Europa League: Gruppenphase - 2. Spieltag

Dortmund verliert Punkte und Schmelzer

Von Stefan Moser / Martin Rösch
Donnerstag, 30.09.2010 | 20:59 Uhr
Lucas Barrios vergab gegen Sevilla mehrere gute Torchancen
© Getty
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Borussia Dortmund hat sein erstes Europacup-Heimspiel seit sieben Jahren verloren. Am zweiten Spieltag der Europa-League-Gruppe J unterlag die Mannschaft von Trainer Jürgen Klopp gegen den FC Sevilla unglücklich mit 0:1 (0:1).

46.000 Zuschauern im Signal Iduna Park in Dortmund sahen eine starke und dominante erste Hälfte der Borussia. Das überraschende Tor allerdings erzielte der FC Sevilla: Unmittelbar vor dem Pausenpfiff traf Luca Cigarini (45.) nach einer Standardsituation.

Die zweite Schlüsselszene folgte nur vier Minuten nach dem Seitenwechsel, als Schiedsrichter Michael Dean dem bereits verwarnten Marcel Schmelzer wegen einer vermeintlichen Schwalbe Gelb-Rot zeigte.

SPOX-Spielfilm:

Vor dem Spiel: Dortmund im Vergleich zum Sieg gegen St. Pauli mit zwei Änderungen: Der junge Götze ist verletzt, für ihn kommt Kuba über den rechten Flügel. Rechts hinten verteidigt Piszczek für Owomoyela, der auf die Bank muss.

Sevillas neuer Coach Gregorio Manzano stellt seine Mannschaft gleich auf fünf Positionen um. Wichtigste Neuerung: Weltmeister Jesus Navas ist rechtzeitig fit geworden und beginnt auf dem linken Flügel.

25.: Kuba wird auf rechts glänzend frei gespielt und kann unbedrängt flanken. In der Mitte steigt Barrios eine Etage höher als Dabo und zwingt Palop auf der Linie zu einer starken Parade.

45.: Schmelzer kommt auf der linken Seite gegen Caceres zu spät und kassiert die erste Gelbe. Außerdem Freistoß in gefährlicher Position für Sevilla.

45., 0:1, Cigarini: Der fällige Freistoß aus dem rechten Halbfeld kommt gefährlich am zweiten Pfosten runter. Den Kopfball von Guarente klärt Subotic auf der Linie genau vor Cigarinis Füße. Der lässt sich nicht lange bitten und schießt aus zehn Metern trocken ein.

49.: Die Borussia ist nur noch zehnt! Schmelzer legt sich an der Außenbahn die Kugel an Guarente vorbei und fällt. Dean entscheidet auf Schwalbe und schickt den Dortmunder mit Gelb-Rot vom Feld. Viel zu harte Entscheidung, selbst wenn Schmelzer nicht berührt worden wäre, der keineswegs theatralisch abhob. Außerdem gab es wohl auch den Kontakt.

70.: Pfosten! Kagawa ist nach einem Barrios-Traumpass in die Lücke der Viererkette durch und läuft alleine auf Palop zu. Der Japaner verliert aber die Nerven und trifft aus sieben Metern nur den linken Pfosten.

Fazit: Bittere und extrem unglückliche Niederlage für Dortmund: Der BVB wurde für den aufopferungsvollen Kampf in Unterzahl gegen passive Gäste nicht mehr belohnt. Leider erwischte auch Schiri Dean nicht seinen besten Abend...

Star des Spiels: Nuri Sahin. Woche für Woche das gleiche Bild. Sahin gewinnt die Zweikämpfe, Sahin gibt den Takt vor, Sahin verteilt die Bälle, Sahin leitet fast jede gefährliche Szene ein, Sahin ist der Chef. So war es auch gegen Sevilla - der beste Mann auf dem Platz.

Gurke des Spiels: Luis Fabiano. Hing bei den defensiv ausgerichteten Gästen zwar in der Luft, holte sich aber auch kaum Bälle selbst und arbeitete nach hinten reichlich lustlos. Erwischte mal wieder einen seiner schlechteren Tage - und krönte ihn mit einigen sinnlos eigensinnigen Aktionen.

Pfeife des Spiels: Michael Dean. Der Engländer übertrieb es von Anfang an mit seinem Willen, viel laufen zu lassen - vor allem fand er dabei keine Linie: Pfiff teilweise gefährliche Fouls mit offener Sohle gar nicht, während er anderseits für Kleinigkeiten mit Gelben Karten wedelte. Vor allem die zweite Verwarnung gegen Schmelzer für eine vermeintliche Schwalbe war in dieser Hinsicht vollkommen unverhältnismäßig. Mit seiner aufreizend arroganten Körpersprache bekam er das zwischenzeitlich sehr hitzige Spiel im Anschluss auch kaum mehr in den Griff.

Analyse: Gegen anfangs verunsicherte Gäste bemühte sich Dortmund von Beginn an um Tempo und Druck, eroberte im Mittefeld gewohnt aggressiv und früh die Bälle und rückte auf den Außenbahnen auch wieder schnell und konsequent nach. Sevilla dagegen stand tief und diszipliniert, fand im Aufbau jedoch kaum Mittel gegen das anspruchsvolle Pressing der Gastgeber. Die individuelle Klasse der Spanier blitzte lediglich vereinzelt bei Kontern auf.

Insgesamt dominierte Dortmund die Partie selbstbewusst und konzentriert und erzeugte vor allem über die Flügel sowie mit Distanzschüssen immer wieder Gefahr. Eigentlich eine starke erste Halbzeit des BVB - allerdings mit einem Schönheitsfehler: Das 0:1 unmittelbar vor dem Pausenpfiff, nach einem ruhenden Ball, aus dem Nichts.

Der zweite Nackenschlag allerdings folgte nur vier Minuten nach dem Seitenwechsel, als Schmelzer für eine vermeintliche Schwalbe Gelb-Rot sah. Im Anschluss wurde das Spiel vor einer aufgeheizten Atmosphäre sehr hektisch und zerfahren. Erst knapp 15 Minuten nach dem Platzverweis fand Dortmund wieder besser zu seiner Linie, beherrschte die Partie auch in Unterzahl und hatte durch Kagawa auch die große Chance zum Ausgleich.

Im Anschluss aber schwanden nachvollziehbarer Weise nach und nach die Kräfte. Dortmund weiter leidenschaftlich und spielbestimmend, aber Sevilla verteidigte sich in Überzahl recht clever zum äußerst schmeichelhaften Sieg. Doppelt bitter für den BVB: In der schweren Gruppe J wäre gegen Sevilla zumindest ein Punkt zuhause hilfreich gewesen - und verdient allemal.

Borussia Dortmund - FC Sevilla: Daten zum Spiel

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