Europa League: Sechzehntelfinale, Hinspiel

Knapp, aber verdient! Hannover schlägt Brügge

Von Stefan Moser / Markus Matjeschk
Donnerstag, 16.02.2012 | 23:00 Uhr
Der eingewechselte Artur Sobiech (M.) sorgte für den zwischenzeitlichen 1:1-Ausgleich
© Getty
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Hannover 96 hat das erste K.o.-Spiel der Vereinsgeschichte in einem internationalen Wettbewerb gewonnen. Im Sechzehntelfinal-Hinspiel der Europa League kam die Mannschaft von Trainer Mirko Slomka am Donnerstag zu einem 2:1 (0:0) gegen den FC Brügge.

44.000 Zuschauer in der ausverkauften Arena in Hannover sahen eine packende und unterhaltsame Partie. Maxime Lestienne (51.) brachte den FC Brügge zunächst in Führung.

Der eingewechselte Artur Sobiech (73.) glich für Hannover aus, ehe Jan Schlaudraff (80.) per Elfmeter den Siegtreffer markierte. Der schwache Schiedsrichter Manuel Sousa hatte zuvor auf ein Foul an Sobiech entschieden.

Reaktionen:

Trainer Mirko Slomka (Hannover 96): "Das war schon ein ziemlich wildes Spiel. Wir hatten viele gute Chancen, und dann bekamen wir diesen Gegentreffer, der richtig weh tat. Aber es war wunderbar, wie wir weiter Gas gegeben haben und noch zurückgekommen sind. Der Elfmeter war von Jan Schlaudraff natürlich frech geschossen, aber ich muss vor allem Artur Sobiech ein Kompliment machen, der in der Elfmeterszene noch einmal nachgesetzt hat."

Jan Schlaudraff (Hannover 96): So ein Elfmeter ist immer auch ein bisschen Glückssache. Ich habe mich vorher dafür entschieden, den Ball zu lupfen, weil ich davon ausgegangen bin, dass sich der Torwart für eine Ecke entscheidet. Wir nehmen das 2:1 mit, das ist ein Ergebnis, das in Ordnung geht. Auswärts sind wir immer für ein Tor gut."

Trainer Christoph Daum (FC Brügge): "Wir haben gezeigt, dass wir auf hohem Niveau mitspielen können. Wir haben jedoch am Ende ein wenig nachgelassen, haben aber nicht die personellen Möglichkeiten, entsprechend auszuwechseln. Ich kann der Mannschaft insgesamt nur ein Kompliment machen. Wir haben in einigen Situationen über die Flügel für gute Angriffsaktionen sorgen können. Hannover spielt besonders im Angriff sehr variabel."

Der SPOX-Spielfilm:

Vor dem Anpfiff: Hannover diesmal mit einer Raute im Mittelfeld mit zwei personellen Änderungen im Vergleich zum Wochenende. Der in der Liga gesperrte Pogatetz ersetzt Haggui in der Innenverteidigung. Auch Schmiedebach kehrt in die Startformation zurück, Rausch dafür auf der Bank. Schlaudraff spielt zentral auf der Zehn. Für Schulz (nach Verletzung) und Ya Konan (kam verspätet vom Afrika Cup) hat es nicht für den Kader gereicht.

Wichtigste Personalien bei Brügge: Stammtorhüter Jorgacevic ist nicht für die Europa League gemeldet, für ihn steht Kujovic zwischen den Pfosten. Torjäger Nabil wurde im Winter nach Monaco verkauft.

10.: Stindl spielt Cherundolo auf der rechten Außenbahn frei. Der legt von der Grundlinie zurück auf Diouf. Strammer Schuss aus knapp zehn Metern, aber Jordi schmeißt sich dazwischen und blockt.

12.: Diouf legt von rechts zurück auf Pinto, der volles Risiko geht und aus 24 Metern sofort abzieht - hauchdünn links vorbei.

28.: Eckball-Serie von Vazquez, im dritten Anlauf bringt er den Ball von rechts an den kurzen Pfosten. Jordi rauscht heran und köpft knapp links neben das Tor.

45.: Schlaudraff hat den Blick für Rausch, der links allein auf Kujovic zustürzt. 13 Meter vor dem Tor zeigt Rausch dann aber Nerven und hebt den Ball weit über den Querbalken.

47.: Schmiedebach legt sich den Ball rechts im Sechzehner auf den linken Schlappen und jagt den Ball trocken aufs lange Eck. Kujovic faustet zur Seite weg. Stark von beiden.

