Mittwoch, 18.06.2008

Nach Löw-Sperre

Chef für vier Stunden

Tenero - Diese Rolle hatte er in seinem eigenen Drehbuch nicht eingeplant: Hans-Dieter Flick, genannt nur Hansi, wird für vier Stunden Chef der deutschen Nationalmannschaft.

Flick, EM, DFB
© Getty

Bisher war dem 43 Jahre alten Heidelberger die Beschreibung seines Jobs im DFB-Team zumindest öffentlich immer schwer gefallen, nach der Sperre für Joachim Löw ist sie für einen Abend klar.

Vom Betreten des Baseler St.-Jakob-Parks am Donnerstagabend gegen 18.30 Uhr bis zum Abpfiff des Spiels um 22.30 Uhr wird Flick der verantwortliche Coach sein, der Deutschland gegen Portugal (Do., ab 20.30 Uhr im SPOX-TICKER) ins Halbfinale der Europameisterschaft führen soll.

"Als Mitglied in einem Team muss man viele Rollen ausfüllen", hatte der Helfer des Bundestrainers vor kurzem im deutschen EM-Stammquartier in Ascona erklärt - dabei aber nicht eine Sekunde an diese Aufgabe gedacht.

60 Minuten das Sagen

Als Cheftrainer stand Flick bisher nur in der Regionalliga an der Linie, nun muss er die wichtigste Mannschaft der Nation coachen. Wie kräfte- und nervenzehrend dieser Job ist, bekam der 148-malige Bundesliga-Profi schon während des EM-Gruppenfinales Anfang dieser Woche in Wien zu spüren. Als Bundestrainer Löw nach 41 Minuten auf die Tribüne verwiesen wurde, musste Flick übernehmen.

Bei der Pressekonferenz nach dem 1:0 gegen Österreich wirkte der viermalige deutsche Meister mit dem FC Bayern ausgebrannt, brachte keine Analysen zustande. "Wir haben seit Januar an unserem Drehbuch gearbeitet", hatte Flick während der EM-Vorbereitung auf Mallorca erklärt. Doch der Live-Film sieht ganz anders aus.

Oliver Bierhoff hatte in Wien den Aushilfs-Chef Flick noch bei der Pausen-Motivation unterstützt. In Basel sieht sich der DFB- Teammanager aber nicht als zusätzlicher Trainer. "Wir haben 100-prozentiges Vertrauen in Hansi Flick. Er hat ja selbst schon als Cheftrainer gearbeitet, in Hoffenheim", sagte Bierhoff.

Damals war der Dorfclub, der kommende Saison in der Bundesliga spielt, allerdings noch Drittligist. Erfahrung sammelte er bis zum überraschenden Ruf von Löw vor allem als Assistent, unter anderem von Giovanni Trapattoni in Salzburg.

Vorarbeit für Löw

"Meine Aufgabe ist, viel Vorarbeit zu leisten für Jogi Löw. Jeder im Trainer-Team der Nationalmannschaft bringt seine Stärken ein. Es gibt keinerlei Begrenzungen", beschrieb Flick, der seine aktive Laufbahn beim 1. FC Köln wegen Sportinvalidität beendet hatte, seinen Job.

Bei den offiziellen Pressekonferenzen fiel Flick meist mit seinem "herzlichen Hallo" und wenig Auskunftsfreude auf. Bisher galt seine erste Aufmerksamkeit den Trainingsinhalten und der neuen Datenbank. Gegen Portugal sind andere Fähigkeiten gefragt.


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