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Breite Brüste

Donnerstag, 17.03.2016 | 23:59 Uhr
Borussia Dortmund steht souverän im Viertelfinale der Europa League
© getty
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Borussia Dortmund steht nach dem 2:1-Sieg in Tottenham unter den letzten acht Mannschaften in der Europa League. Der BVB strotzt aktuell nicht nur vor Selbstvertrauen, sondern hat nun auch den richtigen Zugang zu diesem Wettbewerb gewonnen. Es winkt ja schließlich die Unsterblichkeit.

34 Tore hat Alexander Frei in 74 Bundesligaspielen für Borussia Dortmund erzielt. Der Schweizer genießt in Dortmund immer noch einen exzellenten Ruf. Der hat zwar nicht gelitten, doch der offizielle UEFA-Botschafter des Europa-League-Finals in Basel hat dem BVB bislang einen Bärendienst erwiesen.

Frei hat nämlich seine Hände im Spiel, wenn es an die Auslosungen in diesem Wettbewerb geht. Saloniki, Krasnodar und Qäbäla bekamen die Westfalen vom 36-Jährigen in der Gruppenphase angeboten. Nach den glitzernden Champions-League-Jahren eine schwer zu verdauende Nuss für die Dortmunder Belegschaft.

Resultat: Die Mannschaft von Thomas Tuchel verpasste Rang eins, gegen PAOK setzte es gar die einzige Heimniederlage der gesamten Saison. Dortmund hatte Schwierigkeiten, sich auf diese vermeintlich unattraktiven Begegnungen einzulassen.

Vier Partien zum Endspiel

FC Porto und Tottenham Hotspur hießen die beiden nächsten Lose, die Frei für die Borussia parat hatte. Ein renommierter Gegner aus der Königsklasse und die neben Leicester City wohl heißeste Truppe Englands also. Es hätte den BVB durchaus besser, sprich leichter, treffen können.

Doch es hat den Anschein, als ob sich die Dortmunder bei ihrem ehemaligen Schützling mittlerweile eher bedanken als beschweren können. Die Westfalen haben Porto und die Spurs deutlich in die Schranken verwiesen, der BVB steht im Viertelfinale und hat nur noch vier Partien vor der Brust, um ins Endspiel einzuziehen.

"Wir nehmen den Wettbewerb besonders nach dieser Gruppenphase nun extrem ernst", sagt Europa-League-Torhüter Roman Weidenfeller fast ungefragt. Das hat aber nicht ausschließlich mit den klangvolleren Namen der Gegner in der K.o.-Phase zu tun.

Dominanz dank Selbstvertrauen

Dortmund hat in diesen vier erfolgreich bestrittenen Partien einen anderen, neuen Zugang zu diesem Wettbewerb gefunden. Dies hatte Tuchel bei seinem Hinrunden-Fazit bereits Ende des vergangenen Jahres eingefordert. Schließlich war die Lethargie, mit der seine Mannschaft bisweilen in der Gruppenphase agierte, augenscheinlich.

Es war allerdings nicht selbstverständlich, dass der BVB gegen Porto und Tottenham zu keiner Sekunde etwas anbrennen ließ. Natürlich reizt es die Akteure in Schwarzgelb deutlich mehr, zu starken Teams in europäische Metropolen zu reisen. Das ist man als Dortmunder Spieler mittlerweile einfach gewohnt. Man ist in allen Belangen gefordert, es herrscht quasi auf Abruf die nötige Konzentration und Ernsthaftigkeit.

Die Dominanz, die Dortmund in den vier Europa-League-Partien im Jahr 2016 ausstrahlte, hängt jedoch auch enorm mit dem großen Selbstvertrauen zusammen, das sich die Mannschaft erspielt hat. Der BVB ist im neuen Jahr noch ungeschlagen, in 14 Pflichtspielen gab es zwölf Siege, zehn davon gar gegentorlos.

