Sonntag, 28.11.2010

WM-Außenseiter: Mexiko im Porträt

El Tri, der Favoritenschreck

Viva Mexico! Völlig überraschend setzten sich die mexikanischen Frauen im Qualifikationsturnier gegen die USA durch. Damit nimmt El Tri zum zweiten Mal nach 1999 bei einer Frauen-WM-Endrunde teil, aber die Vorrunde soll noch nicht das Ende für Mexiko bedeuten. Coach Leonardo Cuellar bläst schon mal zum Angriff. Die mexikanische Topspielerin Marigol gilt sogar als Anwärterin zur Spielerin des Turniers.

Die überragende mexikanische Akteurin der vergangenen Jahre: Maribel Dominguez (r.)
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Die überragende mexikanische Akteurin der vergangenen Jahre: Maribel Dominguez (r.)

Erst zum zweiten Mal nach 1999 ist eine mexikanische Nationalmannschaft bei einer WM-Endrunde der Frauen dabei. Völlig unbedeutend waren die Mexikanerinnen in den vergangenen Jahren im internationalen Vergleich.

Auch Spiele gegen deutsche Mannschaften 1999 und 2004 wurden sang- und klanglos mit 0:2 und 0:6 verloren. Doch seit der Qualifikation für die WM-Endrunde und dem historischen Sieg gegen die USA ist alles anders. Nur ein Zufallsprodukt? Oder die stetige Entwicklung eines schlafenden Riesen?

Zumindest Trainer Leonardo Cuellar will keineswegs nur einen Ausflug nach Europa machen: "Wir wollen eine Hauptrolle bei der WM im kommenden Jahr spielen!", so die Kampfansage in Richtung der etablierten Teams. Und die Qualität scheint mittlerweile tatsächlich vorhanden zu sein.

Überragende Qualifikation

Standen bis zuletzt nur neun eigene Treffer unglaublichen 106 Gegentoren gegenüber und schaffte man in 24 Aufeinandertreffen nur ein einziges Unentschieden, gelang jetzt das schier Unmögliche: Am 5. November gewann Mexiko im Halbfinale des Qualifikationsturniers zur WM-Endrunde gegen die übermächtigen USA.

Die 8500 begeisterten Zuschauer in Cancun/Mexiko bewunderten nach 90 Minuten das sensationelle 2:1 ihrer Mannschaft auf der Anzeigentafel. Der Sieg war gleichbedeutend mit der direkten Qualifikation. Die USA wurden in die Relegation geschickt. Eine echte Revolution im Frauen-Fußball auf dem amerikanischen Kontinent - und ein historischer Triumph des 22. der FIFA-Weltrangliste gegen den Zweitplatzierten.

Im gesamten CONCACAF-Qualifikationsturnier, das die Mexikanerinnen in ihrem Heimatland austragen durften, wurde das Team von einer Euphoriewelle getragen, mit dem Höhepunkt des Halbfinals gegen den ungeliebten Nachbarn aus dem Norden.

Zuvor konnte man sich mit klaren Siegen gegen Französisch-Guayana und Trinidad und Tobago durchsetzen. Die einzige unüberwindbare Hürde waren die Kanadierinnen, gegen die in der Vorrunde und im Finale verloren wurde.

Mexiko hat es tatsächlich geschafft. Allen voran Trainer Leonardo Cuellar will sich jetzt in Deutschland nicht mit der Außenseiterrolle zufrieden geben und bläst zum Angriff.

Keine extravagante Haarpracht mehr

"Der mexikanische Frauenfußball wird immer besser. Das wir hier den zweiten Platz erreicht haben, ist ein wichtiger Schritt. Der Fußball hat hier einen hohen Stellenwert und deshalb müssen wir alles tun, um die Mannschaft zum Erfolg zu führen. Wir werden hart arbeiten, um mit der besten Mannschaft Mexikos aller Zeiten an der Weltmeisterschaft teilzunehmen", so Cuellar nach der Qualifikation.

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Der 44-fache mexikanische Ex-Nationalspieler galt mit seiner extravaganten Haarpracht während seiner aktiven Zeit schon als Paradiesvogel. Als mexikanischer WM-Held von 1978 in Argentinien hat er maßgeblichen Anteil an der Entwicklung des Frauenfußballs in seinem Land. Unter seiner Leitung wurden U-17- und U-20-Juniorinnen-Teams installiert, die regelmäßig an Weltmeisterschaften teilnehmen.

Er war es, der professionelle Jugendbetreuung auch für Mädchen in Mexiko auf den Weg brachte. Er war es, der den Frauenfußball salonfähig machte und immer noch geht alles, was in Mexiko mit Frauenfußball zusammenhängt, über seinen Schreibtisch.

