Europa League: Achtelfinale, Rückspiel

4:0! Hannovers Märchenreise geht weiter

Von Stefan Moser / Markus Matjeschk
Donnerstag, 15.03.2012 | 20:53 Uhr
Mohamed Abdellaoue (l.) brachte Hannover früh mit 1:0 in Führung
© Getty
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Die europäische Erfolgsgeschichte von Hannover 96 geht weiter! Nach einem 4:0 (2:0)-Sieg am Donnerstag im Achtelfinal-Rückspiel gegen Standard Lüttich steht die Mannschaft von Trainer Mirko Slomka im Viertelfinale der Europa League. Das Hinspiel in Belgien endete mit 2:2.

Vor 43.000 Zuschauern in der Arena in Hannover erzielte Moa Abdellaoue bereits nach drei Minuten die Führung für Hannover. Für das 2:0 und 3:0 sorgte der Unglücksrabe Kanu (21. und 73.). Der Brasilianer traf zweimal ins eigene Tor. Für den krönenden Abschluss sorgte Sergio Pinto in der Nachspielzeit.

Nach knapp einer Stunde sah Lüttichs Serge Gakpe die Gelb-Rote Karte wegen wiederholten Foulspiels.

Zum ersten Mal in der Vereinsgeschichte steht Hannover 96 damit im Viertelfinale eines europäischen Wettbewerbs. Die Auslosung findet am Freitag am 13 Uhr in Nyon statt.

Reaktionen:

Trainer Mirko Slomka (Hannover 96): "Meine Mannschaft hat ein ganz starkes Spiel gemacht und hat mit diesem Sieg etwas Außergewöhnliches geschafft. Von Beginn an wurde Druck ausgeübt, das hat sich auch in Toren ausgezahlt. Wer hätte das gedacht, dass wir im April noch in der Europa League dabei sind. Die Spieler und auch die Fans dürfen sehr, sehr glücklich sein."

Trainer Jose Riga (Standard Lüttich): "Das war nicht das wahre Standard Lüttich. Besonders die Anfangsphase war katastrophal, da waren wir für Hannover 96 ein gefundenes Fressen. Wir sind nie richtig in die Zweikämpfe gekommen. Nach dem Platzverweis wurde es natürlich immer schwieriger für uns."

SPOX-Spielfilm:

Vor dem Anpfiff: Hannover muss auf den verletzten Diouf verzichten, dafür kommt Schlaudraff wieder zurück und ersetzt den Hinspiel-Torschützen im Angriff. Ya Konan sitzt nur auf der Bank. Auch Schmiedebach ist wieder zurück, dafür rückt Stindl nach rechts im Mittelfeld. Ansonsten beginnt die Elf aus Bremen, Pogatetz und Schulz sitzen also draußen.

Lüttich ohne Änderungen im Vergleich zum Hinspiel.

4., 1:0, Abdellaoue: Schnell ausgeführter Einwurf von Stindl auf der rechten Seite. Schlaudraff stiehlt sich weg und bringt den Ball flach und scharf zu Mitte. Bolat klatscht nach vorne weg, Abdellaoue staubt ab.

8.: Schlaudraff mit dem feinen Zuspiel halblinks in die Gasse. Pander geht aus spitzem Winkel volles Risiko und zimmert die Kugel knapp am langen Eck vorbei.

21., 2:0, Kanu (ET): Pinto kommt rechts im Strafraum an den Ball und knallt ihn einfach mal halbhoch in die Mitte. Am Fünfer will Kanu den Flatterball klären, kommt mit dem Schienbein dran und lenkt ihn damit ins eigene Tor.

23.: Zieler segelt unter einer Ecke durch. Der Kopfball von Van Damme klatscht an den rechten Pfosten. Auf der Linie spitzelt Schmiedebach den Ball noch weg. Am Fünfer säbelt Kanu ins Leere.

37.: Abgefälschter Ball halbrechts in den 96-Strafraum. Gakpe steht mit dem Rücken zum Tor, dreht sich um Haggui herum und hämmert den Ball über die Latte.

56.: Pocognoli nimmt Schmiedebach am Sechzehner den Ball ab und Gakpe flankt scharf nach innen. Cyriac nimmt den Ball kurz an und zieht ab. Zieler boxt das Geschoss nach vorne weg.

