Donnerstag, 18.02.2016
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Europa League, Sechzehntelfinale

BVB schlägt harmloses Porto

Borussia Dortmund hat das Hinspiel im Sechzehntel-Finale der Europa League gegen den FC Porto mit 2:0 (1:0) gewonnen. Der BVB kontrollierte das Spiel über weite Strecken, gegen harmlose Portugiesen wäre sogar noch ein höherer Sieg möglich gewesen.

Lukasz Piszczek (2.v.l.) brachte Dortmund bereits in der 6. Minute in Führung
© getty
Lukasz Piszczek (2.v.l.) brachte Dortmund bereits in der 6. Minute in Führung

Vor 65.851 Zuschauern im ausverkauften Signal Iduna Park brachte Lukasz Piszczek Dortmund früh in Führung (6.), aus der anschließenden, teilweise deutlichen, Überlegenheit, machte der BVB aber lange zu wenig - klare Torchancen waren Mangelware, obwohl sich das Geschehen fast ausschließlich in der Hälfte der Gäste abspielte.

Porto hatte auf die vor allem im ersten Durchgang sehr aggressive Grundordnung der Dortmunder keine Antwort, dennoch dauerte es bis in die zweite Hälfte, ehe Marco Reus den BVB-Anhang erlöste (70.). Der Nationalspieler war damit an vier der letzten sechs Dortmunder Pflichtspieltore direkt beteiligt. Das Rückspiel in Portugal steigt bereits am kommenden Donnerstag (25. Februar) um 21.05 Uhr.

Die Reaktionen:

Michael Zorc (Sportdirektor Borussia Dortmund): "Sehr abgeklärt, sehr souverän, wir haben das Spiel jederzeit im Griff gehabt. Für meine Begriffe haben wir trotzdem ein oder zwei Tore zu wenig gemacht - wir wissen natürlich, dass Porto zuhause wesentlich besser und selbstbewusster auftritt. Es hätte auch 3:0 oder 4:0 ausgehen können, das wäre auch verdient gewesen, aber das haben wir nicht geschafft. Trotzdem war es ein gutes Spiel."

Thomas Tuchel (Trainer Borussia Dortmund, über Sahins Comeback): "Wir konnten Nuri nicht mehr zurückhalten. Er brennt seit Wochen darauf, zu spielen. Es ist eine große Leistung, nach einer so langen Pause so eine Leistung zu bringen."

Der Spielfilm:

Vor dem Anpfiff: Beim BVB geht die Grippewelle um, Mittelfeldmann Gündogan sowie Torwart Weidenfeller können deshalb nicht mitwirken. Castro steht dennoch nicht im Kader. Dafür gibt Sahin nach 355 Tagen sein Comeback - und steht sofort in der Startelf. Auch Aubameyang ist wieder fit.

Porto auf der anderen Seite steigt als einer der Champions-League-"Absteiger" ins Rennen ein. Trotz zehn Punkten in der Gruppenphase, unter anderem bedingt durch einen 2:1-Sieg über den FC Chelsea, reichte es nicht zum Achtelfinale in der Königsklasse. In der Liga stabilisierte sich Porto mit drei Siegen aus den letzten vier Spielen nach zwischenzeitlichem Durchhänger wieder. Personell drückt vor allem defensiv der Schuh, wo Danilo und Maxi Pereira ausfallen.

4.: Dortmund hat die erste Gelegenheit dieser Partie: Hummels spielt den Pass in die Schnittstelle, Schmelzer legt im Strafraum direkt quer. Bevor Aubameyang aber einschieben kann klärt Jose Angel im letzten Moment.

6., 1:0, Piszczek: Und schon wird der bislang mutige Auftritt der Hausherren belohnt: Mkhitaryan flankt nach kurz ausgeführter Ecke von links perfekt auf Piszczek und hebelt so die Abseitsfalle aus. Den ersten Schuss kann Casillas noch parieren, beim anschließenden Kopfball des Polen ist er aber machtlos.

31.: Der BVB dominiert hier komplett und schnürt harmlose Portugiesen regelmäßig rund um den eigenen Strafraum ein. Reus' Freistoß aus 18 Metern geht aber drüber, kurz darauf zieht Schmelzer aus spitzem Winkel ab - die Kugel klatscht ans Außennetz. Den Chancen-Dreierpack perfekt macht drei Minuten später Kagawa, der nach einem über links sehenswert vorgetragenen Angriff knapp rechts vorbei schießt.

58.: Das Comeback von Sahin endet in der 56. Minute, es war nach langer Pause ein solider Auftritt. Zwei Minuten später dann ein Schockmoment für die BVB-Fans: Varela erwischt Reus heftig am Sprunggelenk, der Offensivmann knickt dabei komplett um. Nach kurzer Behandlungspause kann Reus aber wieder rein.

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64.: Das Spiel flacht im zweiten Durchgang zunehmend ab, dann aber hat Dortmund die erste echte Chance: Leitner bedient Kagawa im Strafraum per Lupfer, der Japaner legt nochmals quer - doch Reus rutscht beim Schussversuch weg.

