Dienstag, 17.06.2008

EM 2008

Jetzt ist Portugal fällig

Tenero - Nur 14 Stunden nach dem gemeisterten Ausnahmezustand von Wien legte Joachim Löw sein zweites EM- Versprechen ab.

EM 2008, Deutschland, Fussball, Löw, DFB
© DPA

Mit einem kurzen "ja" beantwortete der durch den vermiedenen Vorrunden-K.o. sichtbar gelöste Bundestrainer die Frage, ob die deutsche Fußball-Nationalmannschaft nach dem krassen Außenseiter Österreich nun auch den hochgehandelten EM-Mitfavoriten Portugal mit Topstar Cristiano Ronaldo aus dem Turnier werfen werde.

"Wir tun uns leichter gegen Mannschaften, die mitspielen. Da wird man auch wieder unsere Qualitäten sehen", versicherte Löw in Tenero. Höchsten Zuspruch erhielt er erneut von Bundeskanzlerin Angela Merkel, die das Nachbarschafts-Duell kühl analysierte: "Es ist effizient gespielt worden, das Resultat stimmt. Das gibt der Mannschaft Kraft und Mut gegen Portugal."

Der Glaube bleibt 

Trotz der deutlichen Mängel beim 1:0-Sieg in Wien gegen den Mit- Gastgeber und die drohenden Widrigkeiten beim Viertelfinale in Basel glauben Löw und sein Personal an den Halbfinal- Einzug.

"Die Portugiesen werden auch eine Menge Respekt vor uns haben", bemerkte der Kapitän und Wiener Sieg-Torschütze Michael Ballack. Allerdings droht am Donnerstag der Ausfall des bisher besten deutschen EM-Spielers Lukas Podolski, der sich gegen die Österreicher eine hartnäckige Wadenblessur zugezogen hat. "Das Fragezeichen ist groß", berichtete ein besorgter Löw.

Der Bundestrainer könnte bei der Neuauflage des kleinen WM-Finales von 2006 (3:1), bei dem Bastian Schweinsteiger mit zwei Weitschuss-Toren aufgefallen war, ebenfalls fehlen. Derzeit ist der 48-Jährige für die Partie im St.-Jakob-Park, der 42 500 Fans Platz bietet, gesperrt. So sieht es Artikel 9, Absatz 1 der UEFA-Regularien für den Fall vor, dass ein Trainer von der Bank verwiesen wird, wie es im EM-Gruppenfinale Löw und dessen Kollegen Josef Hickersberger passiert war.

Allerdings kann die UEFA-Disziplinarkommission, die am Mittwoch tagt, ein anderes Urteil treffen. "Ich gehe davon aus, dass es einen Freispruch geben kann, weil ich niemanden beleidigt habe", betonte Löw, der sich im Ernst-Happel-Stadion vom vierten Schiedsrichter vehement an der Ausübung seiner Arbeit in der Coaching-Zone behindert sah. "Ich möchte mich da frei bewegen, diese Zone ist dafür da."

"Jetzt der Außenseiter"

Für eine ausführliche Aufarbeitung des wenig Mut machenden Prestige-Erfolges gegen Österreich bleibt dem Bundestrainer kaum Zeit. Denn der Viertelfinal-Gegner, der beim 0:2-Gruppenabschluss gegen die Schweiz gleich acht Stammkräfte geschont hatte, darunter Ronaldo und Deco, reist ohnehin schon wesentlich ausgeruhter nach Basel.

Dass Leistungen wie gegen Kroatien (1:2) und gegen Österreich nun gegen die offensivstarken Portugiesen nicht mehr reichen werden, ist ohnehin allen im deutschen Lager klar. "Es wird jetzt eine Herausforderung für Ballack & Co., eine Schippe draufzulegen. Und sie müssen eine Schippe drauflegen, sonst scheiden sie aus", übermittelte Franz Beckenbauer. "Wir sind jetzt sicherlich ein kleiner Außenseiter. Ich glaube, das liegt uns vielleicht etwas mehr", sagte Abwehrmann Christoph Metzelder.

Löws personellen Korrekturen dürften sich erneut in Grenzen halten. Mario Gomez hat mit dem nächsten schwachen Auftritt seine letzte Chance eigentlich verspielt. Auch Löw musste eingestehen, dass der immer wieder mit dem FC Bayern München in Zusammenhang gebrachte Stuttgarter Stürmer seine Form aus der Bundesliga beim EM-Turnier nicht bestätigen konnte.

Dennoch ließ der Bundestrainer "keine Zweifel an den Qualitäten" des 22-Jährigen zu, auch weil er bei einem Podolski-Ausfall Gomez weiter als Angriffs-Partner des ebenfalls schwächelnden Miroslav Klose brauchen würde.

Schweinsteiger gibt Comeback 

Festgelegt hat sich Löw schon auf eine Rückkehr Schweinsteigers in die Startelf. Der Bundestrainer hat nach dessen Roter Karte gegen Kroatien eine "gute Reaktion" beim Münchner Mittelfeldakteur ausgemacht und setzte ihn unter Druck: "Er hat eine gewisse Bringschuld gegenüber uns allen."

Der Rot-Sünder, der durch Löws Platzverweis die zweite Halbzeit auf der Tribüne direkt neben dem Bundestrainer erlebt hatte, war einfach nur froh, "dass ich noch eine Chance bekomme".

Die Abwehr wird Löw nicht verändern, auch wenn Metzelder nach langer Verletzungs-Pause weiter seine Form sucht. Torwart Jens Lehmann hat Arne Friedrich nach dessen gelungenem Turnier-Einstand schon auf der nächtlichen Rückreise ins Stammquartier nach Ascona erste Tipps gegeben, wie der Berliner gegen Ronaldo bestehen könnte.

"Meine ehemaligen Kollegen von Arsenal haben ein gutes Rezept gegen ihn gefunden", sagte der 38-jährige Schlussmann, der selbst stark gefordert sein wird. Denn leider, so Lehmann, habe Portugal "auch andere gute Spieler".


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