Montag, 23.06.2008

EM 2008

Türkei hofft auf Sommermärchen

Wien - Der Kader schrumpft, doch der Glaube wächst - ungeachtet der akuten Personalsorgen soll das Sommermärchen der EM-Stehaufmännchen aus der Türkei weitergehen.

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© DPA

"Wir haben keine Angst und nichts zu verlieren. Durch all die Verletzungen und Sperren ist das Team noch enger zusammenrückt. Egal was passiert, wir werden elf Spieler auf dem Platz haben, die alles für die Mannschaft geben", versprach FC Bayern-Profi Hamit Altintop vor dem Duell mit Deutschland in Basel (Mi., 20.30 Uhr im SPOX-TICKER).

Der Stolz auf den ersten Einzug der Türkei in ein EM-Halbfinale verleiht allen Beteiligten Flügel. Der gesperrte Arda sieht die dezimierten "Milli Takim" auf Augenhöhe mit dem DFB-Team: "Deutschland hat 1996 auch viele Verletzte gehabt und ist Europameister geworden."

Terims ungewöhnliche Idee

Ähnlich optimistisch äußerte sich Abwehrspieler Gökhan: "Auch wenn wir viele verletzte Spieler haben, werden wir das letzte Hindernis auf dem Weg in das Finale aus dem Weg räumen."

Da er möglicherweise auf neun gesperrte oder verletzte Spieler verzichten muss, kam Trainer Fatih Terim eine ungewöhnliche Idee. Sein Vorschlag, Ersatzkeeper Tolga zum Feldspieler umzufunktionieren und wenn nötig in der Schlussphase als Libero oder Mittelfeldspieler einzuwechseln, fand große Beachtung, dürfte aber nicht ganz ernst gemeint sein.

Dennoch verzichtete Tolga auf Einwände und machte gute Miene zu den taktischen Spielchen des in der Türkei als "Imperator" gefeierten Terim: "Ich spiele dort, wo der Trainer mich aufstellt."

Türkei wechselt Standort

In der Außenseiterrolle fühlen sie sich wohl. "Wenn der Gegner Favorit ist, motiviert uns das ganz besonders", sagte Angreifer Senih. Nicht nur aufgrund der vielen Rückschläge kann von einer optimalen Vorbereitung auf die Partie gegen Deutschland nicht die Rede sein.

Ohne Angabe von Gründen wechselten die Türken, die zu Turnierbeginn am Genfer See logiert hatten, am Samstag erneut ihr Quartier. Zur Verwunderung der Direktion des Steigenberger Avance Hotels kehrten sie nach dem Sieg über Kroatien nicht nach Krems zurück, sondern zogen in das nahe gelegene Wien um. Von dort geht die Reise am Dienstag weiter nach Basel.

In einer Beziehung blieb Terim seiner Linie dennoch treu: Auch in Wien schottet sich das Team von der Außenwelt ab und beschränkt die Kontakte zu den vielen angereisten Fans und den Medienvertretern auf das Nötigste. Nichts soll die Konzentration auf das Halbfinale stören. Immerhin sickerte durch, dass die Aussichten auf einen Einsatz Emre Belözoglus gestiegen sind.

Servet-Ausfall wiegt schwer

Der Regisseur von Newcastle United, seit dem 0:2 gegen Portugal zum EM-Start nicht im Einsatz, scheint von seiner Wadenblessur genesen. Weniger günstig sind die Aussichten für Abwehrchef Servet, der weiterhin Knieprobleme beklagt. Dessen Ausfall wertet Türkei-Experte Karl-Heinz Feldkamp als herben Verlust: "Ohne ihn ist das türkische Team nur die Hälfte wert."

Das Wehklagen hält sich dennoch in Grenzen. Drei Last-Minute-Siege über die Schweiz, Tschechien und Kroatien haben gelehrt, auch in nahezu aussichtslosen Situationen weiter an sich zu glauben. Terim lässt derzeit keine Gelegenheit aus, auf das gewachsene Selbstvertrauen hinzuweisen.

Spätestens seit dem Sieg über Kroatien wähnt er die Türkei im Kreis der Fußball-Großmächte. "Jetzt treffen gegen Deutschland zwei Riesen aufeinander", sagte der Coach des Weltranglisten-20.


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