Europa League - 6. Spieltag

VfB duselt sich in die nächste Runde

Von Frank Oschwald / Fabian Swidrak
Freitag, 07.12.2012 | 08:42 Uhr
Der VfB Stuttgart wachte erst in der Halbzeit auf, doch der Ball wollte auch danach nicht rein
© Getty
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Der VfB Stuttgart hat das abschließende Gruppenspiel in der Europa League gegen das bereits ausgeschiedene Molde FK mit 0:1 verloren, bleibt aber dank des Ausgangs des Parallelspiels auf Rang zwei der Tabelle und steht im Sechzehntelfinale. Somit stehen erstmals sieben deutsche Mannschaft in der K.o-Phase des Europapokals.

Vor 15.550 Zuschauern machte Davy Claude Angan (45.) kurz vor dem Seitenwechsel das Tor des Tages. Stuttgart bleibt in der Gruppe E dennoch mit acht Punkten auf Rang zwei, da Kopenhagen im Parallelspiel gegen Bukarest trotz Überzahl nicht über ein 1:1 hinauskam.

Nach dem Spiel sorgte Martin Harnik für einen Aufreger. Der VfB-Angreifer zeigte den eigenen Fans den Vogel und klatschte höhnisch Beifall, weil die Anhänger die Mannschaft auf dem Weg in die Kurve mit Pfiffen bedachten und sangen "Stuttgart international kann man nur besoffen sehen!".

"Ich fand die Reaktion der Fans nicht gut. Die haben uns während des Spiels gut unterstützt. Sie müssen uns auch nicht feiern, wenn wir verloren haben - aber den Spott fand ich einfach unangebracht. Wir haben alles gegeben, haben Chancen kreiert und sie nicht gemacht - uns dann zu verspotten, das wir haben wir nicht verdient. Dafür brauche ich kein Verständnis zu haben", sagte Harnik der "Bild".

Reaktionen:

Trainer Bruno Labbadia (VfB Stuttgart): "Die erste Halbzeit ist uns bis auf die ersten zehn Minuten komplett misslungen. Beim 0:1 hatten wir eine katastrophale Ordnung. Ich habe mich in der Pause extrem geärgert. Die zweite Halbzeit war dann typisch, wenn du erst nicht konsequent bist und dann hinterherrennst. Wir haben ungefähr 15 Torchancen gehabt. Die Niederlage ist ärgerlich. Positiv ist, dass wir weitergekommen sind. Bei aller Enttäuschung über die erste Halbzeit haben wir unser erklärtes Ziel erreicht."

Martin Harnik (VfB Stuttgart): "Klar hatten wir uns das anders vorgestellt. Wir wollten gewinnen, mussten dann aber zittern. Doch es zählt letztlich nur das Weiterkommen. Das Tor war wie vernagelt, teilweise war es Unvermögen, teilweise der Torhüter und teilweise Pech. Solche Tage gibt es eben. Wir brauchen uns nicht zu feiern, sind aber froh, dass wir weitergekommen sind. Jedoch ist uns auch bewusst, dass man solche Spiele auf internationalem Terrain - vor allem zu Hause - gewinnen muss."

Der SPOX-Spielfilm:

Vor dem Anpfiff: Coach Labbadia krempelt sein Team im Vergleich zum letzten Bundesliga-Spiel gegen Fürth ordentlich um. Maza spielt für den angeschlagenen Tasci (Rippenprellung), Torun rutscht überraschend in die Startformation und soll neben der geballten offensiven Power um Okazaki, Traore, Hajnal und Ibisevic wirbeln. Vor der Abwehr heute nur Gentner.

Bei Molde, das seit dem 22. November bereits den Liga-Spielbetrieb eingestellt hat, gibt's drei Veränderungen: Odegard und Diouf ersetzen Vatshaugh und Hestad. Überraschend ersetzt der formschwache Angan Chukwu im Sturm.

13.: Angan rennt einmal von rechts nach links durch die Abwehr der Stuttgarter. Am Ende hat er nur noch Ulreich vor sich, umkurvt den Keeper und muss dann ablegen, weil der Winkel zu spitz ist. Niedermeier klärt mit dem Kopf.

17.: Berget gewinnt links das Laufduell gegen Niedermeier. Wieder bleibt Ulreich lange stehen und verhindert einen Rückstand.

39.: Linnes mit einem fürchterlichen Fehlpass 20 Meter vor dem eigenen Tor, Ibisevic schnappt sich die Kugel und legt nach rechts auf den mitegelaufenen Harnik. Der steht frei vor Pettersen, doch der Keeper bleibt Sieger. Viel zu unpräzise!

45., 0:1, Angan: Traores Freistoß 20 Meter vor dem gegnerischen Kasten verunglückt völlig. Sakais Nachschuss landet nach einer Kerze bei Linnes, der bitzschnell umschaltet und Angan auf die Reise schickt. Der läuft ab der Mittellinie allein auf Ulreich zu. An den ersten Schuss aus 15 Metern kommt Ulreich noch ran. Gegen den Nachschuss ist er dann machtlos.

