Fussball

Nerven liegen blank - nur Hiddink bleibt cool

SID
Türkeis Nationaltrainer Guss Hiddink bewahrt nach der Niederlage gegen Deutschland die Ruhe
© Getty

Nach der 1:3-Niederlage gegen Deutschland liegen bei Spielern, Fans und Medien in der Türkei die Nerven blank. Nur Guus Hiddink scheint vor dem Gruppen-Finale gegen Aserbaidschan die Ruhe selbst. Und auf Schützenhilfe der DFB-Elf gegen Belgien (Di., 18.45 Uhr im LIVE-TICKER) hoffen sie alle.

Die Medien fordern schon die Ablösung von Trainer Guus Hiddink, Kapitän Hamit Altintop kritisiert die eigenen Mitspieler, und Torwart Volkan Demirel geht auf die Zuschauer los: Die Türkei ist mit der 1:3-Niederlage in der EM-Qualifikation gegen Deutschland gehörig vom Weg abgekommen, doch bis zum Fernziel Polen und Ukraine ist es laut Hiddink dennoch "nicht mehr weit".

Während der Niederländer trotz des Abrutschens auf Platz drei in der Qualifikations-Gruppe A demonstratitv gelassen bleibt, liegen bei den Spielern die Nerven blank.

"Physisch ungenügend" sei das, was seine Kollegen gezeigt hätten, sagte Mannschaftskapitän Hamit Altintop: "Es gibt einige Spieler, die nicht fit genug sind. Spielerisches Können und Talent allein reichen für ein großes Spiel nicht aus."

"Aus dieser Elf kann man nicht mal Zaziki machen"

Mit seiner Kritik dürfte der ehemalige Bundesliga-Profi den Fans aus der heißblütigen Seele gesprochen haben. Unmittelbar nach dem Spiel hatten Teile der Zuschauer Torwart Volkan Demirel beschimpft.

"Wenn ihr Manns genug seid, kommt hier runter, dann tragen wir es gleich hier aus", entgegnete der Schlussmann dem aufgebrachten Anhang Medienberichten zufolge.

Wenig zimperlich zeigte sich die Presse, vor allem der Trainer bekam sein Fett weg. "Go home, Hiddink", forderte die Zeitung "Takvim". "Der Koch ist nicht der Richtige. Die Rechnung muss Hiddink bezahlen", schrieb "Hürriyet". Und "Star" meinte: "Aus dieser Elf kann man nicht mal Zaziki machen."

Durch die eigene Niederlage und den gleichzeitigen 4:1-Sieg Belgiens gegen Kasachstan verlor die Türkei den Playoff-Platz an die Belgier. Der WM-Dritte von 2002 rangiert einen Zähler hinter den Belgiern. Doch Hiddink kümmerte das offenbar wenig, der 64-Jährige setzt vor dem Gruppenfinale all seine Hoffnungen auf das bereits qualifizierte DFB-Team, das am Dienstag in Düsseldorf auf die Roten Teufel trifft.

Hiddink: "Kann mir nicht vorstellen, dass Deutschland verliert"

"Die Belgier haben zwar eine gute Mannschaft mit jungen Talenten, aber ich kann mir beim besten Willen nicht vorstellen, dass Deutschland die Partie verliert", sagte Hiddink, der mit der Türkei im letzten Spiel zu Hause Aserbaidschan mit Ex-Bundestrainer Berti Vogts erwartet.

Wahrscheinlich ist der Appell des Trainerfuchses an das DFB-Team gar nicht nötig, denn der bereits vorzeitig für die EM qualifizierte dreimalige Welt- und Europameister will den Durchmarsch perfekt machen und gegen Belgien den zehnten Sieg im zehnten EM-Qualifikationsspiel einfahren.

"Wir werden auch dieses Spiel seriös angehen", sagte Bundestrainer Joachim Löw: "Das Ziel ist es, zehn von zehn Spielen zu gewinnen, nicht aber, der Türkei ein Geschenk zu machen."

Türkisches Mentalitätsproblem: Toprak die Lösung?

Ohnehin muss die Türkei erst einmal die eigenen Hausaufgaben erledigen, und das dürfte schwer genug werden. Denn im Oktober verlor man in Baku gegen Aserbaidschan mit 0:1.

Beim Versuch, ein ähnliches Debakel wie vor einem Jahr zu verhindern und doch noch die Chance auf das Ticket für die Endrunde in Polen und der Ukraine (8. Juni bis zum 1. Juli 2012) zu wahren, könnte auch der Leverkusener Bundesliga-Profi Ömer Toprak zum Einsatz kommen.

Vielleicht bringt der Deutsch-Türke ja mehr Ruhe ins Spiel.

"Das Problem der Türkei ist auch, dass sie zu viele Emotionen im Spiel haben und zu selten einen kühlen Kopf bewahren", sagte Hiddink. Abwarten, ob ihnen das ausgerechnet am Dienstag im Herzschlagfinale gelingt.

Türkei - Deutschland: Fakten zum Spiel

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