Polen wollen Minimal-Chance nutzen

SID
Sonntag, 15.06.2008 | 11:48 Uhr
EM 2008, Polen, Leo Beenhakker
© DPA
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Klagenfurt - Polnische Polka oder kroatische Kür: EM-Debütant Polen will die "Mission impossible" gegen ein kroatisches B-Team vollenden und die Minimal-Chance auf das Viertelfinale nutzen.

Vor dem Gruppen-Finale in Klagenfurt (Mo., 20.30 Uhr im SPOX-Ticker) bewies Nationaltrainer Leo Beenhakker, dessen Team auf Schützenhilfe der Österreicher angewiesen ist, angesichts der "schlimmsten Situation im Fußball" Galgenhumor.

"Ich werde meinen Freund Bilic anrufen und fragen, ob er seine Schwiegermutter als Stürmer spielen lässt", scherzte Beenhakker.

Kroatien mit B-Elf

Diesen Gefallen kann ihm sein Kollege Slaven Bilic ("Ich bin geschieden") zwar nicht tun, doch nach dem 2:1-Coup gegen die deutsche Auswahl wird der charismatische Coach seine Startelf auf etlichen Positionen verändern und auch auf Superstar Luka Modric verzichten.

Das von einer Gelb-Sperre bedrohte Quartett Josip Simunic (Berlin), Robert Kovac (Dortmund), Darijo Srna und Modric erhält definitiv eine Pause - sicherlich zur Freude Beenhakkers. "Wir sind ja keine Idioten und werden nichts riskieren", wies Bilic vorsorglich den Vorwurf der Wettbewerbsverzerrung zurück.

Denn Gruppensieger Kroatien könnte im Dreikampf um Platz zwei zum Zünglein an der Waage werden und Polen in die K.o.-Runde verhelfen.

"Kleine Chance" 

Hatte Beenhakker nach dem bitteren "Last-Minute"-1:1 gegen Österreich bereits kapituliert und das Turnier-Aus verkündet ("Das ist es wohl gewesen"), klammerte er sich am Wochenende wieder an eine "kleine Chance".

"Es ist niemals vorbei, ehe es vorbei ist, aber wir haben es nicht mehr in unserer Hand. Wir müssen gewinnen, egal ob gegen eine A- oder E-Elf." Verteidiger Michal Zewlakow beschwor wegen der "Eins-zu-einer-Millionen-Chance" höhere Mächte: "Wir brauchen ein Wunder und müssen dafür beten."

Die Ausgangslage ist so klar wie ernüchternd: Nur bei einem Erfolg Österreichs gegen Deutschland und einem um ein Tor höheren eigenen Sieg gegen Kroatien steht die Kadra erstmals seit 26 Jahren wieder in einem großen Viertelfinale.

Durchhalteparolen bei Krzynowek 

Und so schwankte die Stimmung im EM-Quartier in Bad Waltersdorf zwischen Frust und Trotz. Zumindest der Wolfsburger Jacek Krzynowek gefiel sich in Durchhalteparolen: "Wir glauben noch immer ans Viertelfinale. Die Chance ist noch nicht tot."

Soll aber die Überraschung gegen Kroatiens Reserve-Team gelingen, müssen endlich die Fixpunkte Krzynowek und Ebi Smolarek in EM-Form kommen.

"In unserem Team spielen momentan zwei oder drei Schlüsselspieler nur 70, 80 Prozent", kritisierte Beenhakker - ohne Namen zu nennen. In Anbetracht der Verletzungsmisere, die Kapitän Maciej Zurawski weiter zum Zuschauen zwingt, bislang eine zu große Bürde.

Klasnic brennt 

Derlei Sorgen hat der jüngste Trainer des Turniers nicht. Ganz ohne "negativen Druck" will Hard-Rocker Bilic sein Team erneut "explodieren" lassen, um mit der makellosen Bilanz von neun Punkten ins Viertelfinale gegen Tschechien oder die Türkei einzuziehen.

Neben den gelb-vorbelasteten Akteuren wird der 39-Jährige wohl auch dem bislang überragenden HSV-Angreifer Ivica Olic und Kapitän Niko Kovac eine Verschnaufpause gönnen.

Dafür brennt der Bremer Ivan Klasnic, der als erster Spieler der EM-Geschichte eine Partie mit einer Spenderniere bestreiten könnte, auf seine Premiere.

Die Partie herschenken und so den österreichischen Gastgebern ein "faules Ei" ("Kronen-Zeitung") ins Nest legen, werden die Kroaten nicht, versprach Bilic: "Wir sind zwar egoistisch und schauen nur auf unsere Ziele, aber wir wollen uns ehrlich und fair verhalten."

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