BVB wächst unaufhörlich

Dieser Lauf hat jedem Akteur längst zu einer extrem breiten Brust verholfen. Die Mannschaft agiert sehr präsent, hat die Abläufe für Tuchels Spiel verinnerlicht, passt sich taktisch wie auch personell an und nimmt kein Spiel mehr auf die leichte Schulter. Es wirkt alles so leicht, man meint, die Truppe aktuell in jeder Besetzung ohne Qualitätsverlust aufs Feld schicken zu können.

Da kann es sogar passieren, dass selbst aus dem Mund eines ansonsten sehr zurückhaltend wirkenden Spielers wie Matthias Ginter zu hören ist: "Wir haben gegen Porto und Tottenham jeweils Ausrufezeichen gesetzt. Es wird sehr schwer, gegen uns weiter zu kommen. Wir können daher ganz entspannt die Auslosung verfolgen."

Die Borussia scheint unter Tuchel mit ihren Aufgaben unaufhörlich zu wachsen. Attraktives Ziel am Donnerstagabend in London: Weiterkommen, gewinnen und damit die erste deutsche Mannschaft werden, die die White Hart Lane siegreich verlässt. "Wir wussten davon und es war ein großer Anreiz für uns, das zu schaffen", sagte Tuchel: "Der Hunger, noch einmal gewinnen zu wollen, war uns deutlich anzumerken. Wir haben es verdient geschafft, ein großartiges Gefühl. Der Sieg bedeutet uns sehr viel."

Triumph für die Unsterblichkeit

Tuchel weiß, dass seine Mannschaft derzeit wie ein Uhrwerk funktioniert. Sechs englische Wochen am Stück liegen ab Sonntag nach dem Gastspiel in der Bundesliga beim FC Augsburg dann hinter ihr. Dennoch ist sie frisch, mangelnde Physis war auch zur Überraschung des Trainers bislang noch kein Thema.

Warum all dies so ist? Da gerät Tuchel nicht nur ins Schwärmen, er muss auch ausholen: "Wir befinden uns körperlich in einer Topform. Wir können in mehreren Konstellationen auf einem sehr, sehr hohen Niveau Leistung bringen. Wir haben eine gute Ausstattung gerade. Den Klebstoff, der das zusammenhält, den liefert die Mannschaft auf eine beeindruckende Art und Weise. Ich finde es bemerkenswert, welchen Willen und welchen Hunger sie alle drei Tage zeigt. Die Mannschaft ist in der Lage, die Vorgaben flexibel umzusetzen. Es ist ein großes Vertrauen zwischen uns für diesen Weg entstanden. Die Spieler strahlen eine große Verlässlichkeit aus für die Dinge, die wir uns vornehmen. Das ist die Voraussetzung dafür, in Serie zu gewinnen."

Fünf Partien wären noch erfolgreich zu gestalten, um erstmals in der Vereinsgeschichte die einstige UEFA-Cup-Trophäe in die Luft zu stemmen. Dieses Ziel existiert in den Köpfen der Spieler, sie sind sich bewusst, dass ein solcher Triumph an einem Standort wie Dortmund die Unsterblichkeit bedeutet.

"Ich bin doch nicht blöd"

Sie sind sich aber genauso bewusst - und das ist der wichtige mentale Unterschied im Vergleich zur schleppend verlaufenden Gruppenphase -, dass alle kommenden Gegner machbar erscheinen. Dortmund muss man eindeutig zu den Favoriten auf den Titelgewinn zählen.

Das ist auch längst im nördlichen England angekommen. Dort wurde Jürgen Klopp im Anschluss an sein für seine bisherige Amtszeit durchaus bedeutendes Weiterkommen gegen Liverpool-Erzrivale Manchester United gefragt, ob er in der Runde der letzten Acht nicht auf Borussia Dortmund Lust hätte.

"Natürlich nicht", erwiderte Klopp. "Warum sollte ich mir das stärkste Team als Gegner für die nächste Runde wünschen? Ich bin doch nicht blöd."

Daten & Statistiken: Tottenham Hotspur - Borussia Dortmund

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