dem ersten EM-Sieg 1989 im ausverkauften Stadion in Osnabrück folgten die ersten TV-Übertragungen von Frauen-Länderspielen im deutschen Fernsehen, dann der zweite EM-Titel 1991, die WM-Teilnahme 1991 mit Platz vier in China.

Vier Jahre später das WM-Finale in Stockholm, ein erneuter EM-Titel 1995 und Platz drei bei Olympia 1996 in Atlanta. Bisanz blickt voller Stolz zurück: "Mein Auftrag war es, den Frauenfußball mit einem Nationalteam international zu etablieren. Die Saat ist aufgegangen."

Die enorme Entwicklung im Frauenfußball seit seiner Zeit schreibt er auch der zunehmenden Professionalisierung zu. "Ich war damals noch alleine. Silvia Neid hat heute einen ganzen Expertenstab um sich", sagt Bisanz über seine einstige Musterschülerin, die heutige DFB-Trainerin. "Das hat natürlich auch mit dem Präsidenten zu tun. Bei Theo Zwanziger ist das Thema eine richtige Herzensangelegenheit."

Der Jugendfußball lag Bisanz immer am Herzen

Bereits vor seiner Zeit als Wegbereiter des Frauenfußballs bestimmten der Jugendfußball und Ausbildungsfragen das sportliche Leben von Bisanz nach seiner aktiven Zeit als Fußballer beim 1. FC und Viktoria Köln. Nach dem Abitur in Bielefeld und dem Diplomsportstudium in Köln war Bisanz zunächst im Schuldienst, bevor er ab 1970 an der Kölner Sporthochschule dozierte.

Von 1980 an leitete Bisanz dann die DFB-Trainerausbildung in der Nachfolge von Hennes Weisweiler, war 1981 zudem B-Nationaltrainer, und ab 1982 Chefcoach und Mitbegründer der Frauen-Auswahl im Auftrag des damaligen DFB-Präsidenten Hermann Neuberger.

Nach Rücktritt Chefausbilder beim DFB

Nach seinem Rücktritt 1996 arbeitete Bisanz noch bis zu seiner Pensionierung als DFB-Chefausbilder. Danach war er bis zum vergangenen Jahr noch freiberuflich tätig. Sein letzter Einsatz: 2009 begleitete er als Beobachter im Auftrag der europäischen Fußball-Union UEFA ein Miniturnier der Anfängernationen im Frauenfußball auf Malta.

Nun gilt seine Zeit der Familie, dem Golfspiel und gelegentlichen Besuchen von Spielen der Frauen-Bundesliga beim 1. FC Köln oder Bayer Leverkusen.

Und wenn nach den beiden WM-Triumphen 2003 und 2007 im nächsten Sommer bei der WM im eigenen Land das nächste Erfolgskapitel des deutschen Frauenfußballs geschrieben werden soll, wird Bisanz das Geschehen verfolgen - allerdings nur privat: "Es gibt ja viele junge und gute Leute. Da muss ich mich als alter Mann nicht mehr einmischen."

Jones auf den Spuren von Beckenbauer

 

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