Montag, 09.06.2008

EM 2008

Türkei-Schweiz: Duell mit besonderer Bedeutung

Zürich - Nach dem Skandalspiel von Istanbul vor zweieinhalb Jahren mit hässlichen Szenen prügelnder Fußballer erhält die EM-Partie zwischen der Schweiz und der Türkei am 11. Juni zusätzliche Brisanz.

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© Getty

Wie beim WM-Qualifikationsspiel am 16. November 2005 geht es für die beiden Teams der Gruppe A nach ihren Auftaktniederlagen ums sportliche Überleben. Damals verpassten die Türken die WM 2006, diesmal droht dem Verlierer das vorzeitige Turnierende.

"Jetzt bekommt das Spiel gegen die Schweizer wieder eine ganz besondere Bedeutung", sagte der türkische Trainer Fatih Terim mit ernster Miene nach dem 0:2 im Auftaktspiel gegen Portugal.

Keine besonderen Sicherheitsvorkehrungen

Für die Organisatoren gibt es allerdings keinen Grund zu besonderen Sicherheitsvorkehrungen. "Wir sind nicht außergewöhnlich besorgt über einzelne Spiele. Wir hoffen, dass das Sicherheitssystem bei jedem Spiel funktioniert", erklärte UEFA-Pressechef William Gaillard.

OK-Sprecherin Pascale Vögeli sagte: "Wir setzen auf die gute Zusammenarbeit mit den Behörden in beiden Ländern."

Viele Akteure des damaligen Aufeinandertreffens in der Türkei stehen sich auch beim zweiten Gruppenspiel in Basel wieder gegenüber. Die Szenen nach der emotionsgeladenen Partie im Sükrü Saracoglu Stadion, die die Türken zwar mit 4:2 gewonnen hatten, aber damit die 0:2-Hinspielniederlage im entscheidenden Playoff-Spiel nicht wettmachen konnten, sind noch in frischer Erinnerung. "Dieses Datum werde ich für immer in meinem Kopf haben", sagte der Schweizer Nationalspieler Ludovic Magnin.

Ausschreitungen nach Quali-Spiel

Unmittelbar nach dem Schlusspfiff eskalierte die Situation, als der türkische Assistenztrainer Mehmet Özdilek einem Schweizer Spieler ein Bein stellte und anschließend selbst einen Tritt erhielt.

In den Katakomben entwickelte sich darauf eine wüste Schlägerei, bei der vor allem die Schweizer angegriffen wurden. "Es war ein Riesenschock. Wir hatten erwartet, dass die Stimmung heiß wird, dass es aber mit Schlägen ausartete und auch die Ordner auf einen losgingen, dies konnte man nicht erwarten", erinnerte sich Bayer Leverkusens Profi Tranquillo Barnetta.

Das türkische Fernsehen übertrug die Bilder live. Schon beim Hinspiel in Bern hatte es Provokationen von türkischer Seite gegeben, bei denen auch Trainer Terim keine gute Figur abgab.

Der Fußball-Weltverband FIFA sprach danach Strafen gegen Spieler beider Seiten aus und verurteilte den türkischen Verband zu einer Geldstrafe. Zudem musste die Türkei drei Pflicht-Heimspiele im Ausland ohne Zuschauer austragen.

Trainer auf Schmusekurs

Vor dem ersten Aufeinandertreffen seit der skandalösen Partie in Istanbul ist vor allem Trainer Terim um moderate Töne bemüht. "Wir kommen als Freunde", versprach der Coach schon vor Turnierbeginn.

Er habe seinem Trainerkollegen "Köbi" Kuhn auch bereits eine E-mail geschrieben und sich nach dessen kranker Ehefrau erkundigt, sagte Terim.

Für seine Nationalspieler zählt nur die sportliche Herausforderung. "Wir wollen das Spiel gewinnen und Revanche nehmen für die verpasste WM. An die Partie von damals verschwenden wir keine Gedanken", sagte Bayern-Profi Hamit Altintop. Sein Kollege Magnin versprach: "Jetzt haben beide Völker ein Interesse zu zeigen, dass wir zum Fußball spielen da sind."


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