Apokalypse Vogts

Von Haruka Gruber
Dienstag, 16.10.2007 | 16:57 Uhr
© Getty
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München - Berti Vogts polarisiert. Das tat er schon immer, angefangen von seinen Schauspiel-Bemühungen beim "Tatort" bis zum Promi-Biathlon-Auftritt, von seinem Kurzzeit-Engagement in Leverkusen bis zum Kurzzeit-Engagement in Kuwait.

Aber was der frühere Bundestrainer die letzten Tage über sich so lesen muss, dürfte sogar den sonst so Abgehärteten überraschen. Dabei ist der Anlass ein schöner.

Schottland, Vogts' ehemalige Wirkungsstätte, ist angesagt. Mehr noch: Schottland ist der Inbegriff von "on fire". Am Samstag wurde in der EM-Qualifikation die Ukraine mit 3:1 aus dem heimischen Hampden Park geschossen, zuvor entführten die Schotten drei Punkte aus Frankreich.

"Die Wiederauferstehung des schottischen Stolzes", titelte der "Sunday Herald". Acht Siege aus zehn Quali-Spielen machen in der Summe Platz eins in der Gruppe B vor Weltmeister Italien, Vizeweltmeister Frankreich und WM-Viertelfinalist Ukraine. Vier Punkte aus den letzten zwei Partien in Georgien (Mittwoch, ab 16 Uhr im LIVE-TICKER) und gegen Italien reichen für das EM-Ticket.

Der Kaiser, der Sepp und der Marcello

Was fast genauso erstaunt: Die Klubs stehen in Nichts nach. In der Champions League besiegten die Glasgow Rangers den deutschen (Stuttgart) und französischen Meister (Lyon), Stadtrivale Celtic gelang ein 2:1-Coup gegen Titelverteidiger AC Milan. Logische Konsequenz: Zuletzt outeten sich Franz Beckenbauer, FIFA-Präsident Sepp Blatter und Italiens Weltmeister-Trainer Marcello Lippi als Schottland-Fans.

Aber worin liegen die Gründe für den Aufschwung? Wie konnte sich das Trümmerfeld so schnell zu einer der hippen Fußball-Nation des Kontinents mausern?

Hier kommt Vogts ins Spiel. Egal ob "BBC", die "Times" oder der "Scotsman": In nahezu jeder Abhandlung über Schottlands Erfolgsgeheimnis kommt sein Name vor. Mal im negativen, mal im positiven Kontext. Vogts polarisiert nun mal.

"Stimmung wie beim Weltuntergang"

Hier das eine (zugegeben größere) Lager, das den 60-Jährigen als das Grundübel für Schottlands Absturz ausmacht.  Vom zwischenzeitlichen Tod der Nationalelf, von einer traurigen Geschichte über Mittelmäßigkeit und Zerfall ist die Rede. "Unter ihm herrschte bei den Spielern eine Stimmung wie beim Weltuntergang", erinnert sich etwa Ex-Kapitän Gary McAllister.

Und der frühere Auswahlspieler Alan Hansen meint: "Der aktuelle Umschwung ist erstaunlich. Aber seien wir mal ehrlich: Nach Vogts konnte es nicht schlimmer werden."

Zum Verständnis: Die Schotten rutschten unter Vogts in der FIFA-Weltrangliste vom 51. (März 2002) auf den 77. Rang(November 2004) ab. Unter Walter Smith und dem aktuellen Nationaltrainer Alex McLeish arbeiteten sie sich wieder auf Platz 14 vor.

"Unter Berti wurden über 70 Spieler eingesetzt, Alex McLeish ist hingegen weise genug, auf einen Kernkader zu bauen. Die konstant guten Leistungen resultieren aus der Konstanz in der Nominierung", sagt der frühere Auswahlcoach Craig Brown.

"Jung, dennoch routiniert - dank Vogts"

Vogts als Buhmann. Vogts als Lachnummer. Vogts als die personifizierte Inkompetenz. Aber wie jede Geschichte hat auch diese eine Kehrseite. Eine, welche Vogts' Wirken in einem anderen Licht erscheinen lässt.

"Vogts hat furchtbar viel verändert. Deswegen dauerte es lange, bis seine Arbeit gegriffen hat. Aber jetzt profitieren wir davon", meint Craig Gordon. Der hochveranlagte Torwart wurde von Vogts erstmals in die Nationalelf berufen, obwohl er damals mit 21 Jahren blutjung war - und zugegebenermaßen auch so spielte.

"Mit Darren Fletcher, James McFadden oder mir hat Berti viele Talente in das Team geholt. Natürlich merkte man uns damals die Unerfahrenheit an, aber mittlerweile haben wir rund 30 Länderspiele auf dem Buckel", so Gordon. "Und das ist ein Pfund, mit dem wir jetzt wuchern können. Wir sind jung und dennoch routiniert - dank Vogts."

Ähnlich argumentiert Celtic-Trainer Gordon Strachan: "Berti hat mit der Hereinnahme etlicher junger Spieler ungeheuer viele Veränderungen vorgenommen. Aber die Früchte sieht man heute."

In der Tat: Gordon, Manchester Uniteds Mittelfeldjuwel Fletcher, Evertons Stumhoffnung McFadden, aber auch Lee McCulloch (Rangers) oder Shaun Maloney (Aston Villa) machten allesamt die ersten Schritte unter Vogts und dem damaligen U-21-Coach Rainer Bonhof.

"Chaos, sonst nichts"

Meriten, die die Kritiker Vogts aber nicht zugestehen wollen. So habe der Aufschwung der Nationalmannschaft nichts mit dessen vermeintlicher Aufbauarbeit zu tun, vielmehr resultiere er aus der seit einigen Jahren bestehenden Finanzmisere der schottischen Vereine.

Weil die TV-Gelder seit 2002 nicht mehr so prall fließen, sind die Klubs gezwungen, auf teure Ausländer zu verzichten - und stattdessen auf einheimische Spieler zu setzen. Mit Vogts habe die Renaissance daher nichts zu tun.

"Ich weiß, dass Vogts einige Talente erstmals aufgeboten hat. Aber bitte, hören wir auf, Geschichte in der Weise umschreiben zu wollen, dass Vogts das Fundament für die heutigen Erfolge gelegt hat", sagt Craig Burley, damals wegen Differenzen mit Vogts aus der Landesauswahl zurückgetreten. "Nichts könnte entfernter von der Realität sein. Vogts hinterließ Chaos, sonst nichts."

Vogts bleibt von derartigen Provokationen - zumindest öffentlich - unbeeindruckt und reicht seinen Widersachern symbolisch die Hand. "Ich weiß, dass die Leute mich für meine damaligen Entscheidungen auslachen. Aber ich drücke Schottland die Daumen - und vielleicht werden wir alle gemeinsam lachen, wenn Schottland bei der EM dabei ist." Zumindest damit dürfte Vogts nichts falsch machen.

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