Sonntag, 15.06.2008

Rehhagel-Interview

"Einmal hat es 2004 ein Wunder gegeben"

Salzburg - Fragen an den griechischen Fußball-Nationaltrainer Otto Rehhagel zum Ausscheiden des Titelverteidigers bei der Europameisterschaft.

EM 2008, Griechenland, Otto Rehhagel
© DPA

Frage: Vier Jahre nach dem EM-Triumph von Portugal ist Griechenland entthront. Wie sehr schmerzt Sie das?

Otto Rehhagel: "Ich bin nicht so enttäuscht, ich weiß ja, wozu wir in der Lage sind. Wir wollten natürlich besser abschneiden, aber so gut sind wir nicht, dass wir hier drei Spiele gewinnen. Andere Mannschaften haben viel brutaler verloren als wir. Die Franzosen kriegen vier Stück, können die etwa nicht Fußball spielen? Die werden vielleicht auch ausscheiden und sind besser als wir. Einmal hat es 2004 ein Wunder gegeben. Das geschieht einmal in 30 Jahren und nicht alle 14 Tage, sonst wäre es ja kein Wunder."

Frage: Warum hat es auch gegen Russland wieder nicht geklappt?

Rehhagel: "Unsere Mannschaft hat zwei Klassen besser gespielt als gegen Schweden. Aber leider - und das ist nicht erst heute bekannt - schießen wir keine Tore. Für mich war wichtig, dass wir mit Herz und Leidenschaft gespielt haben bis zur letzten Sekunde. Wir haben gegen eine erstklassige Mannschaft verloren, da kann ich keinen Vorwurf machen. Die Russen sind alles Sprinter und glänzende Fußballer. Bayern München und Bayer Leverkusen können das hundertprozentig bestätigen."

Frage: Was für Konsequenzen werden Sie aus dem Vorrunden-Aus ziehen?

Rehhagel: "Jetzt haben wir ein nächstes Spiel gegen Spanien. Darauf werden wir uns vorbereiten, alles andere kommt später. Das Turnier ist noch nicht vorbei, wir haben noch die Pflicht, eine saubere Arbeit nach 90 Minuten abzuliefern. Das sind wir allen Leuten schuldig. Die Akropolis steht seit 3000 Jahren, und wenn wir in 200 Jahren alle nicht mehr da sind, steht die immer noch. O.k., das war's."

 


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