58.: Gelb-Rot für Gakpe: Gakpe kommt mit seinem Tackling im Mittelkreis einen Schritt zu spät gegen Haggui und sieht dafür Gelb. Macht in der Summe Gelb-Rot, nachdem Gakpe bereits in der 19. Minute verwarnt worden war.

73., 3:0, Kanu (ET): Konter 96, Stindl schickt Ya Konan im Zentrum auf die Reise. Der Ivorer scheitert zunächst an Bolat, setzt aber nach. Seinen Schuss fälscht Felipe ab, von ihm springt der Ball dem bedauernswerten Kanu an den Kopf und von dort ins Tor.

93., 4:0, Pinto: Ya Konan mit dem Zauberpass in den Lauf von Pinto. Der knallt die Kugel humorlos ins kurze Eck.

Fazit: Hannover steht hoch verdient im Viertelfinale. Nach einer bärenstarken ersten Hälfte von 96 kam Lüttich nach dem Seitenwechsel kurz ins Spiel. Nach dem Platzverweis und dem 3:0 wurde die Angelegenheit dann fast zum Trainingspiel.

Der Star des Spiels: Bärenstarke Mannschaftsleistung! Haggui und Eggimann räumten hinten auf, Pinto zog im Mittelfeld die Strippen, Schlaudraff verteilte vorne die Bälle, Abdellaoue war im Strafraum kaum zu bändigen. Ein Sonderlob geht auch an Rausch, der nach seinem Formtief extrem engagiert spielte, weite, und auch schmerzhafte, Wege ging - und dazu auch spielerisch Akzente setzte.

Der Flop des Spiels: Kanu. Ganz, ganz bitterer Abend für den armen Brasilianer. Mit dem ersten Eigentor nahm das Unglück seinen Lauf, mit der verpassten Chance zum Anschlusstreffer nur zwei Minuten später ging es weiter. Danach war die Verunsicherung perfekt - zumal er mit dem gut aufgelegten Abdellaoue ohnehin schon latent überfordert war. Sein zweites Eigentor setzte nur noch das Ausrufezeichen hinten seinen absolut gebrauchten Tag.

Der Schiedsrichter: Pavel Kralovec. Der Tscheche hatte mit der intensiven und phasenweise auch aggressiven Partie kaum Mühe. Hielt sich angenehm im Hintergrund und zeigte zum richtigen Zeitpunkt Gelbe Karten. Guter Auftritt des Gespanns. Auch die beiden Verwarnungen und damit der Platzverweis für Gakpe waren zwar hart, aber durchaus vertretbar.

Analyse: Ein Auftakt wie gemalt für Hannover! Mit der frühen Führung und der starken Kulisse im Rücken agierte 96 dominant und extrem selbstbewusst, ohne dabei Gefahr zu laufen, sich von der Euphorie zu unnötigen Risiken verleiten zu lassen.

Die Mannschaft verteidigte etwas tiefer als gewohnt, die Außenverteidiger hielten in der Regel ihre Posten in der Defensive, während nach vorne vor allem Pinto, Schlaudraff und Rausch für die Akzente sorgten und Abdellaoue im Strafraum permanent Gefahr ausstrahlte.

Dank der souveränen und sehr konzentrierten Leistung war auch das frühe 2:0 hoch verdient. Erst danach fand Lüttich langsam etwas besser ins Spiel, Hannover allerdings verteidigte auch sehr aggressiv und sicher und ließ aus dem Spiel heraus nur einen einzigen Torschuss zu.

Abgesehen von ein paar Problemen bei Standards und der mangelnden Chancenverwertung eine bärenstarke erste Halbzeit. Nach dem Seitenwechsel legte Standard deutlich zu, war wesentlich präsenter im Mittelfeld, erkämpfte sich auch ein optisches Übergewicht, kam aber kaum zu gefährlichen Chancen.

Mit dem Platzverweis für den bis dahin starken Gakpe nach einer Stunde war der Widerstand dann schließlich gebrochen. Hannover spielte die Partie etwas nachlässig, aber letztlich ohne Mühe nach Hause - und steht damit verdient im Viertelfinale.

Hannover 96 - Standard Lüttich: Daten & Fakten zum Spiel

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