Montag, 30.06.2008

EM 2008

Nationalmannschaft sagt Danke in Berlin

Berlin - Enttäuschung weggejubelt: Auch ohne den "Pott" des Europameisters haben rund hunderttausend Fans am Montag mit der Nationalelf auf Deutschlands größter Fanmeile in Berlin den EM-Abschluss gefeiert.

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© DPA

Ein schwarz-rot-goldenes Fahnenmeer wogte am Brandenburger Tor, als die Vize-Europameister von Trainer Joachim Löw mit zwei Bussen vorfuhren. Auf einem Papp-Pokal stand "Danke", auf einem Transparent "Ihr seid die Besten".

Als sich Torhüter Jens Lehmann als erster auf der riesigen Bühne den Massen zeigte und einen Fußball in die Menge schoss, klatschten die meist jungen Fans, die Menge hüpfte.

Die Kicker präsentierten sich wenige Stunden nach der 0:1-Niederlage im EM-Finale gegen Spanien schon wieder locker, wenn auch nicht in großer Jubellaune.

Poldi stimmt die Humba an

"Natürlich ist man enttäuscht, wenn man so weit kommt", sagte Kapitän Michael Ballack, der als letzter Spieler auf dem weißen Laufsteg vor dem deutschen Wahrzeichen erschien, zu dem verlorenen Finale.

"Aber ohne die Fans hätten wir es nie geschafft", rief der 31-Jährige, dessen lädierte Augenbraue vom Kampf gegen die Spanier frisch genäht und von einem Pflaster bedeckt war.

Den größten Kreischfaktor vor allem bei den weiblichen Fans gab es, als sich Mittelfeldspieler Bastian Schweinsteiger und Stürmer Lukas Podolski der Menge zeigten. Podolski betätigte sich auch als Anheizer und animierte - nicht ganz melodiesicher - zum Mitsingen der Fankurvenhymne "Humba, humba tätärääää..."

Kein Vergleich zum WM-Fest

Genau vor 722 Tagen war die deutsche Nationalelf schon einmal zum Fanfest zum Brandenburger Tor gekommen - dem emotionalen Abschluss der Fußball-Weltmeisterschaft 2006.

Zwar wurden nun bei der "Danke"-Party nach der EM Erinnerungen an das damalige Sommermärchen wach. Doch während vor zwei Jahren rund 1,5 Millionen Menschen am Brandenburger Tor an einem Sonntag feierten, fiel die Party diesmal an einem normalen Arbeitstag etliche Nummern kleiner aus.

Nach einer Stunde war die Party, zu der vorwiegend junge Leuten gekommen waren, schon wieder vorbei. Etliche vermissten aber eine "Gänsehautstimmung" wie 2006, als der WM-Dritte Deutschland als "Weltmeister der Herzen" gefeiert wurde. Damals war es auch eine - letztlich vergebliche - Demonstration, um Teamchef Jürgen Klinsmann zum Bleiben zu bewegen.

"Für Schweini tue ich alles"

Trotzdem hatten sich schon Stunden vor dem offiziellen Partystart tausende Anhänger vor der großen Bühne am Brandenburger Tor warmgefeiert. Wie bei dem nur wenige Stunden zurückliegenden EM-Finale waren viele in Fahnen gehüllt, trugen schwarz-rot-goldene Perücken oder hatten sich die Nationalfarben ins Gesicht gemalt.

"Für Schweini tue ich alles", rief die 15-jährige Marie, die mit drei Mitschülerinnen gekommen war und extra für ihr Idol Bastian Schweinsteiger früher aus der Schule gehen durfte.

Viele Eltern waren mit ihren fußballbegeisterten Sprösslingen gekommen. Für den Nachmittag hatte die Schulverwaltung freigegeben. Die Mannschaft und das Team revanchierten sich mit einem langen Spruchband, auf dem stand: "82 Millionen + 23 = 1 Team". Nach der Feier stand für die meisten Spieler erst einmal Urlaub auf dem Plan.


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