Samstag, 14.06.2008

Xavi im Porträt

"Ein Handkuss wäre zu distanziert gewesen"

Innsbruck - In Spaniens Nationalmannschaft ist er das Herzstück, beim mit Stars gespickten FC Barcelona der Dirigent: Xavier Hernandez Creus, oder kurz Xavi, ist jeweils die unumstrittene, allseits anerkannte und hoch geschätzte Schaltzentrale im Mittelfeld.

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© Getty

"Auf dieser Position ist er einer der drei, vier besten Spieler der Welt", urteilte Nationaltrainer Luis Aragones. "Er hat mein volles Vertrauen." Xavi stammt aus einer typischen Barcelonaer Fußball-Familie und wuchs in der Nähe der weltberühmten Ramblas auf.

Sein Opa spielte bei Espanyol als Profi. Klar, dass er als Knirps ein glühender Fan des FC-Stadtrivalen war, bei dem es sein jüngerer Bruder Quique immerhin ins B-Team schaffte.

Schon früh beim FC Barcelona

Bereits mit neun Jahren begann Xavi bei Barca seine steile Karriere. Sein Vater Joaquim, selbst nur bei Amateuren aktiv, brachte Klein-Xavi das Fußball-Einmaleins in seiner eigenen Schule bei.

Bei Barcelona erhielt der Katalane dann in der vereinseigenen Kaderschmiede "La Masia" den Feinschliff.

Der Förderer Van Gaal

Mit 18 debütierte das Supertalent in der ersten Mannschaft des Kult-Klubs: Der damalige Coach Louis van Gaal hatte das außergewöhnliche Potenzial des schmächtigen Kerls mit der brillanten Ballbeherrschung, dem präzisen Passspiel und der glänzenden Übersicht erkannt.

"Van Gaal hat eine wichtige Rolle in meiner Karriere gespielt", dankte Xavi seinem Förderer.

Vom aussterben bedroht

Der 1,70 Meter kleine, 68 Kilogramm leichte Katalane zählt auf dem Platz zu den ganz Großen. Egal, was für Stars sich gerade bei Barcelona im Mittelfeld tummelten, das Eigengewächs gehörte immer zur Stammformation.

Dass Spieler seiner Statur angesichts des Trends zu kräftigen, baumlangen Typen "vom Aussterben bedroht" ("Kicker") sein könnten, befürchtet Xavi nicht: "So weit wird es nicht kommen. Es hängt ja auch vom System ab, welche Spieler gefragt sind. Und da wird es immer auch Platz für Leute wie uns geben."

Xavis Erfolge und eine Schwäche

Sieht ganz danach aus: Beim FC Barcelona brachte es der 28-Jährige in der Primera Division bislang auf über 340 Einsätze, in der Champions League trat er 74 Mal an und im zweiten EM-Gruppenspiel am (heutigen) Samstag gegen Schweden trägt er zum 60. Mal das Trikot der "Seleccion".

Dazu wurde er je dreimal spanischer Meister und Supercup-Sieger, Champions-League-Gewinner, "U 20"-Weltmeister, und die Silbermedaille bei den Olympischen Spielen in Sydney 2000 komplettiert seine herausragenden Erfolge.

Einziges Manko in einer bestechenden Bilanz: Ein Torjäger wird Xavi nie. "Ich müsste mehr Tore schießen", merkte er zu seiner vielleicht einzigen Schwäche an. "Aber im Strafraum entscheide ich mich fast immer für ein Zuspiel und selten für den Schuss."

Von den Gefühlen übermannt

Ein Mal ging Xavi zur Überraschung aller jedoch voll in die Offensive.

Nach dem Endspiel-Triumph 2006 gegen den FC Arsenal in der europäischen Königsklasse, bei dem er nur auf der Bank saß, gab der Spielmacher bei der Ehrung der spanischen Königin Silvia zunächst den im Protokoll vorgesehenen Handkuss.

Dann übermannten den eher schüchternen und bescheidenen Star aber die Gefühle und er umarmte die Monarchin spontan . "Ich dachte, dass angesichts der großen Freude ein Handkuss zu distanziert gewesen wäre", rechtfertigte sich Xavi später.


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