Russen feiern rauschende Frust-Party

SID
Freitag, 27.06.2008 | 17:41 Uhr
EM 2008, Fussball, Russland, Arshavin
© DPA
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Wien - Zigarren qualmen, Wodka und Champagner fließen in Strömen, und zahlreiche russische Schönheiten helfen dabei, das 0:3 im EM-Halbfinale gegen Spanien schnell zu verarbeiten.

Bis in den frühen Freitagmorgen haben die Russen im Wiener Luxushotel "Palais Coburg" beim "Fashion TV Night Club" eine rauschende Frust-Party gefeiert. Auf dem Rasen war Andrej Arschawin zuvor nur Statist, doch bei der anschließenden Feier mit Russlands Geldadel und Wiener Lokal-Prominenz lief der Star Medienberichten zufolge zur Bestform auf.

"Nun bin ich nicht mehr deprimiert, die Feier ist super", sagte Arschawin der österreichischen Nachrichten-Agentur (APA).

Rauschende Party

Es soll hoch hergegangen sein in der exklusiven Location. Luxus-Karossen vor dem gegenüberliegenden Edelstriptease-Lokal verrieten, dass auch Oligarchen und Öl-Multis der Einladung des gebürtigen Wieners Adam Lisowski gefolgt waren.

Multimilliardär und Chelsea- Besitzer Roman Abramowitsch hatte zwei Tische reservieren lassen, sei aber nicht gekommen, hieß es. Geld spielte dennoch keine Rolle: Eine Flasche Schampus kostete 280 Euro. So war die Niederlage bald vergessen, der Kummer ertränkt.

"Es war doch von Anfang an klar, dass Spanien gewinnt", sagte Lisowski, Gründer des TV-Senders "Fashion TV". Dann wandte sich der Gastgeber im weißen Glitzerhemd wieder den Damen zu, die auch Arschawin umringten. Später präsentierten die Models auf dem silbernen Laufsteg Designer-Klamotten.

"Mode und Sport gehören zusammen", so Lisowski: "Lasst uns feiern."

60 Minuten auf dem gleichen Level

Wenige Stunden zuvor war wenig zu sehen vom viel gelobten Hochgeschwindigkeits-Fußball der russischen Elite-Kicker. Fünf Tage nach der 3:1-Gala gegen die Niederlande waren am Ende die Beine schwer und die Köpfe leer.

Spätestens nach den zwei Toren von Spaniens Ballzauberern Xavi (50.) und Daniel Güiza (73.) war der Widerstand gebrochen, die geplante Revanche 16 Tage nach dem 1:4 zum EM-Auftakt missglückt. Das 0:3 durch David Silva (82.) hatte nur statistischen Wert.

"Eine Stunde haben wir auf dem selben Level gespielt. Dann ging Spaniens Plan auf, uns mit Kurzpassspiel müde zu machen", gestand Russlands Trainer Guus Hiddink.

Der Niederländer war nach der Lehrstunde wie seine Spieler zwar "enttäuscht", aber nicht am Boden zerstört: "Wir können stolz sein auf das, was wir hier erreicht haben und wie wir uns bei der EM präsentiert haben."

Russische Medien feiern ihre Mannschaft

Auch die Medien in der Heimat spendeten Trost. Die am Freitag aus Wien abgereiste Mannschaft wird in Moskau mit Applaus empfangen werden. "Nicht traurig sein. Der russische Fußball ist durch einen langen Tunnel endlich ans Licht gelangt", schrieb "Sport-Express".

Die EM habe Appetit gemacht. "Wir wissen jetzt, zu was wir fähig sind: nicht nur in unseren Träumen, sondern auch in der Realität." Und "Nowyje Iswestija urteilte: "Russland ist wieder eine Macht im Fußball. Und seine Spieler sind Gold wert, wenn man das Interesse ausländischer Vereine sieht."

EM als Sprungbrett

Fast alle Russen haben die EM erfolgreich als Showbühne genutzt. Nicht nur Arschawin, dessen Klub St. Petersburg schon ein 15-Millionen-Euro-Angebot des FC Barcelona vorliegen soll, oder Stürmer Roman Pawljutschenko haben die Scouts in Spanien, England, Italien, oder Deutschland aufmerksam gemacht.

Hiddink hätte nichts gegen den Wechsel einige Profis ins westeuropäische Ausland. Letztlich käme das der Erfahrung und Klasse seines Teams zugute. "Meine Spieler haben durchaus die Qualität, in einer europäischen Topliga zu spielen. Auch für Arschawin wäre es gut, weil er sich dann gegen hochkarätige Konkurrenz durchsetzen muss und auch mal Widerstand spürt."

Allerdings kann nur der sportliche Ehrgeiz die Spieler aus dem Land locken. Denn finanziell kann Russlands Liga längst mithalten.

Volle Konzentrationa WM-Quali

Das erhoffte EM-Finale gegen die DFB-Elf verpassten Hiddink und sein Team, dennoch richtet sich ihr Blick schon jetzt nach Deutschland.

Denn die Löw-Elf ist von September an in der WM-Qualifikation einer der Gruppen-Gegner: "Meine Spieler haben bei dieser EM viel Erfahrung gesammelt und Selbstvertrauen gewonnen. Jetzt werden wir relaxen und dann die WM-Qualifikation angehen."

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