Freitag, 20.06.2008

Viertelfinale: Kroatien - Türkei

Fixpunkt Nihat

Wien - Staatspräsident Abdullah Gül ist sein größter Fan geworden. In der Türkei stieg Nihat über Nacht zum Nationalhelden ersten Ranges auf und soll dem WM-Dritten von 2002 nun die Tür ins Halbfinale aufstoßen.

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© DPA

"Wir haben Geschichte geschrieben, und wir werden weiter Geschichte schreiben", kündigte der zweifache Torschütze vom 3:2-Sieg gegen Tschechien vor dem Viertelfinale in Wien gegen Kroatien (20.30 Uhr im SPOX-TICKER) an.

Dabei hatte der Angreifer zu Turnierbeginn noch polemische Kritik über sich ergehen lassen müssen. Wie schnell sich die Stimmung im Heimatland drehen kann, bekam der 28-Jährige in den vergangenen EM-Tagen zu spüren: Nach seinen beiden Last-Minute-Toren gegen Tschechien gab es überschwängliche Lobeshymnen. Im Internet-Portal "Youtube" wird Nihat als ein "Fußballer, der Herzen bricht" gefeiert.

"Treffer sind Geschenk an Nation"

Selbst der Staatspräsident war aus dem Häuschen und griff spontan zum Telefon. Der Politiker ließ es sich nicht nehmen, dem Angreifer persönlich zu gratulieren. Urplötzlich waren die mäßigen Auftritte von Nihat in den Spielen gegen Portugal (0:2) und die Schweiz (2:1), bei denen er zum Verdruss vieler türkischer Medienvertreter ohne Torerfolg geblieben war, kein Thema mehr. Das Lob empfand Nihat als perfekte Einstimmung auf die kommende Aufgabe gegen Kroatien: "Die Treffer sind ein Geschenk an die Nation. Jetzt glauben wir mehr an uns als vorher."

Der Doppelschlag gegen die Tschechen verhalf dem 1,75 Meter großen Torjäger vom spanischen Erstligisten Villareal erstmals ins internationale Rampenlicht. In großen Lettern erinnerten zahlreiche Boulevard-Zeitungen aus verschiedenen Ländern an dessen erste Knieoperation im Jahr 2005, bei der ihm die Sehne eines Toten eingesetzt worden war. Auch der zweite Kreuzbandriss warf Nihat nicht aus der Bahn. Mit unbändigem Ehrgeiz kämpfte das Kind einer Arbeiterfamilie aus Istanbul gegen das drohende Karriereende an.

Fixpunkt des türkischen Teams

Seither spielt Nihat besser denn je: Ohne seine beiden Siegtreffer in den entscheidenden Qualifikationsspielen in Norwegen (2:1) und gegen Bosnien-Herzegowina (1:0) wäre die Türken bei der EM nur Zuschauer.

Zudem trug er mit 18 Saisontoren in der Primera Division entscheidend zum Champions-League-Einzug von Villareal bei. Auf einen ähnlichen Erfolg im Ausland kann bisher kein anderer türkischer Fußballer verweisen.

Nicht zuletzt deshalb spielt Nihat in den Planungen von Nationaltrainer Fatih Terim eine zentrale Rolle. Anders als beim dritten WM-Rang 2002, als der Angreifer nur als Randfigur in Erscheinung trat, ist er der Fixpunkt des türkischen Teams.

Inständig hofft Terim, dass seinem Lieblingsspieler im Duell mit Kroatien ein ähnlicher Coup gelingt wie gegen Tschechien. Nihat selbst ist guter Dinge: "Wenn wir ein Spiel auch gewinnen können, wenn wir schlecht spielen, dann können wir jeden schlagen, wenn wir gut spielen."


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