Samstag, 21.06.2008

EM 2008

Schwere Ausschreitungen in Bosnien

Berlin - In ganz Deutschland haben türkische Fans ausgelassen und friedlich den Einzug ihrer Mannschaft ins Halbfinale der EM gefeiert. In Wien ist es dagegen zu leichten Zusammenstößen zwischen kroatischen und türkischen Anhängern gekommen.

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© Getty

In der Hauptstadt stiegen kurz nach dem Schlusspfiff hunderte Raketen in die Luft. Der Jubel der türkischen Anhänger war ungebrochen, nachdem ihr Team das Viertelfinalspiel gegen Kroatien mit 3:1 im Elfmeterschießen gewann.

Hunderte Wagen fuhren hupend auf dem Kurfürstendamm. "Die Stimmung ist ausgelassen, aber sehr friedlich", sagte ein Polizeisprecher. "Die Fans sind total zugänglich, vor allem, weil sehr wenig Alkohol im Spiel ist." Es habe keine großen Krawalle oder Ausschreitungen gegeben.

Polizist von Rakete getroffen

Auch im Norden war der Jubel groß: Das Fanfest in Hamburg mit knapp 30.000 Zuschauern verwandelte sich nach dem Abpfiff der Partie in einen Hexenkessel. Die begeisterten türkischen Anhänger zündeten bengalische Fackeln, schwenkten Fahnen und jubelten ohrenbetäubend.

Anschließend zogen hupende Fahrzeuge in Autokorsos über die Reeperbahn. In der Bremer Innenstadt ging auch wenige Minuten nach dem Schlusspfiff nichts mehr. 5000 türkische Fans fuhren mit ihren mit Flaggen geschmückten Autos durch die City.

In Hannover feierten 7000 Anhänger auf dem Steintorplatz. Inmitten der Menschenmenge feuerten ein paar Fans Feuerwerkskörper ab. Ein Polizist wurde von einer Rakete am Hals getroffen und musste ins Krankenhaus gebracht werden.

Zwischenfälle in Frankfurt

Mit Hupkonzerten feierten auch die Fans in Nordrhein-Westfalen den türkischen Sieg. In Köln war die komplette Innenstadt von Autokorsos lahmgelegt. Die Polizei sprach von mehreren tausend Autofahrern.

In Oberhausen jubelten mehr als 7000 türkische Fans über den Erfolg ihrer Mannschaft und fuhren mit Hupkonzerten durch die Stadt. In Duisburg gingen ebenfalls tausende türkische Fans auf die Straße.

In Frankfurt am Main schauten 6500 Fans das Spiel in der Public-Viewing-Arena am Rossmarkt. Nach dem Match kam es nach Angaben der Polizei zu einigen kleineren Scharmützeln zwischen Anhängern der Türkei und enttäuschten kroatischen Fans. Dabei flogen auch Flaschen, verletzt wurde nach ersten Erkenntnissen aber niemand.

Ausschreitungen in Wien

Rund 7000 türkische Fans feierten in Nürnberg den Sieg ihrer Mannschaft auf den Straßen. In München strömten tausende türkischer Fans nach dem Abpfiff auf die Leopoldstraße. Hunderte Autos fuhren in einem Korso durch die Stadt.

In Wien verlief die Nacht nicht immer ruhig. Größere Ausschreitungen blieben nach Angaben der Polizei aber aus.

Die kroatischen und türkischen Fangruppen seien etwa um Mitternacht nach Abpfiff des Spieles von Beamten getrennt worden, sagte Polizeisprecher Walter Hladik in der Nacht zu Samstag. Dabei hätten einige Kroaten Flaschen geworfen und Autos beschädigt.

Elf Festnahmen und zehn Verletzte 

Während des Spiels habe es bereits kleinere Raufereien gegeben. "Straßenschlachten waren das bestimmt nicht", sagte der Sprecher.

Nach ersten Erhebungen seien am Abend und in der Nacht elf Menschen festgenommen worden. Die Sanitäter zählten in der gesamten Stadt zehn Leichtverletzte und zwei Kreislaufzusammenbrüche.

In Wien jubelten nach Angaben von Hladik deutlich weniger Fans ihren Mannschaften zu als von der Polizei erwartet. "Wir haben mit 200.000 Menschen gerechnet, es waren mit den Stadionbesuchern wahrscheinlich noch nicht mal 100.000", sagte der Sprecher.

Bei dem EM-Vorrundenspiel der Kroaten seien deutlich mehr Anhänger der Mannschaft nach Wien gekommen. Mit rund 30.000 Fans war die offizielle Feierzone am Wiener Innenstadtring noch nicht einmal halb voll.

Ausnahmezustand in Wiener Stadtteil Ottakring 

Vor und während des Spiels feierten die Anhänger beider Mannschaften überwiegend friedlich zusammen, doch nach Abpfiff gingen die enttäuschten Kroaten nach Polizeiangaben relativ schnell heim.

Die Türken feierten noch bis spät in die Nacht hinein ihren dramatischen Sieg im Elfmeterschießen. Ausnahmezustand herrschte im Wiener Stadtteil Ottakring, in dem viele Türken und Kroaten leben.

Die Hauptstraße dort war bereits am Nachmittag nicht mehr für den Verkehr passierbar.

Schwere Ausschreitungen in Mostar

Im südbosnischen Mostar ist es dagegen zu schweren Ausschreitungen gekommen. Mehrere Dutzend Menschen, darunter vier Polizisten, wurden verletzt, wie Sprecher des örtlichen Krankenhauses bestätigten.

Mehr als 1000 Polizisten waren im Einsatz. Sie mussten jubelnde Muslime, die den Sieg ihrer türkischer Glaubensbrüder feierten, von Kroaten trennen.

Mostar ist seit dem Krieg 1992-1995 geteilt. Im Osten leben Muslime, im Westen Kroaten. Bosnien war über 400 Jahre unter türkischer Herrschaft.

Die Polizei setzte Tränengas gegen die Randalierer ein, die sich gegenseitig mit Steinen und Flaschen bewarfen und mehrere Autos und Schaufenster beschädigten.

Augenzeugen berichteten auch von Schüssen aus Feuerwaffen. Es wurden keine Angaben über eventuelle Festnahmen gemacht.


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