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De Bruyne rettet überlegene Wölfe

Von Andreas Königl
Donnerstag, 02.10.2014 | 20:47 Uhr
Wolfsburg und Lille lieferten sich eine hart umkämpfte Partie
© getty
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Der VfL Wolfsburg kam am zweiten Spieltag gegen den OSC Lille nicht über ein 1:1 (0:0) hinaus, obwohl die Mannschaft von Trainer Dieter Hecking gerade nach der Pause hoch überlegen war. Vincent Enyeama avancierte zum nahezu Unbezwingbaren, wobei die Wölfe ähnliche Probleme in der Chancenverwertung wie gegen Everton offenbarten.

Vor lediglich 16.097 Zuschauern in der Volkswagen Arena brachte Divock Origi die Gäste in der 77. Minute per Handelfmeter in Führung. Vier Minuten später hätte Nolan Roux den Deckel draufmachen können, traf aber nur den Pfosten.

Schließlich war es Kevin de Bruyne, der in der 82. Minute mit einem Volleyhammer den Ausgleich für die Wölfe besorgte, die vor allem in der zweiten Halbzeit hoch überlegen waren.

Im Parallelspiel der Gruppe H trennten sich der FC Krasnodar und der FC Everton mit einem 1:1-Remis, womit die Wölfe mit einem Zähler Tabellenletzter bleiben. Am 23. Oktober muss Wolfsburg dann nach Russland, während Lille das Team aus Liverpool empfängt.

Reaktionen:

Dieter Hecking (Trainer Wolfsburg): "Das Ergebnis ist natürlich enttäuschend, aber nicht die Art und Weise wie wir gespielt und gekämpft haben. Das war ein fantastisches Spiel von uns und die beste Saisonleistung bisher. Leider haben wir unsere vielen Torchancen nicht genutzt."

Der SPOX-Spielfilm:

Vor dem Anpfiff: Getreu dem Motto "never change a winning team" vertraut Trainer Dieter Hecking der gleichen Mannschaft, wie beim 2:1-Sieg am Wochenende gegen den SV Werder Bremen. Der kürzlich wieder genesene Ivan Perisic kommt dabei zu seinem zweiten Startelfeinsatz in Folge und seinem Debüt in der Europa League in dieser Saison.

Bei den Gästen wechselt Rene Girard nach dem knappen 1:0-Erfolg gegen den SC Bastia auf drei Positionen. Jonathan Delaplace, Marcos Lopes und Michael Frey müssen draußen bleiben, dafür stehen David Rozehnal, Florent Balmont und Sebastien Corchia in der Anfangsformation.

16.: Jung hat auf der rechten Seite viel Platz und bringt eine Flanke an den Fünfmeterraum, wo Perisic sofort volley abzieht. Enyeama kann das Leder aber mit einem starken Reflex über die Latte lenken.

30.: Lille ist hinten mal ungeordnet und der agile Jung wird in halbrechter Position völlig allein gelassen. Der Außenverteidiger kann nach Pass von De Bruyne letztlich alleine auf Enyeama zugehen, schießt dem Gästekeeper aus 19 Metern aber genau in die Arme.

36.: Guilavogui ist im Strafraum frei durch und könnte schießen. Der Franzose entscheidet sich aber, auf den mitgelaufenen Olic aufzulegen, wobei Kjaer im letzten Moment dazwischengrätscht. Eine fahrlässig vergebene Chance.

48.: Wieder ist Guilavogui vorne mit dabei und will zunächst Olic steil schicken, bekommt dann aber noch eine zweite Chance, nachdem der Ball abgeblockt wird. Dabei zieht er direkt ab und schlenzt den Ball in Richtung rechte obere Ecke, wo Enyeama das Leder noch aus dem Winkel kratzt.

54.: De Bruyne bringt eine Ecke von rechts nach innen, wo Perisic in zentraler Position mehr oder weniger ungehindert abschließen kann. Erneut ist Enyeama zur Stelle und kratzt das Ding von der Linie.

57.: Erste wirklich erwähnenswerte Chance für die Gäste. Origi zieht aus halblinker Position ab, Benaglio hat den Ball im Nachfassen.

60.: Perisic kann nach einem Pass durch die Gasse von De Bruyne allein auf Enyeama zugehen und will den Ball in die linke Ecke schlenzen. Der nigerianische Nationalkeeper ist aber blitzschnell unten und schnappt sich den Ball.

