Raus aus dem Chaos, rein ins Finale

SID
Mittwoch, 28.04.2010 | 16:19 Uhr
Die Mannschaft steht vor dem Rückspiel im ausverkauften Craven Cottage mit dem Rücken zur Wand
© Getty
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Der Hamburger SV kämpft vor dem wichtigen Europa-League-Halbfinale mehr mit sich selbst als mit dem Gegner. Interimscoach Ricardo Moniz spricht von einer historischen Chance und auch die Spieler wollen nach dem letzten Strohhalm greifen.

Vor dem Halbfinal-Rückspiel der Europa League am Donnerstag gegen den FC Fulham (Do., 20.45 Uhr im LIVE-TICKER, auf SAT.1 und SKY) hat sich die Personalsituation beim Hamburger SV entspannt: Die zuletzt angeschlagenen Guy Demel, Ruud Van Nistelrooy und Ze Roberto können auflaufen.

Trotzdem bleibt die Situation schwierig. Der Trainer entlassen, die Stars vor dem Absprung und die wichtigste Begegnung der Saison vor der Brust: Die Hamburger sind dringend auf der Suche nach einem Weg heraus aus dem Chaos und hinein ins Endspiel am 12. Mai im heimischen Stadion.

Wohl nur mit einem Sieg im europäischen Wettbewerb kann der HSV auch für die kommende Saison international planen. Bei einem Ausscheiden in London würde die sportliche Talfahrt der vergangenen Monate im Totalabsturz enden.

"Eine historische Chance"

"Ein Europapokal-Finale im eigenen Stadion zu spielen, ist eine historische Chance. Das muss jedem Einzelnen bewusst sein. Wir müssen rennen, als sei es unser letztes Spiel", sagt Interimscoach Ricardo Moniz. Der Niederländer ist ein weitgehend unbeschriebenes Blatt, war zuletzt Techniktrainer bei den Hanseaten und soll nach der Beurlaubung von Coach Bruno Labbadia am Montag nun für den HSV retten, was noch zu retten ist.

Bis zum Saisonende hievte ihn Klubboss Bernd Hoffmann auf den Posten des Cheftrainers. Moniz gilt als großer Motivator und kommt im Gegensatz zu seinem bisherigen Chef gut bei der Mannschaft an. Ob dies jedoch reicht, um im West-Londoner Craven Cottage zu bestehen, bleibt abzuwarten.

Die Mannschaft droht zu zerbrechen

"Die Lösung mit Moniz ist optimal. Er lebt Fußball, er liebt Fußball, er ist Fußball. Wir haben in Fulham die letzte Chance, die Saison positiv zu gestalten", äußert Außenverteidiger Dennis Aogo, der bei der 1:5-Packung am vergangenen Sonntag bei 1899 Hoffenheim allerdings genauso desolat agierte wie der Rest des Teams. Aogo musste wegen Magen-Darm-Problemen am Mittwoch zuhause bleiben, womöglich wird er aber am Donnerstag eingeflogen.

Nun ist der bei Großteilen der Mannschaft unbeliebte Labbadia weg, und mit ihm verschwand das letzte Alibi. Nach der in der Liga verkorksten Rückrunde steht die Mannschaft in der Pflicht - wohl fast zum letzten Mal in bestehender Konstellation. Nationalspieler Jerome Boateng verlässt den Verein am Saisonende und wechselt dem Vernehmen nach zu Manchester City, Aogo verhandelt mit dem AC Mailand.

Die Liste der Kandidaten ist lang

Auch dem am Donnerstag gesperrten Piotr Trochowski, Eljero Elia, Jonathan Pitroipa und Ze Roberto werden Abschiedsgedanken nachgesagt. Paolo Guerrero hat seinen auslaufenden Vertrag noch nicht verlängert. Auch auf dem Trainerposten ist Moniz nicht mehr als eine Zwischenlösung. Angeblich steht der Coach vor einem Engagement bei Red Bull Salzburg.

Somit wird im Sommer der siebte Chefcoach binnen Hoffmanns siebenjähriger Amtszeit kommen. Die Liste der potenziellen Kandidaten ist lang und reicht von Christoph Daum (Fenerbahce Istanbul) über Bernd Schuster (vereinslos) bis zu Frank Rijkaard (Galatasaray Istanbul).

Hoffmann nennt Kriterien

"Wir brauchen einen Trainer, der ein hohes Maß an Identifikation und Begeisterung für die Aufgabe mitbringt. Bei der Auswahl der Spieler wollen wir Mentalität und Charakter stark in den Vordergrund stellen. Es ist wichtig, dass der Trainer früh feststeht", sagte Hoffmann der "Bild" und bestieg am Mittwoch um 11.00 Uhr gemeinsam mit der Mannschaft das Flugzeug gen London. Eine Verpflichtung der zuletzt ebenfalls gehandelten Joachim Löw und Jürgen Klinsmann schloss der HSV-Boss allerdings aus.

Ein Tor muss her

Mit einem Weiterkommen in Fulham könnte zumindest ein wenig Ruhe zurückkehren. Nach dem 0:0 im Hinspiel reicht dem HSV ein Remis mit mindestens einem selbst erzielten Tor, um im Finale auf den FC Liverpool oder Atletico Madrid zu treffen.

Wenn die Mannschaft nach dem Endspiel mit dem Pokal in Händen vom Rathausbalkon grüßen würde, wäre die Welt in der Hansestadt wohl wieder in Ordnung - aber auch nur dann. Es wäre der erste Titel seit 23 Jahren.

Die voraussichtlichen Mannschaftsaufstellungen:

Fulham: Schwarzer - Konchesky, Hangeland, Smalling, Hughes - Etuhu, Murphy, Davies - Duff, Gera - Zamora (Dempsey). - Trainer: Hodgson

Hamburg: Rost - Demel, Boateng, Mathijsen, Aogo (Rincon) - Jarolim, Ze Roberto - Tesche, Pitroipa - van Nistelrooy, Petric. - Interimstrainer: Moniz

Schiedsrichter: Züneyt Cakir (Türkei)

Hoffmann dementiert: Löw kein Kandidat in Hamburg

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