Spätestens seit dem Sieg über die USA wird der 58-Jährige, von dessen wallendem Haar nicht mehr viel übrig ist, gefeiert wie ein mexikanischer Volksheld und gilt als die absolute Ikone des Frauenfußballs, der nun die Früchte seiner eigenen Arbeit ernten darf.

Die Stadien der Frauen-WM 2011 in Deutschland
Stadt: Frankfurt am Main; Name: Commerzbank Arena; Plätze: 49.240
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Stadt: Frankfurt am Main; Name: Commerzbank Arena; Plätze: 49.240
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Stadt: Augsburg; Name: Impuls-Arena; Plätze: 30.660
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Stadt: Augsburg; Name: Impuls-Arena; Plätze: 30.660
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Stadt: Bochum; Name: Rewirpowerstadion; Plätze: 29.448
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Stadt: Bochum; Name: Rewirpowerstadion; Plätze: 29.448
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Stadt: Wolfsburg; Name: Volkswagen-Arena, Plätze: 30.000
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Stadt: Wolfsburg; Name: Volkswagen-Arena, Plätze: 30.000
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Stadt: Sinsheim; Name: Rhein-Neckar-Arena; Plätze: 30.150
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Stadt: Sinsheim; Name: Rhein-Neckar-Arena; Plätze: 30.150
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Stadt: Berlin; Name: Olympiastadion Berlin; Plätze: 74.244
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Stadt: Berlin; Name: Olympiastadion Berlin; Plätze: 74.244
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Stadt: Leverkusen; Name: BayArena; Plätze: 30.210
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Stadt: Leverkusen; Name: BayArena; Plätze: 30.210
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Stadt: Mönchengladbach; Name: Stadion im Borussia-Park; Plätze: 54.057
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Stadt: Dresden; Name: Rudolf-Harbig Stadion; Plätze: 27.190
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Stadt: Dresden; Name: Rudolf-Harbig Stadion; Plätze: 27.190
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Marigol knipst nach Belieben

Vor allem eine mexikanische Dame, so prophezeien alle Experten, wird sich zum wiederholten Male in die Köpfe der Weltöffentlichkeit spielen. Beim Qualifikationsturnier war sie mit sechs Treffern schon die überragende Akteurin im Trikot von El Tri: Maribel Dominguez. Auch mit ihren 33 Jahren hat sie nichts von ihrer Torgefahr eingebüßt. "Marigol", so ihr Spitzname, bekam einst als erste Frau ein Angebot eines Männerteams und kam damit zu unerwarteter Berühmtheit:

Nach ihrer starken Leistung bei den Olympischen Spielen 2004 in Athen, bei denen sie ihre Mannschaft bis ins Viertelfinale führte, unterschrieb sie einen Zweijahres-Vertrag beim mexikanischen Herren-Zweitligisten Atletico Celaya. Doch sie durfte nie mit ihren männlichen Kollegen auflaufen.

Die FIFA und allen voran Sepp Blatter hatten damals etwas gegen das Experiment: "Es muss eine klare Trennung zwischen Männer und Frauenfußball geben", so die FIFA damals. Dominguez ging trotzdem ihren Weg, aber bei den Damen: Von 2005 bis 2006 spielte sie beim FC Barcelona und war 2005 sogar für die Wahl zur Weltfußballerin des Jahres nominiert. Die 1,61 Meter große und und nur 54 Kilogramm schwere Marigol hat zumindest alle Vorraussetzungen, um die überragende Spielerin des Turniers zu werden.

Schwachstelle das Kollektiv?

Fraglich erscheint, ob Marigol eine der wenigen Mexikanerinnen ist, die das Tempo bei einer WM auf Dauer mitgehen können. Die einzig gute Fußballerin im Kader ist sie dagegen sicher nicht. Gerade in den letzten beiden Jahren konnten Spielerinnen wie Veronica Perez, Guadalupe Worbis und Rosario Saucedo an der Seite der Nummer 9 überzeugen.

Ob die Tiefe des jungen und international unerfahrenen Kaders jedoch ausreicht, um in Deutschland eine entscheidende Rolle zu spielen, wird eine der spannenden Fragen der WM 2011.

Die Mexikanerinnen könnten für eine große Überraschung bei der WM sorgen - jedoch scheint das Team des Star-Trainers Cuellar und der Top-Spielerin Dominguez noch zu unreif für den ganz großen Wurf zu sein. Ein Überstehen der Gruppenphase wäre für Los Tricolores bereits ein riesiger Erfolg. Wenn dies gelingt, scheint allerdings vieles möglich. Ob Mexiko die Klasse zum Favoritenschreck hat? Einfach mal bei den USA nachfragen....

Der Spielplan für die WM 2011

Daniel Riedmüller

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