Keine Zeit für Heiligtümer

Von Thomas Gaber
Donnerstag, 11.10.2007 | 10:34 Uhr
© Getty
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Venlo

München - Dass die spanische Nationalmannschaft bei großen Fußball-Turnieren stets zu den Geheimfavoriten zählt ist hinlänglich bekannt. Dass die spanische Nationalmannschaft bei großen Turnieren regelmäßig versagt ebenfalls.

Dass die spanische Nationalmannschaft aber bereits große Schwierigkeiten hat, sich überhaupt für die großen Turniere zu qualifizieren, ist ein neues Phänomen. 

Gut, auf dem Weg zur WM 2006 in Deutschland musste Spanien ins Playoff gegen die Slowakei, aber Platz zwei in der Gruppe war nie in Gefahr.

Das sieht in der Qualifikation zur EM 2008 (Samstag, 15 Uhr im LIVE-TICKER) in Österreich und der Schweiz anders aus. Nur aufgrund nordirischer Dummheiten steht die Furia Roja überhaupt so weit oben in der Tabelle der Gruppe F.

Nordirland verlor zuletzt in Lettland und Island durch zwei Eigentore.

Ohne Raul gegen Dänemark

Am kommenden Samstag kann für Spanien dennoch (fast) alles vorbei sein. Der Gegner heißt Dänemark, der Ort des Geschehens Aarhus in Ost-Jütland (20 Uhr).

Dänemark liegt zwar fünf Punkte hinter Spanien, hat aber noch ein Spiel mehr auszutragen und das deutlich leichtere Restprogramm.

Spaniens Vorbereitung wird - eigentlich wie immer - von Störfeuern begleitet. Der bei Medien und Fans chronisch unbeliebte Trainer Luis Aragones hat erneut auf Staatsheiligtum Raul verzichtet und weigerte sich bislang beharrlich, die Maßnahme zu rechtfertigen.

Mehr als ein "ich habe gute Gründe für meine Entscheidung" lässt der kauzige Coach nicht raus. Lieber philosophiert Aragones über ein "Finale, das uns bevorsteht" und eine "dänische Mannschaft, die sehr stark ist und bislang unter ihren Möglichkeiten geblieben ist".

Viererpack Butrageno 

Die Dänen fiebern ihrer letzten Chance entgegen. Die 21.000 Tickets für das Spiel in Aarhus waren innerhalb von 20 Minuten vergriffen. Spanien-Legionär Jon-Dahl Tomasson (FC Villarreal) tippt auf "2:1 für uns".

Doch die Statistik spricht eindeutig für die Sudeuropäer. Das EM-Halbfinale 1984 gewann Spanien im Elfmeterschießen.

Zwei Jahre später traf Emilio Butrageno vier Mal beim 5:1 im WM-Achtelfinale. Bei der EM 1988 siegte Spanien im Gruppenspiel 3:2 und in der Relegation für die WM 1990 zog ebenfalls Dänemark den Kürzeren.

Spitzenspiel in Rumänien

Auch in anderen Gruppen können am Samstag Entscheidungen fallen. Im Topspiel der Gruppe G trifft Spitzenreiter Rumänien auf die punktgleichen Niederländer (beide 20 Zähler/20.15 Uhr in Costanta).

"Wenn wir gewinnen sind wir zu 90 Prozent qualifiziert", rechnet Rumäniens Nationaltrainer Victor Piturca vor. Allerdings plagen ihn arge Personalsorgen.

Rechtverteidiger Cosmin Contra fällt definitiv aus, Inter-Star Cristian Chivu hat sich am Knie verletzt. Insgesamt fehlen Piturca sieben angeschlagene Spieler.

Bonds-Coach Marco van Basten baut auf die Tore von Ruud van Nistelrooy. Der Tabellendritte Bulgarien (18 Punkte) hat spielfrei.

Del Piero nicht im Kader

Für Frankreich zählt beim Ausflug auf die Faröer-Inseln (16 Uhr in Torshavn) nur ein Sieg. In der Kuschelgruppe B liegt die Equipe Tricolore nur auf Platz drei, muss die letzten drei Spiele gewinnen und nebenbei noch auf Ausrutscher der Schotten und Italiener hoffen.

Die Schotten haben die Ukraine zu Gast (16 Uhr in Glasgow), Italien spielt gegen Georgien (20.50 Uhr in Genua).

Staatsheiligtum Alessandro del Piero fehlt im Kader des Weltmeisters. "Es ist immer schwierig, sich gegen bestimmte Spieler zu entscheiden. Nicht nur im Fall del Piero. Aber ich muss auf die Ausgewogenheit meines Kaders achten und da hat del Piero diesmal keinen Platz", erklärte Trainer Roberto Donadoni.

In italienischen Medien wird bereits über del Pieros Ende in der Nationalmannschaft spekuliert. Neben dem ausgemusterten del Piero fehlen der verletzte Gianluca Zambrotta und der gesperrte Kapitän Fabio Cannavaro.

Griechenland auf EM-Kurs

Einen großen Schritt Richtung EM kann der Titelverteidiger machen. Otto Rehhagels Griechen empfangen in Gruppe C Bosnien-Herzegowina (21.30 Uhr in Athen).

Mit einem Sieg würde Griechenland den Vorsprung auf die drittplatzierten und spielfreien Norweger auf fünf Punkte ausbauen.

Der Zweite Türkei (zwei Punkte hinter Griechenland) muss in Moldawien antreten (21 Uhr Chisinau).

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