"Poldi & Schweini": Konkurrenten statt Kumpel

SID
Mittwoch, 11.06.2008 | 12:32 Uhr
deutschland, podoslki, polen
© Getty
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Tenero - "Poldi & Schweini" - das war einmal. Vor, während und noch lange nach der Weltmeisterschaft 2006 wurden die zwei jugendlichen Fußball-Helden stets in einem Atemzug genannt, fast wie siamesische Zwillinge traten sie in Erscheinung.

Doch bei der Europameisterschaft wird von Bundestrainer Joachim Löw für die breite deutsche Öffentlichkeit sichtbar gemacht, was Lukas Podolski und Bastian Schweinsteiger längst vollzogen haben: Sie gehen getrennte Wege - auf und neben dem Fußballplatz, sowohl beim FC Bayern als auch in der Nationalmannschaft.

Neu und spannend ist dies: In der DFB-Auswahl, in der sie am 6. Juni 2004 gegen Ungarn (0:2) gemeinsam debütiert hatten und groß wurden, sind sie plötzlich zu Konkurrenten geworden.

Und Podolski hat Schweinsteiger von dessen Stammplatz auf der linken Seite verdrängt, wie Löw vor dem zweiten Gruppenspiel gegen Kroatien bestätigte: Er bezeichnete den gelernten Stürmer Podolski, der in Klagenfurt vor seinem 50. Länderspiel steht, erstmals offiziell als "unseren offensiven Mittelfeldspieler".

Und Schweinsteiger? Bleibt als Reservist im Wartestand, auch wenn Löw ihn für sein Engagement und Fortschritte im Training lobte: "Bastian ist wieder sehr beweglich, agil und aktiv. Ihm gelingen die Aktionen wieder."

Kein Mitleid für Schweini

Auf Hilfe von Kumpel zu Kumpel kann Schweinsteiger nicht hoffen. Als der zweifache Torschütze Podolski nach dem 2:0-Sieg gegen Polen als "Mann des Spiels" gefragt wurde, wie "leid" ihm sein Bayern-Kollege täte, der seiner Stärke zum Opfer gefallen ist, antwortete Podolski emotionslos:

"Ich denke, Basti ist reingekommen und hat ein gutes Spiel gemacht. Ich denke, wenn er sich weiter im Training und im Spiel aufdrängt, wird er auch eine Option. Ich denke, es liegt nicht an mir, sondern der Trainer stellt die Mannschaft auf."

Und da ist links im Mittelfeld eben nur Platz für einen der beiden, die beim "Sommermärchen 2006" zusammen jubelten, wirbelten und auch im gleichnamigen WM-Film von Sönke Wortmann die Hauptdarsteller waren.

Spaß-Duo ist Vergangenheit

"Poldi & Schweini" - das Spaß-Duo war Folklore. Gemeinsam traten sie vor Länderspielen in Pressekonferenzen des DFB auf, trieben ihre Späße sogar im Kölner Karnevalstempel Gürzenich. Schweinsteiger spielte auch den Lockvogel bei Podolskis Wechsel vom 1. FC Köln zum Rekordmeister FC Bayern.

In München saßen sie dann wieder gemeinsam in einem Boot, aber nicht mehr als strahlende Fan-Lieblinge. Podolski schaute in der vergangenen Saison meist Luca Toni und Miroslav Klose beim Toreschießen zu. Und Schweinsteiger, der zwar öfter spielen durfte, verlor im Verein den Stammplatz links an Franck Ribery.

Mit dem französischen Scherzbold treibt Podolski inzwischen seine Späße, zudem ist der 23-Jährige Vater geworden und lebt mit seiner Familie abgeschieden an einem See weit außerhalb Münchens.

Schweinsteiger, der die Abnabelung von Podolski schon länger betont, tritt mehr in der Promi-Szene in Erscheinung. Die Boulevard-Presse erfreut sich an seiner Verbindung mit dem 19-jährigen Nachwuchsmodel Sarah Brandner.

Schweinsteiger schweigt

Während Podolski auf dem Trainingsplatz am Lago Maggiore lachend und flachsend Lebensfreude ausstrahlt, huscht Schweinsteiger seit dem Verlust seines Stammplatzes an den WM-Kumpel missmutig an den Medienvertretern vorbei.

Kein Wort ist ihm zu entlocken, aber auf dem Trainingsplatz soll er sich durch Tatendrang hervortun, wie Löw versicherte: "Bastian Schweinsteiger drängt vehement auf seine Chance. Er wird noch wichtig im Turnier." Womöglich finden "Poldi & Schweini" als EM-Flügelzange doch wieder zusammen.

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