Josuha Guilavogui im Porträt

Auf den Spuren Sagnols und Vieiras

Von Andreas Königl
Donnerstag, 02.10.2014 | 12:40 Uhr
Josuha Guilavogui wechselte im Sommer für eine Leihgebühr von 5,5 Millionen Euro nach Wolfsburg
© getty
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Der VfL Wolfsburg wollte ihn vor der Saison unbedingt verpflichten und hat tief in die Tasche gegriffen: Josuha Guilavogui. Mittlerweile sind seit seinem Wechsel von Atletico Madrid knappe zwei Monate vergangen, dennoch ist der 24-jährige Franzose vielen Fans in Deutschland kaum ein Begriff. Dabei wandelt er auf den Spuren berühmter Vorgänger.

Leihgeschäfte sind heutzutage nichts mehr Ungewöhnliches und oftmals eine Win-Win-Situation für alle Beteiligten. Eine solche erhofft sich auch Wolfsburg von der Verpflichtung von Josuha Guilavogui, der bei guten Leistungen 2016 fest verpflichtet werden kann.

5,5 Millionen Euro sind für ein Leihgeschäft allerdings eine stolze Summe, noch dazu wenn der Spieler im Jahr zuvor gerade mal 1295 Minuten - was knapp 15 Spielen entspricht - absolviert hat.

"Er ist ein junger Spieler mit großem Potenzial, der bereits über internationale Erfahrung verfügt und seinen Teil dazu beitragen wird, die Mannschaft in ihrer Entwicklung weiter voranzubringen", sagte VfL-Manager Klaus Allofs über seine jüngste Neuerwerbung am der Tag Vorstellung.

Große Worte und eine noch viel größere Erwartungshaltung an den Defensivspezialisten. Doch der 1,88-Meter-Mann hat bereits bewiesen, dass er ein ganz Großer werden könnte und wandelt gewissermaßen gar auf deren Spuren.

Auf den Spuren von Sagnol und Gomis

Mit 15 Jahren kam der Sohn einer guineischen Mutter in die Jugendakademie der AS Saint-Etienne, nachdem er zuvor bei kleineren lokalen Vereinen an der Cote d'Azur gespielt hatte. Die Voraussetzungen für eine große Karriere wurden damit gelegt.

Denn für einen ambitionierten Nachwuchsspieler war Saint-Etienne in der Vergangenheit nicht unbedingt ein schlechtes Pflaster, brachte der Klub doch bereits Stars und Nationalspieler wie Gregory Coupet oder Bafetimbi Gomis hervor - es folgten Faouzi Ghoulam oder Kurt Zouma.

Gerade mit Gomis verbindet Guilavagui eine spezielle Beziehung. Beide besuchten die gleiche Schule und sind eng miteinander befreundet. Der 29-jährige Gomis, der mittlerweile für Swansea City in der Premier League stürmt und es auf zwölf Länderspiele für Frankreich bringt, nennt Guilavogui liebevoll nur seinen "kleinen Bruder".

Als Paradebeispiel für die erfolgreiche Jugendarbeit von Les Verts gilt aber zweifelsohne Willy Sagnol, 58-maliger französischer Nationalspieler und Vize-Weltmeister, sowie Gewinner der Champions League und des Weltpokals mit dem FC Bayern München. Interessante Parallele: Auch der heutige Trainer von Girondins Bordeaux kam im Alter von 23 Jahren nach Deutschland.

Matuidi als Lehrmeister

Und ähnlich wie bei seinem defensiven Kollegen ging es zuvor in der Heimat auch bei Guilavogui schnell steil nach oben. Mit 18 Jahren absolvierte er sein erstes Pflichtspiel für die Profis und debütierte im April 2010 unter Christophe Galtier schließlich auch in der Ligue 1, nachdem er unter Alain Perrin noch einen schweren Stand gehabt hatte.

Bereits eine Saison später durfte er sich als Stammspieler bezeichnen und bildete beim französischen Rekordmeister gemeinsam mit Blaise Matuidi das zentrale Duo.

Dabei konnte er sich vom heutigen PSG-Star einiges abschauen, was auch ein Grund ist, warum sich beide in ihrer Spielweise sehr ähnlich sind. So zeichnet sich Guilavogui vor allem durch seine Robustheit, gepaart mit Zweikampfstärke und sicherem Passspiel aus. Kombiniert mit Spielintelligenz und einer besonderen Athletik eine absolute Waffe.

Dennoch scheint der Mittelfeldmann eher ein ruhiger Zeitgenosse zu sein, der vor allem den Teamgeist in den Vordergrund stellt. "Überall, wo ich gespielt habe, hatte ich Konkurrenz", so Guilavogui über seine Wolfsburger Mit-Sechser Luiz Gustavo und Junior Malanda. "Ich bin aber kein Typ, der im Training hart einsteigt, um sich den Platz zu erkämpfen. Wichtig ist, dass wir gemeinsam erfolgreich sind."

