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Gladbach verzweifelt an Sevilla

Von Daniel Reimann
Donnerstag, 26.02.2015 | 16:45 Uhr
Gladbach und Sevilla lieferten sich ein unterhaltsames Duell
© getty
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Borussia Mönchengladbach ist nach einer 2:3 (2:2)-Niederlage im Rückspiel der Europa-League-Zwischenrunde gegen den FC Sevilla ausgeschieden. Schon das Hinspiel hatte Sevilla mit 1:0 gewonnen.

Vor 46.279 Zuschauern im Borussia-Park ging es von Beginn an hoch her. Sevilla ging zunächst durch ein Eigentor von Martin Stranzl (8.), später dank Vitolos Linksschuss (26.) zweimal nach Kontern in Führung.

Gladbach kam jedoch durch Granit Xhaka (19.) und Thorgan Hazard (29.) beide Male schnell zum Ausgleich, ehe Vitolo der Borussia nach einem erneuten Kontertor den Rest gab (78.).

Gladbach scheitert damit wie schon 2012/2013 in der Zwischenrunde.

Reaktionen:

Lucien Favre (Trainer Mönchengladbach): "Wir haben ein hohes Risiko genommen und viele Torchancen kreiert. Spielerisch waren wir in beiden Spielen besser. Wir müssen aber über 90 Minuten die Konzentration halten. Es ist schwer, nach solchen Gegentoren immer wiederzukommen. Wenn wir das 3:2 gemacht hätten, bin ich sicher, dass wir es geschafft hätten."

Martin Stranzl: "Wir haben heute wirklich alles versucht. Allerdings darf man, wenn man so hoch verteidigt, nicht so einfach in Konter laufen. Daran müssen wir arbeiten. Es geht mit dem Spiel gegen Paderborn und im Pokal nun Schlag auf Schlag, weshalb wir schnell regenerieren und die Partie abhaken müssen."

Granit Xhaka: "Die beiden Gelben Karten sind sehr unglücklich und meiner Meinung nach auch unverdient zustande gekommen. Es war sehr enttäuschend für mich, und mir tut es sehr leid, dass ich der Mannschaft in den letzten Minuten nicht mehr helfen konnte. Ich denke, alles in allem hat heute nicht die bessere Mannschaft gewonnen, sondern scheinbar die schlauere."

Unai Emery (Trainer FC Sevilla): "Es war heute wirklich ein Wechselbad der Gefühle. Borussia hat uns vor große Probleme gestellt und uns teilweise auch unsere Grenzen aufgezeigt. Obwohl Borussia uns alles abverlangt hat, ist es uns aber gelungen, über das Mannschaftskollektiv zurückzukommen. Vor allem unsere Konter, die wir sehr gut zu Ende gespielt haben, haben uns heute geholfen. Aber man muss Borussia ein großes Lob aussprechen, sie haben ein sehr hohes Niveau an den Tag gelegt und ein Ausrufezeichen in Europa gesetzt."

Der SPOX-Spielfilm:

Vor dem Anpfiff: Im Vergleich zum letzten Pflichtspiel beim HSV gibt es bei der Borussia vier Veränderungen. Raffael, Dominguez, Hazard und Xhaka stehen für Traore, Nordtveit, Korb und Hahn in der Startelf.

Unai Emery verändert seine Startelf im Vergleich zum Hinspiel auf drei Positionen. Tremoulinas, Kolodziejczak und Figueiras ersetzen Navarro, Reyes (beide Bank) und Parreja (nicht im Kader).

8., 0:1, Stranzl (Eigentor): Schlimmer hätte der Abend für die Borussia nicht starten können. Sevilla kontert die Borussen-Abwehr gekonnt aus. Vidal flankt aus dem rechten Halbfeld auf Bacca. Im Laufduell ist es wohl Stranzl, der die Flanke unhaltbar ins eigene Tor abfälscht.

12.: Gladbach erhöht das Risiko, kommt aber nur aus der Distanz zum Abschluss: Dominguez probiert's aus 30 Metern, der Ball rauscht über die Latte.

19., 1:1, Xhaka: Starke Kombination über links: Kruse leitet den Ball geschickt weiter auf Xhaka, der Herrmann bedient und sich freiläuft. Herrmann legt auf den freien Xhaka zurück und der Schweizer tunnelt mit seinem Flachschuss zwei Gegenspieler und den Keeper.

26., 1:2, Vitolo: Der erneute Rückschlag für BMG! Nach einem Konter startet Vitolo von der Mittellinie durch, wird von Dominguez nicht attackiert und donnert die Kugel aus 15 Metern ins rechte obere Eck.

