Keine Rücktrittswelle nach dem Turnier

Mit EM-Assen nach Südafrika 2010

SID
Mittwoch, 25.06.2008 | 15:26 Uhr
EM 2008, Fussball, DFB, Deutschland, Ballack
© DPA
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Basel - Aufbruch statt Umbruch: Nach der EM wird es in der deutschen Nationalmannschaft anders als nach vielen Turnieren in der Vergangenheit keine Rücktrittswelle geben. Joachim Löw kann mit den EM-Assen von 2008 auch die schwierige Qualifikation für Südafrika 2010 in Angriff nehmen.

"Es ist noch einiges herauszuholen aus der Mannschaft", betonte Michael Ballack, der die DFB-Auswahl in der spannenden Qualifikations-Gruppe mit dem neuen Schreckgespenst Russland auch noch als Kapitän zur nächsten Weltmeisterschaft in zwei Jahren führen will.

Nach dem WM-Sommermärchen 2006 war Oliver Kahn der einzige Akteur, der unmittelbar nach dem Spiel um Platz drei gegen Portugal (3:1) noch auf dem Rasen des Stuttgarter Stadions seinen Rücktritt erklärte.

Turnier-Aus gleich Karriere-Aus 

Die 22 anderen machten weiter, auch Jens Nowotny, der im ersten Länderspiel unter Klinsmann-Nachfolger Löw gegen Schweden (3:0) noch 90 Minuten durchspielte, ehe der Routinier seine Karriere nach einem erneuten Knie-Schaden unfreiwillig beenden musste.

Früher war ein Turnierende auch stets der Abpfiff für große Nationalmannschafts-Karrieren: Vom ersten Weltmeister Fritz Walter über die 74er-Champions Gerd Müller, Wolfgang Overath und Berti Vogts über die 90er-Weltmeister Rudi Völler, Jürgen Klinsmann oder Lothar Matthäus - in der Regel war ein Titelgewinn oder ein Turnier-K.o. der finale Auftritt im Nationaltrikot.

Ausmisten nach der EM-Blamage 2004

Löw hat solche Sorgen anno 2008 nicht: Nur der 38 Jahre alte Torhüter Jens Lehmann und der 35 Jahre alte Angreifer Oliver Neuville gelten nicht mehr als Kandidaten für das kommende "WM-Casting" des Bundestrainers.

Der DFB-Chefcoach profitiert jetzt davon, dass Jürgen Klinsmann nach der EM-Blamage 2004 personell ausgemistet und die Nationalmannschaft radikal verjüngt hatte.

Nachdem Haudegen wie Jens Jeremies und Fredi Bobic nach der Vorrunden-Pleite in Portugal selbst abgetreten waren, "entsorgte" Reformer Klinsmann bis zur WM im eigenen Land nach und nach langjährige Auswahlkicker wie Frank Baumann, Dietmar Hamann, Fabian Ernst oder Christian Wörns.

Eine Mannschaft mit Zukunft

Löw übernahm und betreut ein Team, das noch lange nicht im Zenit seiner Leistungsfähigkeit steht. Er selbst hat insbesondere den vielen jungen Leistungsträgern wie Philipp Lahm (24), Per Mertesacker (23) oder Lukas Podolski (23) eine "imposante Entwicklung" bescheinigt.

"Die Mannschaft ist gereift", bemerkte Torsten Frings, der schon 2002 Vize-Weltmeister war.

Ballack (31), Frings (31), Klose (30) - die kleine, aber feine "Ü 30"-Fraktion will auch noch Richtung Südafrika vorangehen und könnte 2010 mit der Erfahrung von jeweils 100 und mehr Länderspielen noch ein letztes Mal ein WM-Team anführen.

Selbst der bei der EM verletzt fehlende Leverkusener Bernd Schneider (34) peilt noch eine dritte WM-Teilnahme an. Der Hannoveraner Schlussmann Robert Enke will mit fast 31 Jahren nach der EM sogar endlich durchstarten im DFB- Team.

Hoffnungen für 2010

Größter Trumpf in Löws Rasselbande ist die junge Fraktion um Lahm, Mertesacker, "Poldi" und "Schweini", die 2010 als Mittzwanziger voll im Saft stehen und dann mit 70 und mehr Länderspielen schon über extrem große internationale Erfahrung verfügen.

"Die jungen Spieler sind zu Persönlichkeiten geworden", urteilte Abwehrspieler Christoph Metzelder. Dazu fördert Löw schon die nächste Generation und ermöglichte Perspektiv-Spielern wie Marko Marin (19) bereits das Länderspiel-Debüt.

Gegen Russland in der WM-Quali

Weiterentwicklung und Steigerung sind aber auch gefordert, um überhaupt nach Südafrika zu kommen. Bei der Auslosung der WM-Qualifikations-Gruppen vor einem halben Jahr in Durban sprachen alle noch von einem Glückslos, als Deutschland neben Finnland, Wales, Liechtenstein und dem von Berti Vogts betreuten Aserbaidschan auch Russland als Gegner zugeteilt bekam.

Doch bei der EM ist aus den Russen, die am Donnerstag gegen Spanien um den Finaleinzug kämpfen, plötzlich ein Schreckgespenst geworden.

"Die Russen sind gespickt mit hervorragenden Spielern. Sie haben ein unglaubliches Tempo gespielt", kommentierte Löw die imponierenden Auftritte des erwachten Fußball-Riesen.

Es dürfte spannend werden, denn nur der Erste der Gruppe vier qualifiziert sich direkt für die WM- Endrunde 2010. Der Zweite muss in zwei knallharten K.o.-Spielen das Südafrika-Ticket ergattern.

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