71., 2:0, Reus: Dortmund hat das Spiel wieder mehr an sich gerissen und spielt wieder schneller nach vorne - auch weil Porto noch immer viel zu passiv agiert. Die Quittung folgt: Kagawa findet Mkhitaryan im Strafraum, der Armenier legt zurück und Reus knallt die Kugel trocken ins Netz. Bitter für Casillas: Erst durch Abwehrmann Bruno Martins Indi, der den Schuss abfälscht, wird der Ball unhaltbar.

84.: Porto scheint sich hier mit dem Ergebnis abgefunden zu haben - auch in der zweiten Hälfte ist es ein äußerst harmloser Auftritt. Dortmund dagegen hat nochmals die Chance zu erhöhen: Erst rutscht Kagawa aus spitzem Winkel weg, kurz darauf hämmert Mkhitaryan seinen Kopfball aus sechs Metern gegen den Pfosten.

Fazit: Ein hochverdienter Heimsieg für den BVB, der in allen Belangen überlegen war. Tuchels Konzept, aus einer Dreierkette heraus die Initiative zu ergreifen, ging voll auf, Porto wirkte davon komplett überrumpelt. Einziges Manko aus Dortmunder Sicht: Im ersten Durchgang hätten die Hausherren aus ihrer Überlegenheit mehr Chancen kreieren müssen.

Der Star des Spiels: Mats Hummels. Kaum ein Dortmunder profitierte so sehr von der aggressiven Grundordnung bei eigenem Ballbesitz wie Hummels: Der Innenverteidiger konnte aus halblinker Position das Spiel immer wieder ankurbeln und agierte hierbei extrem offensiv - und klug: Hummels spielte zahlreiche gefährliche Pässe in die Schnittstelle der Defensive und leitete so Torchancen ein. Defensiv lief er mehrere Konterversuche der Gäste souverän ab. Ebenfalls sehr stark: Marcel Schmelzer, den Hummels häufig suchte, sowie der omnipräsente Mkhitaryan.

Der Flop des Spiels: Moussa Marega. Während sich Brahimi und Aboubakar offensiv aufrieben und zumindest die Dortmunder Defensivspieler beschäftigten, gelang das Marega überhaupt nicht. Seine Flanken kamen kaum einmal gefährlich, vor allem aber verpasste es der 24-Jährige fast die komplette erste Halbzeit über, Hummels aggressiver anzugehen und stand bei Dortmunder Ballbesitz viel zu tief.

Der Schiedsrichter: Luca Banti (Italien). Nach komplett ruhiger erster Halbzeit wurde es ein schwierigeres Spiel für den Unparteiischen, der aber fast alles richtig bewertete. Der Zusammenprall von Reus und Marega (52.) war kein Elfmeter, das Foul von Varela an Reus ahndete der Italiener korrekterweise mit Gelb. Einziger Fehler: Brahimis Foul an Mkhitaryan (49.) war klar taktischer Natur, dennoch ließ Banti die Karte stecken.

Das fiel auf:

  • Dortmund begann die Partie mit einem 4-2-3-1, mit Kagawa offensiv im Zentrum hinter Aubameyang, flankiert von Reus und Mkhitaryan. Doch schnell war klar: Die Anfangsformation war nur eine Momentaufnahme. Bei eigenem Ballbesitz wurde daraus ein 3-2-5-System, in dem Schmelzer zu einem Linksaußen wurde und Hummels das Spiel aufbaute. Kagawa, Reus und Aubameyang waren dann oft gemeinsam im Zentrum, Mkhitaryan hielt den rechten Flügel.
  • Nach Ballverlust spielte Dortmund mitunter ein sehr aggressives Gegenpressing, aus dem sich die Gäste zu selten spielerisch befreien konnten. Mehrere Konter-Versuche wurden so im Keim erstickt und der BVB setzte sich immer wieder lange in der gegnerischen Hälfte fest.
  • Porto agierte bei Dortmunder Ballbesitz über weite Strecken aus einer sehr defensiven 5-4-1-Grundordnung. Das änderte sich auch nach dem frühen Rückstand kaum einmal, was schnelle Gegenstöße erschwerte. Zu häufig stand Aboubakar offensiv dann alleine gegen drei BVB-Verteidiger, die Gäste präsentierten sich als Team zu passiv.
  • Insbesondere in der ersten Hälfte war auffällig, wie gut und effizient Dortmund das Spiel verlagerte. Porto musste sich so, wenn Dortmund den Strafraum belagerte, defensiv immer wieder neu ordnen.
  • Die zweite Hälfte war dann im Vergleich zum ersten Durchgang deutlich ruhiger. Dortmund schraubte das Tempo runter, Porto schien mit dem 0:1 leben zu können und beschränkte sich weiter auf vereinzelte Konter. Nach dem 0:2 konnten die Gäste den Schalter dann nicht mehr umlegen.

Borussia Dortmund - FC Porto

Adrian Franke

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Adrian Franke(Redaktion)

Adrian Franke, Jahrgang 1989, ist seit 2013 bei SPOX.com tätig. Nach dem Abitur 2007 in Mannheim sammelte er erste Praxiserfahrungen im Printjournalismus. Anschließend war er 2010 bereits für einige Monate als Praktikant bei SPOX und kehrte 2013 parallel zu seinem Geschichts- und Anglistikstudium in Heidelberg zurück. Seit Herbst 2015 ist sein Kernressort die NFL.


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