Montag, 02.06.2008

EM 2008

Müder Europameister daheim in der Kritik

Offenbach - Otto Rehhagel will den müden Europameister bis zum Start des Unternehmens Titelverteidigung wieder aufmuntern, doch in Griechenland wachsen nach der schwachen Generalprobe die Sorgen.

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© DPA

Der Auswahltrainer wehrte nach dem 0:0 gegen Armenien in Offenbach überzogene Erwartungen ab. "Wir gehen wieder als Außenseiter zur EM", betonte Rehhagel.

"Die Medien haben alle Favoriten genannt, wir waren nicht dabei. Wir sind an sechster oder siebter Stelle - so soll es bleiben", unterstrich der 69-Jährige an seiner ersten Wirkungsstätte als Trainer.

Mit Blick auf den EM-Auftakt am 10. Juni in Salzburg gegen Schweden schrieb die griechische Sportzeitung "To Fos" dagegen von "Alarmglocken für unser Team".

Gigantische Probleme

Die Zeitung "Eleftheros Typos" sprach sogar von "gigantischen Problemen". Man habe gezeigt, dass man schlechter als die Gruppengegner sei, zu denen auch Russland und Spanien zählen.

"Rehhagel muss dringend Lösungen finden, damit wir anständig bei der EM auftreten", verlangte die Zeitung "Ta Nea". Allerdings: Die Schweden verpatzten ihren letzten Test daheim mit dem 0:1 gegen die Ukraine noch gründlicher.

Die griechischen Spieler ließen sich ihre gute Laune nicht verderben, obwohl ihnen nach dem 2:3 in Ungarn wieder kein Erfolgserlebnis gelang. "Das war ein Freundschaftsspiel. Das ist nicht so wichtig", sagte der Nürnberger Angelos Charisteas.

Amanatidis beruhigt

Der Frankfurter Ioannis Amanatidis schrieb ebenso wie Charisteas fleißig und geduldig Autogramme für etliche der fast 8000 griechischen Fans und ließ sich fotografieren.

"Man soll das nicht überbewerten. Wir waren ein bisschen müde. Wir müssen Kraft tanken und brauchen die nächsten Tage, um topfit zu sein", erklärte Amanatidis.

Nach dem gut einwöchigen Trainingslager in Frankfurt gönnte Rehhagel seinen Spielern einen freien Montag, am Dienstag bezieht der griechische Tross sein EM-Quartier in Hof bei Salzburg.

Probleme in allen Mannschaftsteilen

Auf dem Rasen des Bieberer Berg schien Rehhagel lange nach dem Abpfiff dem künftigen Leverkusener Coach Bruno Labbadia zu erklären, was ihm an der matten Vorstellung seiner Schützlinge nicht gefallen hatte.

Die Abwehr mit dem Frankfurter Sotirios Kyrgiakos offenbarte erneut einige Schwächen, in der Offensive konnten weder Charisteas, Amanatidis noch der Leverkusener Theofanis Gekas Entscheidendes bewegen, zumal aus dem Mittelfeld zu wenig kam.

Rehhagel bescheinigte den leichtfüßigen Armeniern eine gute Leistung und meinte: "Wenn man gegen den Europameister spielt, ist man besonders aufgedreht." Er hatte überlegt, am Ende einen weiteren Angreifer zu bringen, ließ es aber, um nicht noch eine Niederlage zu riskieren.

Rehhagel gibt Taktik nicht preis

"Wir sind ja nicht diejenigen, die Tore am Fließband schießen. Das ist ja bekannt", unterstrich Rehhagel und zeigte sich stattdessen zufrieden, dass Torhüter Antonis Nikopolidis trotz kleiner Probleme über 90 Minuten eine sichere Leistung zeigte.

Welche Probleme den 36-jährigen Routinier geplagt hatten, verriet Rehhagel nicht. Der Trainer hatte in der Vorwoche abgeschirmt trainieren lassen und wird nun die Akteure auswählen, mit denen er die Schweden überlisten will. Wie Rehhagel das Drei-Kronen-Team bezwingen will, behielt er für sich: "Über Taktik sprechen wir nicht."


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