Die Analyse der Tschechien-Pleite

Anstoß zur Selbstreinigung

Von Stefan Rommel
Donnerstag, 18.10.2007 | 14:01 Uhr
© Getty
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Tschechien -
Deutschland

München - Eines gleich mal vorneweg: Es war ein Spiel ohne großen Druck und sportlich relevanten Wert. Deutschland war qualifiziert, beim ein oder anderen Spieler somit die Luft raus.

Der Gegner dagegen hoch motiviert und bestens eingestellt von Karel Brückner. Eine ungünstige Konstellation, dementsprechend verwundert das deutliche Ergebnis auch nicht wirklich.

Der Abend von München hat dennoch einige Dinge zu Tage gefördert, die Joachim Löw im Hinblick auf die in neun Monaten beginnende EM auf der Liste seiner Verbesserungen dick anstreichen sollte.

Der Versuch einer Analyse.

Taktik

Löw kann im Gegensatz zu Vorgänger Jürgen Klinsmann taktisch variabler agieren. Klinsmanns Spielweise glich einem Konglomerat aus Euphorie, Fitness und Wille, angereichert mit überfallartigem Fußball. Hurra-Stil mit Überraschungseffekt.

Ein Modell mit begrenzter Halbwertszeit, wie Löw wusste und weiß. Taktische Varianten sind deshalb einstudiert. Die Reaktion auf den ersten ernsthaften Rückstand der Ära Löw (0:2 zur Halbzeit) fiel aber trotz Umstellungen bescheiden aus.

Der Bundestrainer rückte von seinem Konzept mit Schweinsteiger als defensiverer Kreativzentrale - was für gewöhnlich Michael Ballack spielt - ab und versuchte sich zuerst mit flacher Vier und nach Schweinsteigers Auswechslung mit Lukas Podolski als offensiver Anspielstation hinter den Spitzen, also in einer Mittelfeld-Raute.

Das Offensivspiel wirkte konsequent konfus, und nicht durchdacht oder strukturiert oder gar schnell vorgetragen. Nur schnell im Keim erstickt von einem oder mehreren emsigen Tschechen. Schnelle Spielverlagerungen endeten zumeist mit einem Fehlpass.

Das gefürchtete frühe Pressing der Deutschen überlisteten die Tschechen ganz einfach mit weiten Abschlägen durch Keeper Petr Cech. Die Gäste versuchten erst gar nicht, den Ball sauber von hinten heraus zu spielen.

Gegen die gut organisierten und nahezu fehlerfrei verteidigenden Tschechen tat sich die DFB-Elf über 90 Minuten sehr schwer. Bei der EM sind dann allerdings nur Hochkaräter a la Tschechien zu erwarten.

Ordnung

Löw schwärmt noch heute von der Disziplin der Italiener im WM-Halbfinale gegen Deutschland. In 120 Minuten verlor die Abwehrkette des späteren Weltmeisters nie die Ordnung, verschob perfekt und immer aggressiv gegen den Ball.

Die DFB-Defensive war bis zum Spiel am Mittwoch nahe dran an jener Perfektion. Dort allerdings taten sich eklatante Mängel auf. Die Viererkette mit Friedrich, Metzelder, Mertesacker und Jansen hielt die Abstände nicht. Die kurzen Phasen der Umorientierung nutzten die Tschechen mit zwei gescheiten Pässen zum 0:1 und 0:3.

Konzentration

Die Pässe im Spiel nach vorne waren schlampig ausgeführt. Wenn sie doch mal ankamen, hatten die Stürmer Probleme bei der Ballannahme (Podolski) oder konnten sie nicht verwerten (zweimal Kevin Kuranyi).

Die sonst solide Innenverteidigung offenbarte einige herbe Konzentrationsmängel. Besonders Christoph Metzelder war erheblich neben der Spur. Jedem Tor gingen schwere individuelle Fehler voraus (Schweinsteiger beim 0:1, Frings und Metzelder beim 0:2, Rolfes und Friedrich beim 0:3).

Das Gute daran: Individuelle Fehler sind schnell abzustellen und kein chronisches Problem, sondern eher eine akute (und hoffentlich einmalige) Erscheinung.

Fitness

Neben einer gesunden Einstellung die Grundlage für alles. Bei einigen deutschen Akteuren aber nicht gegeben. Besonders auffällig am Beispiel Torsten Frings. Der Bremer wirkte langsam, nicht zweikampfstark, ungewohnt unsicher bei der Ballverarbeitung und somit aller seiner Stärken beraubt.

Dass aber Sicherheit und Spielpraxis fehlten, war klar. Schließlich hat Frings in dieser Saison erst 270 Pflichtspielminuten absolviert. Gleiches gilt für Clemens Fritz. Auch Marcell Jansen oder Metzelder sind nach ihren Verletzungen noch nicht bei 100 Prozent.

Standards

Ein ebenso traditionelles wie leidiges Thema. Die deutschen Ecken und Freistöße hatten keinen Esprit. Schema F, null Variationen. Ein Unding im modernen Fußball. Allein Italien, immerhin Weltmeister, gewinnt jedes zweite Spiel durch einen Standard, vornehmlich ausgeführt durch Andrea Pirlo.

Ein Spezialist wie der Mailänder geht Löw komplett ab. Weder Schweinsteiger, noch Trochowski, noch Frings vermochten Gefahr auszustrahlen. Obwohl Löw vor dem Spiel die Standards noch explizit üben ließ. Hier besteht am meisten Handlungsbedarf!

Michael Ballack

Was genau ist mit dem Kapitän? Wann kehrt er zurück? Und vor allem: Wie sieht Plan B aus, sollte Ballack seine gesundheitlichen Probleme nicht in den Griff bekommen?

Schweinsteiger ist auf der Ballack-Position gegen einen vernünftigen Gegner augenscheinlich überfordert. Löw hat neben Schweini auch schon Bernd Schneider in der Zentrale getestet - mit mittelmäßigem Erfolg. Für ein Turnier wie die EM eindeutig zu wenig.

In einem schwierigen Spiel wie gegen die Tschechen fehlt der Chef, der verbal auch mal draufhaut. Die fehlende Omnipräsenz Ballacks dürfte Löw am meisten Kopfzerbrechen bereiten, auch wenn die Endrunde noch in weiter Ferne scheint.

Fazit

Das Spiel gegen die Tschechen war für einige Wackelkandidaten ernüchternd. Trochowski oder David Odonkor konnten keine Punkte sammeln. Auch Arne Friedrich wird nach Philipp Lahms Rückkehr Probleme bekommen.

Das 0:3 wird Löw als Negativbeispiel dennoch nutzen, da viele Fehler offen und schonungslos aufgedeckt wurden und der Bundestrainer gezielt dagegen wirken kann. Das Gros ist in Eigeninitiative abzustellen. Die Verletzung von Michael Ballack allerdings nicht.

Die Niederlage war nur ein Ausrutscher. Schon gegen Wales und danach Zypern wird man eine andere deutsche Mannschaft erleben. An den Baustellen an sich ändert das allerdings nichts.

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