Montag, 16.06.2008

EM 2008

Türkische Fußballfans im Freudentaumel

Berlin - Türkischer Freudentaumel in Deutschland: Zehntausende Fußballfans haben euphorisch den Einzug der türkischen Nationalmannschaft ins EM-Viertelfinale gefeiert.

Türkei, Fans
© Getty

Laut hupend zogen sie nur Minuten nach dem Schlusspfiff in Autokorsos durch die Innenstädte. In Berlin, Hamburg, Köln und vielen anderen deutschen Großstädten bildete sich ein Meer aus türkische Fahnen.

Die Menschen sangen und tanzten ausgelassen auf den Straßen. "Es herrscht absolute Feierstimmung", sagte eine Polizeisprecherin im Berliner Stadtteil Kreuzberg.

Tschechen früh in Führung 

Dabei hatte die tschechische National-Elf den Türken ihren Fußball-Abend zunächst gründlich verdorben. Beim Fanfest in Hamburg gingen viele der rund 5000 türkische Fans aus Enttäuschung über den zwischenzeitlichen 0:2-Rückstand ihres Teams schon frühzeitig nach Hause.

Alle EM-Ambitionen schienen begraben, bis die türkische Mannschaft eine furiose Aufholjagd startete und für ohrenbetäubenden Jubel vor Großbildleinwänden und in vielen Kneipen sorgte.

Nach dem alles entscheidenden 3:2-Siegtor kurz vor dem Schlusspfiff gab es dann kein Halten mehr: Viele fielen sich vor Freude um den Hals. "Es ist wie ein Wunder", rief der 20 Jahre alte Okan Türk, der mit seinen Kumpels in Hamburg inmitten der fröhlich feiernden Menge den nicht mehr für möglich gehaltenen Sieg genoss. Auf der Amüsiermeile Reeperbahn tanzten die Menschen auf Autodächern und brüllten pausenlos "Türkiye, Türkiye".

Tausende auf den Straßen 

In Berlin strömten nach dem Schlusspfiff tausende Türken auf die Straßen, fuhren hupend in Autokorsos durch die Stadt und schwenkten türkische Fahnen. In den Bezirken Kreuzberg und Neukölln, wo viele Türken wohnen, tanzten die Menschen auf der Straße, einige zündeten Feuerwerkskörper.

"Es herrscht absolute Feststimmung", sagte eine Polizeisprecherin gegen Mitternacht. Rund um dem Kurfürstendamm kam der Verkehr zeitweise zum Erliegen. "So was habe ich noch nie gesehen in meinem Leben", rief ein jubelnder türkischer Fan.

In Köln machten 10 000 Menschen den Ring spontan zur Fanmeile. Wie bei einem Sternmarsch zogen Autokorsos aus den Stadtteilen in Richtung Zentrum, berichtete die Polizei. Am Ende habe sich ein kilometerlanger Autokorso mit mindestens 2000 Fahrzeugen gebildet.

In Stuttgart waren rund 5000 türkische Fußballfans in der Innenstadt unterwegs. "Die Menschen feiern begeistert und friedlich den Sieg ihrer Mannschaft", sagte ein Polizeisprecher. In Hannover strömten rund 4000 Menschen singend und Fahnen schwenkend zum Steintor. In München legten Anhänger der türkischen Nationalmannschaft den Verkehr auf der Leopoldstraße lahm.

Türkische Party-Meile 

Auch Prachtstraßen wie die Düsseldorfer Kö und die Zeil in Frankfurt wurden zu türkischen Party-Meilen. In Bremen war laut Polizei "High- Life in allen Gassen". Rund um den Bahnhof blockierten 2000 feiernde Fans mehrere Kreuzungen. In der Innenstadt fuhr zeitweise keine Straßenbahn mehr.

Lediglich in Mainz kam es am Rande der Feiern zu Ausschreitungen. Die Polizei musste nach eigenen Angaben hart durchgreifen, um die Lage in den Griff zu bekommen. Schon bei den vergangenen EM-Spielen der türkischen Nationalmannschaft war es in Mainz zu Zwischenfällen gekommen.

Der nächste Freudentaumel könnte schon heute (Montag) entbrennen: Dann geht es für die deutsche Nationalmannschaft im Spiel gegen Österreich um alles oder nichts. Eine Niederlage gegen den krassen Außenseiter würde den Vorrunden-K.o. bedeuten - bei einem Sieg ginge der Traum vom EM-Titel weiter.


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