Wahl in das Team des Jahres

Erfolg war auch das Stichwort in der Spielzeit 2012/13, als Saint-Etienne in der heimischen Liga überraschend an alte Zeiten anknüpfen konnte und neben einem fünften Platz in der Abschlusstabelle auch noch den Ligapokal gewann.

Guilavogui avancierte in einer Mannschaft mit dem heutigen Dortmunder Pierre-Emerick Aubameyang dabei zum Leistungsträger und verpasste nicht eine Partie in der Liga. Drei Tore und zwei Vorlagen konnten sich für einen Spieler mit einer defensiven Ausrichtung ebenfalls sehen lassen, wobei er am Ende der Saison in das Team des Jahres in der Ligue 1 gewählt wurde.

Als Belohnung folgte die Nominierung für die französische A-Nationalmannschaft, wo Guilavogui bei der 0:1-Niederlage gegen Uruguay am 5. Juni 2013 sein Debüt feierte. "Er hat eine starke Saison gespielt. Er zählt zu dieser jungen hoffnungsvollen Generation und er ist ein feiner Spieler, der es auf der internationalen Bühne sehr weit bringen kann", sagte Nationaltrainer Didier Deschamps vor seiner ersten Nominierung.

Logisch, dass nach einer derart guten Spielzeit dann auch die internationalen Top-Klubs auf den laufstarken Mittelfeldmann aufmerksam wurden, wobei Atletico Madrid Anfang September 2013 den Zuschlag bekam. Ein überhasteter Transfer, der sich wie bei vielen jungen Spielern, die zu früh ins Ausland wechseln, als Fehler herausstellte.

Rückkehr nach Frankreich

Wie Guilavogui später zugab, hatte er ein "Angebot, das zu gut war und er nicht ablehnen konnte. Der Trainer hatte auf meiner Position eigentlich gar keine Spieler mehr gebraucht. Der Transfer nach Madrid war sehr schnell über die Bühne gegangen".

Gerade mal eine Minute Einsatzzeit gab es in der Primera Division, das gewonnene Selbstvertrauen war dahin. An Gabi, Tiago und Mario Suarez war in der defensiven Mittelfeldzentrale der Rojiblancos kein Vorbeikommen und es ging nach nur einem halben Jahr wieder zurück nach Frankreich zu Saint-Etienne.

Doch auch dort konnte er nicht mehr an alte Stärke anknüpfen, zudem wurde er immer wieder von Verletzungen zurückgeworfen und brachte es letztlich auch nur auf sieben weitere Spiele.

Neuanfang in Wolfsburg

Dennoch war zu Beginn dieser Saison das Interesse an Guilavogui erneut groß, unter anderem Klubs aus England, Italien und Portugal wollten den Franzosen verpflichten - am Ende ging es aber in die VW-Stadt, anstatt beispielsweise zu Benfica.

"Der VfL hat sich enorm um mich bemüht. Das macht den Unterschied aus, wenn ein Klub einfach nicht locker lässt", erklärte der 24-Jährige seine Entscheidung für Deutschland. "Ich habe mit Pierre-Emerick Aubameyang gesprochen. Er hat mir über Wolfsburg und die Bundesliga berichtet. Auch mit Mario Mandzukic habe ich in Madrid noch geredet, das war sehr aufschlussreich."

Vieira als Vorbild?

Bislang bringt es Guilavogui auf sechs Pflichtspiele für die Mannschaft von Dieter Hecking und wusste direkt bei seinem Bundesligadebüt gegen die Bayern zu überzeugen. Für den Franzosen scheint es wieder nach oben zu gehen, wobei auch eine Rückkehr in die Equipe das angestrebte Ziel ist. "Ich will mich in Wolfsburg weiterentwickeln, kann mich auf europäischer Bühne präsentieren. So wird vielleicht auch wieder der Schritt in die Nationalmannschaft kommen."

Wegen seiner Spielweise und seinem Auftreten wird er auch mit der französischen Fußballlegende Patrick Vieira verglichen. Guilavogui selbst bleibt aber bescheiden und weiß: "Es ist immer schön, mit ihm verglichen zu werden, ich möchte mir das aber nicht anmaßen. Ich muss hart arbeiten, um mal auf sein Level zu kommen."

Laut Galtier hat er aber die besten Voraussetzungen dafür: "Er ist ein Spieler mit Charakter, eine starke Persönlichkeit", so Saint-Etiennes Trainer über seinen ehemaligen Vizekapitän. "Er steht nicht gerne im Mittelpunkt, aber seine Anwesenheit war stets spürbar. Sowohl auf als auch außerhalb des Platzes." Die Ähnlichkeiten zu Vieira sind dabei unverkennbar.

Josuha Guilavogui im Steckbrief

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