Griechen für "Endspiel" bereit

SID
Freitag, 13.06.2008 | 17:14 Uhr
Fußball, EM, Griechenland, Russland, Otto Rehhagel, Guus Hiddink
© Getty
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Salzburg - Vor dem Tag der Wahrheit forderte Otto Rehhagel noch Gebete für den angeschlagenen Europameister, dann verabschiedete sich Griechenlands Coach in Siegerpose mit verschlungenen Händen überm Kopf zum letzten Training für das wichtigste Spiel seit dem EM-Triumph 2004.

Der Titelverteidiger ist angeschlagen, will sich im ersten Vorrunden-Endspiel von Russland am Samstag (20.45 Uhr) in Salzburg aber nicht vom Sockel stoßen lassen.

"Ich musste die Mannschaft aufrichten. Die ersten beiden Tage war es schwer. Ich denke aber, dass wir die Enttäuschung überwunden haben und das wieder in positive Energie umwandeln können", sagte Rehhagel am Freitag.

Eine weitere Niederlage nach dem 0:2 gegen Schweden könnte schon das Aus bedeuten. Nur ein schwedischer Sieg zuvor über Spanien beließe eine rechnerische Chance.

Russland unter Druck

Auch die Russen stehen nach dem 1:4 gegen Spanien unter enormem Druck und hätten bei einer weiteren Pleite nur dann eine theoretische Viertelfinal-Chance, falls die Spanier auch die Schweden bezwingen.

Russlands Trainer Guus Hiddink sprach vom "Tag der Wahrheit" und fügte unaufgeregt hinzu: "Es ist ein Finale. Ich bin neugierig darauf, wie die Spieler damit taktisch und mental umgehen."

Rehhagel wirkte angesichts der Ernstes der Lage angespannt und nicht zu Scherzen wie zuletzt aufgelegt.

Im Gegenteil: Als er trotz seines bis 2010 verlängerten Vertrages nach möglichen persönlichen Konsequenzen bei einem Ausscheiden gefragt wurde, antwortete der 69-Jährige gereizt: "Ich bin zu alt, um auf Ihre Tricks reinzufallen."

Rehhagel lässt Taktik offen

Der wegen seiner Defensiv-Taktik mit fünf Abwehrspielern heftig kritisierte Rehhagel ließ sich wie üblich nicht in sein taktisches Konzept schauen und ließ offen, ob er wie erwartet zum 4-3-3-System mit drei Stürmern zurückkehren wird.

Darin würde wohl der gegen Schweden ausgebootete Frankfurter Ioannis Amanatidis wieder einen Platz von Anfang an finden.

Offensive ist für Rehhagel aber keine Frage des Systems. Er habe niemandem verboten, gegen Schweden offensiv zu spielen, erklärte er. Amanatidis, der den ersten Auftritt offen kritisierte, lobte er sogar: "Er hat mir aus den Herzen gesprochen, als er gesagt hat, wir spielen den Ball zu lange hin und her."

Die russische Mannschaft verfüge dagegen über eine "Kombinationsmaschinerie". Bayern München habe gegen UEFA-Cup-Sieger Zenit St. Petersburg im Halbfinale gespürt, wie der russische Fußball sei. Die griechischen Spieler müssten mit ihren Möglichkeiten dagegen halten.

Hiddink hat Sorgen

Sorgen hat auch Hiddink. Torjäger Pawel Pogrebnjak ist am Meniskus operiert, Vorbereiter Andrej Arschawin noch einmal gesperrt und der bisher einzige EM-Torschütze Roman Pawljutschenko wegen hartnäckiger Adduktorenbeschwerden fraglich.

Der Defensive hatte er gegen Spanien Schüler-Niveau attestiert. Es werde einige, aber nicht viele Veränderungen geben, die offensive Einstellung bleibe. "Ich möchte mein Team attraktiv, aber klüger spielen sehen", sagte Hiddink. "So wie wir gern spielen, ist es schwierig, alle Spieler zu bremsen und zu warten, bis der Gegner den Fehler macht."

Angstgegner Russland

Die Russen, die nach dem Zerfall der Sowjetunion bei den EM- Endrunden 1996 und 2004 jeweils das Viertelfinale verpassten, haben seit fast 15 Jahren nicht gegen Griechenland verloren und wären schon vor vier Jahren fast zum Stolperstein für den späteren Europameister geworden.

Die bereits ausgeschiedene "Sbornaja" gewann damals 2:1, nur die bei gleicher Tordifferenz mehr geschossenen Treffer verhalfen Rehhagels Mannen damals vor Spanien ins Viertelfinale.

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