51., 0:1, Lestienne: Stenman hat auf der linken Außenbahn zu viel Zeit und hebt den Ball butterweich auf den Elfmeterpunkt. Lestienne hält den Kopf hin und wuchtet den Ball in den linken Knick! Zieler war mit den Fingerspitzen noch dran.

56.: Donk geht gegen Diouf viel zu ungestüm zu Werke und fällt den 96-Angreifer. Die Pfeife bleibt stumm und Hannover spielt weiter. Flanke von links in den Rückraum, Stindl holzt aus vollem Lauf drüber.

71.: Der Ball zappelt im Netz, aber der Treffer zählt nicht! Stindl bringt den Ball von rechts nach innen, Donk trifft ins eigene Netz. Doch der Schiedsrichter entscheidet auf Foul von Stindl. Fehlentscheidung.

73., 1:1, Sobiech: Langer Diagonalball links in den Sechzehner. Stenman springt der Ball im Getümmel an die Stirn, Sobiech schaltet am schnellsten und staubt aus kurzer Distanz ab.

80., 2:1, Schlaudraff (Elfmeter): Sobiech und Donk im Laufduell, beide schubsen. Sobiech fällt und Sousa zeigt auf den Punkt. Schlaudraff nimmt fünf Meter Anlauf und chippt die Kugel über Kujovic hinweg in die Maschen. Wie Panenka!

Fazit: Spannendes und sehr unterhaltsames Europa-League-Spiel mit dem verdienten Sieg für Hannover. Vor allem in der packenden zweiten Hälfte war 96 deutlich stärker und hätte auch höher gewinnen können.

Der Star des Spiels: Jan Schlaudraff. Schon in der ersten Halbzeit zusammen mit Diouf der große Aktivposten in der Offensive. Wurde in der zweiten Hälfte immer mehr zum Alleinunterhalter, übernahm Verantwortung, brachte Linie ins Spiel und überzeugte mit einem enormen läuferischen Pensum. Die Körnung: Der freche Elfmeter zum 2:1. Auch beachtlich: Sobiech, mit dem die Wende kam.

Der Flop des Spiels: Steven Cherundolo. Beide Außenverteidiger erwischten einen eher schwächeren Tag gegen die quirligen Flügel der Belgier. Über die beiden fiel auch das Gegentor: Cherundolo ließ Stenman flanken, Pander lief gegen Lestienne nicht konsequent durch.

Der Schiedsrichter: Manuel Sousa. Der Portugiese verlor in den hitzigen Phasen häufiger die Übersicht. Besonders bitter für Hannover drei entscheidende Aktionen: Das Foul an Schlaudraff in der 60. Minute war eigentlich im Strafraum, Elfmeter statt Freistoß wäre die richtige Entscheidung gewesen. Auch die Aktion gegen Diouf im Sechzehner (56.) hätte man pfeifen können. Und vor allem war der Einsatz von Stindl vor dem aberkannten ersten Treffer (71.) kein Foul. Dafür war der gepfiffene Elfer für Sobiech wohl eher keiner. Insgesamt ein ziemlich unglücklicher Auftritt des Gespanns.

Analyse: Starke Anfangsphase von Hannover, das im Heimspiel sofort selbst die Initiative suchte und auch früh einen ordentlichen Rhythmus fand: Hohes Tempo und hohe Intensität im Mittelfeld, dazu immer wieder auch spielerische Akzente und gefährliche Kombinationen über die sehr umtriebigen Diouf und Schlaudraff.

Brügge allerdings hielt sehr selbstbewusst dagegen, wehrte sich körperlich präsent, konterte gefällig über die schnellen Außen und zwang Hannover taktisch clever und diszipliniert immer häufiger zu langen Bällen. Um die 30. Minute hatten die Gäste ihre stärkste Phase und kamen vor allem über die guten Standards auch zu Torchancen. Insgesamt eine unterhaltsame erste Halbzeit mit leichten Vorteilen für 96.

Nach dem Seitenwechsel startete Hannover erneut aggressiv und druckvoll, wurde aber durch einen Konter kalt erwischt. Im Anschluss entwickelte sich eine hitzige und - nach etlichen strittigen Schiedsrichterentscheidungen - auch hektische Partie.

Die Gastgeber stemmten sich leidenschaftlich gegen die Niederlage, hielten das Tempo weiter hoch und spielten Brügge langsam müde.

Der Lohn für eine starke kämpferische und spielerische Leistung: Zwei Tore und der verdiente Sieg im ersten internationalen K.o.-Spiel der Vereinsgeschichte und eine immerhin noch ordentliche Ausgangslage für das Rückspiel in Brügge.

Hannover - Brügge: Die Daten zum Spiel

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