63.: Riesenpatzer von Enyeama! Der Torhüter lässt den Ball im Strafraum fallen, der gerade eingewechselte Bendtner trifft aus halbrechter Position aber nur das Außennetz.

65.: Nächste dicke Chance für Bendtner, der nach einem De-Bruyne-Pass frei im Strafraum ist. Der Däne wird aber noch entscheidend gestört und jagt den Ball auf die Tribüne anstatt ins Tor.

77., 0:1 Origi (HE): Rodriguez bekommt den Ball bei einem Klärungsversuch im Sechzehner unglücklich an die Hand und der Referee zeigt auf den Punkt. Origi tritt an und versenkt den Ball in der linken unteren Ecke, Benaglio war noch knapp dran.

81.: Origi hat auf links viel Platz und flankt in die Mitte, wo Roux völlig freisteht und das Ding gegen die Laufrichtung von Benaglio an den Pfosten knallt.

82., 1:1 De Bruyne: Rodriguez schlägt einen Eckball von der linken Seite nach innen, wobei die Gäste den Ball nicht weit genug klären können. Das Leder landet direkt bei De Bruyne, der sich aus 30 Metern einfach ein Herz fasst und das Ding in die Maschen donnert.

Fazit: Glücklicher Punktgewinn für Lille. Die Franzosen können sich bei Enyeama und dem Schiedsrichter für den Handelfmeter bedanken, während Wolfsburg zahlreiche hochkarätige Chancen liegen ließ und das Spiel hätte gewinnen müssen.

Star des Spiels: Vincent Enyeama. Zwar leistete sich der Torhüter nach einer guten Stunde einen dicken Patzer, der um ein Haar bestraft worden wäre, ansonsten war der nigerianische Nationalspieler aber ein Fels in der Brandung und trieb die Hausherren mit einer Glanzparade nach der anderen zur Verzweiflung.

Flop des Spiels: Ivica Olic. Der Stürmer der Wölfe konnte sich kaum in Szene setzen und hing etwas in der Luft. 17 Ballkontakte sind ebenso schwach wie eine Passquote von 67 Prozent und eine Zweikampfquote von 38 Prozent.

Der Schiedsrichter: Ovidiu Hategan. Der Rumäne hatte die Partie bis auf wenige Ausnahmen stets im Griff, wobei es ihm die Akteure in einer anfangs fairen Partie auch nicht schwer machen. Legte daher eine großzügige Linie an den Tag, wobei er gegen Ende der Partie mehr gefordert war und auch härter durchgriff. Den Handelfmeter für Lille kann man, muss man aber nicht geben.

Das fiel auf:

  • Lille begann mit sechs gelernten Verteidigern in einem 4-3-2-1-System, wobei Rozehnal im defensiven Mittelfeld agieren und Corchia als Rechtsaußen fungieren sollte. Bei Ballbesitz Wolfsburg zogen sich die Gäste allerdings noch weiter zurück und stellten auf ein 5-4-1-System um und Rozehnal rückte in die Abwehrkette.
  • Bei den Wölfen schaltete sich Guilavogui als sogenannter "Box-to-Box-Midfielder" immer wieder in die Offensive mit ein, wobei die Hausherren von einem 4-3-2-1-System bei Angriffen in eine 4-1-4-1-Formation verschoben und Luiz Gustavo den Rückraum absicherte.
  • Wenn sich die Franzosen mal im Angriff zeigten, dann verschob auch die komplette Mannschaft mit nach vorne, womit eine Anspielstation meistens gesichert war. Bei Ballverlusten war Lille aber sofort wieder geordnet und etwaige Konterversuche von Wolfsburg wurden im Keim erstickt.
  • Die Wolfsburger offensive Dreierreihe um De Bruyne, Perisic und Hunt wechselte munter die Positionen - die meisten Angriffe liefen aber über die Außen, womit Hunt als nominieller Zehner etwas abtauchte.
  • Die Gastgeber erhöhten den Druck nach dem Seitenwechsel nochmals merklich und erspielten sich Chancen im Minutentakt, wobei sich Lille nur noch hinten reinstellte und die Angriffsbemühungen eigentlich komplett einstellte. Wie schon gegen Everton war der Ertrag für den geleisteten Aufwand bei Wolfsburg aber viel zu niedrig.

VfL Wolfsburg - OSC Lille: Die Statistik zum Spiel

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