48.: Traore schlägt die Flanke in die Mitte. Ganz hinten steht Harnik völlig blank und kann volley abziehen. Im letzten Moment wirft sich noch ein Norweger dazwischen. Toller Schuss von Harnik!

63.: Wichtig von Maza! Wieder fährt Molde einen brandgefährlichen Konter über Diouf und Angan. Maza hält dagegen und drängt Diouf zur Seite ab. Angan war in der Mitte blank.

69.: Stuttgart kontert und setzt links im Strafraum Harnik in Szene. Der zielt auf die lange Ecke, aber wieder ist Pettersen dran und lenkt den Ball noch um den Pfosten.

84.: Traore erobert im Mittelfeld den Ball und macht's schnell. Ibisevic legt links raus zu Gentner, der flankt flach in die Mitte. Ibisevic und Holzhauser stehen sich gegenseitig im Weg und Ibisevic trifft den Ball nicht richtig. Zentimeter kullert der Ball rechts am Tor vorbei.

Fazit: Vor allem im ersten Durchgang eine fürchterliche Vorstellung der Schwaben. Nach dem Wechsel wurde das Spiel zwar besser, im Abschluss fehlte allerdings die nötige Konsequenz.

Der Star des Spiels: Davy Claude Angan. Der Stürmer der Elfenbeinküste stellte die träge schwäbische Innenverteidigung mit seinem schnellen Antritt immer wieder vor große Probleme. Ging zudem weite Wege, war immer anspielbereit und machte letztlich das entscheidende Tor. Nachdem der Stürmer in der 64. Minute ausgewechselt wurde, ging offensiv bei Molde nicht mehr viel zusammen.

Der Flop des Spiels: Christian Gentner. Agierte ungewohnt als einziger Sechser vor der Abwehrkette, fand dabei allerdings nie eine wirkliche Bindung zum Spiel. Zudem schaffte er es vor allem im ersten Durchgang nicht, seine Defensive zu ordnen und ließ die Gegner zu oft alleine aufs Tor zustürmen. Orientierte sich im zweiten Durchgang nach vorne und vergab Chancen am Fließband.

Der Schiedsrichter: Kevin Blom. Der Niederländer wurde von den Akteuren immer wieder vor knifflige Situationen gestellt. Bewertete sowohl die Maza-Grätsche im Strafraum als auch die meisten anderen Szenen korrekt, ließ etwas zu lange den gelben Karton in der Tasche.

Die Trainer:

Bruno Labbadia stellte sein Team taktisch um, setzte neben der Viererkette und dem einzigen Sechser Gentner auf die geballte offensiv Power. Sein Plan ging über weite Strecken allerdings nicht auf, da die Außen zu oft defensiv nicht mitarbeiteten. Labbadias Schachzug, Harnik auf die Bank zu setzen und Torun zu bringen, verpuffte. Der Türke musste bereits nach 29 Minuten verletzungsbedingt vom Feld.

Ole Gunnar Solskjaers Plan bis auf die Abwehrkette ausschließlich auf offensiv-orientierte Aktuere zu setzen, ging über weite Strecken des Spiel auf. Auch seine Entscheidung auf den formschwachen Angan zu setzten, war goldrichtig. Nahm diesen allerdings recht früh vom Feld - unverständlich.

Das fiel auf:

  • Stuttgart fand zunächst besser in die Partie und hatte in den ersten zehn Minuten deutlich mehr vom Spiel, verlor danach aber komplett den Faden. Vor allem im Spielaufbau spielten die Schwaben immer wieder haarsträubende Fehlpässe und legten im Abschluss nicht die nötige Konsequenz an den Tag. Die schnellen Stürmer sowie mit dem Umschaltspiel der Norweger bekam der VfB nie in den Griff.
  • Wie auch schon zuletzt in der Liga gegen Fürth wurde es beim VfB eigentlich nur gefährlich, wenn es über links ging. Dort machte Traore ein ums andere Mal Dampf. Die rechte Seite war vor allem in der ersten Halbzeit offensiv eigentlich nicht vorhanden. Sakai schaltete sich zwar oft mit ein, fehlte dann aber zu häufig hinten. Erst als Harnik im Spiel war, kam mehr über rechts.
  • Molde machte kein zwar kein überragendes Spiel, sorgte mit dem schnellen Umschaltspiel über Diouf und Angan allerdings speziell im ersten Durchgang für ordentlich Furore. Nach der Pause zogen sich das Solskjaer-Teamweit zurück und tat verständlicherweise nur noch das Nötigste.
  • Nach dem Seitenwechsel wurde der VfB stärker, spielte deutlich konzentrierter und ging häufiger als noch im ersten Durchgang als Sieger aus den Zweikämpfen hervor. Harnik und Ibisevic tauchten nicht nur einmal alleine vor dem gegnerischen Kasten auf, Keeper Pettersen brachte bei den ungenauen Schüssen jedoch immer ein Körperteil an den Ball.
  • Was der VfB in den letzten Minuten an guten Torchancen vergab, grenzte an Slapstick. Vermutlich hätte das Spiel noch mal 90 Minuten gehen, ein Tor hätten die Schwaben wohl dennoch nicht geschossen.

VfB Stuttgart - Molde FK: Daten und Fakten zum Spiel

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