Fussball

Wolverhampton in der EL: Wie die Wolves 1954 die Erfindung des Europapokals auslösten

© SPOX

Wenn die Wolverhampton Wanderers am Donnerstag in der Europa-League-Qualifikation auf den Crusaders FC aus Nordirland treffen, kehrt der Klub nach jahrzehntelanger Abstinenz in den Europapokal zurück - und damit einer der Urväter dieses Wettbewerbs. Ein Freundschaftsspiel Wolverhamptons gegen Honved Budapest am 13. Dezember 1954 brachte den französischen Journalisten Gabriel Hanot auf eine Idee.

Dass es in Wolverhampton vier Dezembertage lang durchgeregnet hatte, war Trainer Stan Cullis vollkommen egal. Trotzdem ließ er den ohnehin schon durchweichten Rasen des Molineux Stadiums vor Anpfiff des Freundschaftsspiels gegen Honved Budapest zusätzlich bewässern. "Nice and heavy" sollte er sein, sagte Cullis, und er sollte es werden.

Es war der alte Trick und Cullis' Taktik gegen die technisch überlegene Mannschaft von Honved: sie nicht zu ihrem Spiel kommen lassen, weil es der Rasen schlicht nicht zulässt. Dank ähnlicher Zustände hatte Deutschland im WM-Finale von Bern wenige Monate zuvor gegen die ungarische Nationalmannschaft gewonnen. Gespickt mit Honved-Spielern: Ferenc Puskas, Sandor Kocsis, Zoltan Czibor und all den anderen, die nun in Wolverhampton zu Gast waren.

"Wie eine Kuhweide nach Dauerregen" sei der Platz im Molineux laut der Daily Mail jedenfalls gewesen. Trotzdem ging Honved früh 2:0 in Führung. Mit zunehmender Spieldauer wurden die körperlich überlegenen Engländer aber dominanter. Während der Pause wurde nachgewässert. Kurz darauf verkürzte Wolverhampton und in der Schlussphase sicherte Roy Swinbourne mit einem Doppelpack den Sieg.

Dieses 3:2 am 13. Dezember 1954 war aber kein normaler Sieg, nein. Er war größer. Für manche sogar der allergrößte. "Hail, Wolves 'Champions of the world' now", titelte die Daily Mail tags darauf. In dieser Huldigung schwang viel mit, vor allem Trotz, und sie löste noch viel mehr aus.

Der Sieg gegen Honved als finaler Beweis

Ein Jahr zuvor hatte die englische Nationalmannschaft im heimischen Wembley Stadium mit 3:6 gegen Ungarn verloren, es war ihre erste Heimniederlage gegen ein kontinentaleuropäisches Team aller Zeiten. Eine Fußballnation war gekränkt, tief gekränkt. Sie sehnte sich nach Bestätigung für sich und ihre jahrzehntelang erprobte Spielweise.

Und dann kamen diese Wolves mit dem von Ungarn gedemütigten England-Kapitän, Innenverteidiger Billy Wright. Sie verkörperten alles, was den englischen Fußball schon immer ausmachte. Und noch besser: Sie zeigten, dass es immer noch zu großen Siegen reicht. Körperlichkeit, Kopfbälle, Kick'n'Rush. Wolverhampton wurde 1954 erstmals englischer Meister und war zum Zeitpunkt des Freundschaftsspiels gegen Honved erneut Tabellenführer.

Seit im Molineux 1953 eine Flutlichtanlage installiert worden war, lud Wolverhampton unter der Woche neben dem regulären Meisterschaftsbetrieb renommierte Klubs zu abendlichen Freundschaftsspielen ein. Spartak Moskau besiegten die Wolves 4:0, Maccabi Tel Aviv 10:0, den zu dieser Zeit überragenden argentinischen Verein Racing Club Avellaneda 3:1 und gegen First Vienna reichte es zu einem 0:0.

Für die englische Öffentlichkeit war der Sieg gegen Honved schließlich der finale Beweis, dass ihr Fußball doch noch der beste der Welt ist. Hail! Wolves, Champions of the world!

Gabriel Hanot hat eine Idee und setzt sie um

Im restlichen Europa löste Wolverhamptons Sieg jedoch weniger Begeisterung aus als in der Heimat. Der wohl renommierteste Journalist des wohl renommiertesten Sportmagazins L'Equipe Gabriel Hanot hatte das Spiel live verfolgt und fand die darauffolgende Weltmeister-Proklamation überzogen. Die Idee an sich gefiel ihm aber schon. Der Reiz, die beste Vereinsmannschaft zu ermitteln. Bisher gab es in Europa nur auf wenige Länder begrenzte Vereinsturniere wie den Mitropa Cup (Zentraleuropa) oder den Coupe Latine (Südeuropa).

In einem Artikel in der L'Equipe schlug Hanot also vor, einen neuen europaweiten Wettbewerb zu schaffen. Alle Landesmeister sollten teilnehmen und sich im K.o.-System in Hin- und Rückspielen duellieren. Am Ende dann ein großes Finale auf neutralem Platz.

Hanot beließ es nicht bei dem Vorschlag. Er nahm sich mit Unterstützung seines Arbeitgebers der Sache auch direkt an, kontaktierte in Frage kommende Vereine und lud sie Anfang April des Folgejahres zu einem Treffen nach Paris. Vertreter von 15 Klubs erschienen und waren von der Idee begeistert, unter anderem Real Madrid und der AC Milan. Auch sie verdienten zu der Zeit Geld mit abendlichen Freundschaftsspielen unter der Woche, ein regelmäßiger Wettbewerb würde die Einkünfte erhöhen.

Kritischer begegnete die erst Monate zuvor gegründete und entsprechend schwache UEFA den Plänen. Erst auf Druck der FIFA, die eine mögliche Einnahmequelle aus ihrem Einflussbereich schwinden sah, nahm sich die UEFA der Sache an und sicherte die Organisation des Wettbewerbs zu.

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