29., 2:2, Hazard: Raffael zieht links im Strafraum mehrere Gegenpieler auf sich. Hazard ist am zweiten Pfosten völlig blank, bekommt den Querpass und schießt links unten zum Ausgleich ein.

46.: Kruse und Raffael kombinieren sich in den Sechzehner, Hazard kommt zum Abschluss, scheitert aus spitzerem Winkel an Rico.

47.: Das war knapp! Bacca darf frei auf das Tor von Sommer zu laufen, der Keeper rettet im Eins-gegen-Eins-Duell herausragend!

61.: Wendt legt am Strafraum auf Kruse zurück, der aus 13 Metern abzieht. Der Ball tangiert den Querbalken!

64.: Wieder knapp - die Borussia darf sich bei Sommer bedanken! Wieder rennt Bacca nach einem Konter frei aufs Tor zu, wieder reagiert Sommer weltklasse!

68.: Xhaka hat seine Emotionen nicht im Griff, tritt seinem Gegenspieler in die Hacken sieht die Ampelkarte.

73.: Hazard kommt aus sieben Metern frei zum Abschluss, macht eigentlich alles richtig und visiert das rechte untere Eck an - und trifft nur den Pfosten!

78., 2:3, Vitolo: Gladbach gerät hinten komplett in Unterzahl, der eingewechselte Gameiro schickt Vitolo mit einem simplen Steilpass auf die Reise. Letzterer hat erneut ganz viel freie Wiese vor sich, geht bis in den Strafraum und schiebt perfekt ins untere rechte Eck ein.

Fazit: Mit einer besseren Chancenverwertung, ein wenig Glück oder etwas mehr Fingerspitzengefühl des Referees wäre das Achtelfinale für überlegene Gladbacher durchaus drin gewesen.

Der Star des Spiels: Vitolo. War bei Sevillas Kontern einfach nicht zu halten. Leidenschaftlich und zielstrebig im Antritt. Ließ im ersten Durchgang Dominguez uralt aussehen, beim 3:2 war es der eingewechselte Johnson. Zog darüber hinaus fünf Fouls.

Der Flop des Spiels: Alvaro Dominguez. War bei so manchem Konter nur das Ende der Fehlerkette. Doch wenn man so viel Risiko geht wie es Gladbach tat, dürfen sich die Verteidiger keine Fehler leisten. Beim 0:2 war Dominguez zu passiv, in Halbzeit zwei ließ er sich mehrmals einfach überspielen.

Der Schiedsrichter: Marijo Strahonja. Undankbare Partie für den Kroaten. Viel Hektik, Nickligkeiten und ständiges Reklamieren. Der Platzverweis für Xhaka geht in Ordnung. Der erste vermeintliche Handelfmeter aus Halbzeit eins war keines Pfiffes würdig, doch in der zweiten Hälfte hätte der Referee mindestens einmal wegen Handspiels in Sevillas Strafraum (59. und 68. Minute) auf den Punkt zeigen müssen.

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Das fiel auf:

  • Gladbach präsentierte sich von Beginn an motiviert, engagiert und frech. Doch die Nebenwirkungen der offensiven Ausrichtung wurden schnell von Sevilla aufgedeckt: Eine gewaltige Schwäche bei Kontern. Nach Ballverlusten schaltete die Borussia zu behäbig in den Rückwärtsgang und wurde von Sevillas Vertikalspiel überrascht.
  • Die Gäste selbst igelten sich nach der Führung am eigenen Sechzehner in einem 4-4-1-1 ein. Dabei wurde gewissenhaft verschoben und oft Überzahl in Ballnähe geschaffen. Den Fohlen blieben oft nur zwei Stilmittel: Dribblings oder schnelle Direktkombinationen.
  • Vor allem Letzteres funktionierte jedoch dank der technisch versierten Offensivabteilung ordentlich. Das Quartett bestehend aus Herrmann, Kruse, Raffael und Hazard spielte sehr variabel und stiftete mit vielen Positionswechseln Verwirrung in der sevillanischen Abwehr.
  • Allerdings wirkte Gladbach in seinen Angriffen bisweilen zu verkrampft. Raffael verlief sich zu oft in egoistischen Dribblings, auf einige Distanzschüsse hätte man verzichten können.
  • Im zweiten Durchgang entwickelte Gladbach erdrückendes Powerplay. Sevilla blieben kaum noch Entlastungsangriffe. Doch die Versuche, ein Tor zu erzwingen, endeten oft bei Torhüter Rico, der trotz seifigen Rasens mit Aufsetzern kaum zu bezwingen war.

Mönchengladbach - FC Sevilla: Die Statistik zum Spiel

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