Neue Offensiv-Power der Niedersachsen

Hannover 96: Wenn jeder mit jedem kann

Von Norbert Pangerl
Donnerstag, 05.04.2012 | 12:05 Uhr
Neuzugang Mame Biram Diouf (l.) und Didier Ya Konan sind bei 96 Garanten für den Aufschwung
© Getty
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Acht Tore in zwölf Pflichtspielen - Winter-Neuzugang Mame Biram Diouf erweist sich bei Hannover 96 als wahrer Glücksgriff. Doch auch die etablierten Kräfte zeigen, dass 96-Sportdirektor Jörg Schmadtke und Coach Mirko Slomka in der Vergangenheit viel richtig machten. In der Offensive ergeben sich mehrere starke Personalkonstellationen.

Vor dem Europa-League-Viertelfinal-Rückspiel gegen Atletico Madrid (Do., 20.50 Uhr im LIVE-TICKER) schwimmt Hannover 96 auf einer Welle der Euphorie. Durch den 2:1-Heimsieg gegen Borussia Mönchengladbach rückte die Slomka-Mannschaft auf Platz fünf der Bundesliga-Tabelle vor und bleibt im heimischen Stadion weiterhin ungeschlagen.

Auch Klubboss Martin Kind stimmt in die Jubelarien der Fans mit ein und gibt sich vor dem Rückspiel gegen die Spanier selbstbewusst. "Wir werden weiterkommen", prognostizierte er bereits nach der 1:2-Pleite im Estadio Vicente Calderon. Neben dem Ergebnis, das Hannover laut Kind "alle Optionen offen hält", sorgen auch die derzeitigen Leistungen der 96-Offensivkräfte, allen voran von Winter-Neuzugang Mame Biram Diouf, für große Zuversicht in den Reihen der Roten.

Diouf als Transfervolltreffer

Der Senegalese, für 1,8 Millionen Euro von Manchester United losgeeist, reiht sich bisher nahtlos in die Reihe der Transfervolltreffer ein, die Sportdirektor Jörg Schmadtke in jüngster Vergangenheit glückten. Acht Treffer in zwölf Pflichtspielen stehen für den 24-Jährigen bisher zu Buche.

Mirko Slomka ist sich bereits jetzt sicher, "dass er ein Glücksgriff für uns ist. Er bewegt sich sehr schlau. Dazu ist er robust im Zweikampf, kann den Ball gut behaupten, selbst gegen mehrere Gegner." Laut Schmadtke kein Zufall: "Unser Scouting-Team hat ihn seit Jahren beobachtet. Bei uns im Team herrscht so viel Vertrauen, dass sich Mirko Slomka sicher sein kann, dass wir keinen Einbeinigen verpflichten", gab er bereits vor Wochen zu Protokoll.

Anders als viele Spieler vor ihm habe Diouf, der von Hannover laut eigener Aussage bislang nur den Hauptbahnhof kennt, auch keinerlei Berührungsängste gehabt. "Oft ist es so, dass es Spielern eher peinlich ist, sich in einer neuen Gruppe zu bewegen. Das ist bei ihm nicht der Fall. Ein guter Typ, ohne Scheu", berichtet Schmadtke und auch für Jan Schlaudraff ist klar: "Wir sind mit ihm noch viel variabler geworden. Es gibt nicht viele Klubs in der Bundesliga, die vorne so gut dastehen."

Slomka macht Spieler jeden Tag ein bisschen besser

Dass man dies von Hannovers Offensive behaupten kann, ist jedoch nicht nur das Verdienst des Neuzugangs. Den Hauptanteil am Aufschwung in der Bundesliga und am Vorrücken in das Europa-League-Viertelfinale trägt neben Schmadtke vor allem Coach Slomka.

Die Entwicklung von Lars Stindl dient als ideales Beispiel dafür, wie gut es Slomka gelingt, die einst von Jürgen Klinsmann ins Leben gerufene Maxime, jeden Spieler jeden Tag ein Stück besser zu machen, umzusetzen. Dabei schreckt der Trainer auch vor unpopulären Maßnahmen nicht zurück.

Erst strich er Emmanuel Pogatetz vor dem Köln-Spiel aus dem Kader, dann setzte er Topscorer Mohammed Abdellaoue auf die Bank. Mit Erfolg. Für den Norweger fand sich plötzlich der unzufriedene Überflieger der letzten Saison, Didier Ya Konan, wieder in der Startelf und überzeugte.

Offensive funktioniert in jeder Kombination

Ya Konan, Diouf, Schlaudraff oder Abdellaoue - alle Offensivspieler von 96 funktionieren in nahezu jeder Kombination. Dazu hat man mit Artur Sobiech einen jungen Spieler in der Hinterhand, der großes Potential besitzt, bisher seine Qualitäten aber noch nicht zeigen konnte. Meist setzt Slomka auf "zwei Verwerter", die von den schnellen und kombinationssicheren Schlaudraff, Rausch oder Stindl flankiert werden. Wie keine andere Mannschaft in der Bundesliga hat die Elf unter Slomka das Konterspiel perfektioniert.

"Hannover 96 ist und bleibt taktisch hervorragend organisiert. Die Mannschaft ist extrem fleißig und laufstark, dabei vor allem im Umschaltspiel sehr gefährlich", analysierte Mainz-Trainer Thomas Tuchel. "Das können sie hervorragend. Und das sind auch die Merkmale, die das Team stark machen."

Zu Hause ungeschlagen

Besonders in der heimischen AWD-Arena kommen die Qualitäten zum tragen. Sowohl in der Bundesliga als auch in der Europa League ist man dort noch ungeschlagen. Auch die Partie am Donnerstag ist seit Tagen ausverkauft. Für Slomka ein gewichtiger Vorteil gegen den Tabellen-Siebten der Primera Division: "Diese wahnsinnige Euphorie beflügelt", bestätigte er: "Wir sind nicht nur physisch fit, sondern auch psychisch."

Auch Atletico-Spielmacher Diego bewundert die Atmosphäre in Hannover. "Uns erwartet eine tolle Atmosphäre, wie immer in der Bundesliga. Das Stadion ist modern, sehr schön und wird voll sein. Hannover wird zu Hause noch stärker sein, aber wir haben keine Angst", so der Brasilianer.

"Europa weiß, wo Hannover liegt"

Der Respekt von Atletico ist ein Zeichen dafür, dass Schmadtke Recht hatte, als er bereits vor dem Rückspiel gegen Brügge konstatierte: "Mittlerweile weiß Europa, wo Hannover liegt." Ganz sicher wissen es auch die Scouts aus den großen Ligen. "Natürlich merkt man, dass man uns und einzelne Spieler mehr beobachtet. Aber wir haben prinzipiell kein Interesse daran, Spieler zu veräußern", predigt Kind Kontinuität in Personalfragen.

Von den Stammkräften sind ohnehin nur Lars Stindl und Sergio Pinto nicht über das Jahr 2013 an den Klub gebunden. Im Hintergrund bastelt Schmadtke zudem schon am Kader für die neue Saison. Sollte es weiter so gut laufen, wird man auch dann wieder in Europa zu Gast sein - und Mame Diouf wohl auch mehr als den Hauptbahnhof kennen.

Mame Biram Diouf im Steckbrief

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