EM 2008

Löw setzt auf Offensive

SID
Dienstag, 10.06.2008 | 16:06 Uhr
ballack, podolski
© Getty
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Tereno - Joachim Löw setzt weiter auf geballte Offensive. Mit dem Erfolgs-Konzept aus der Polen-Partie soll schon im zweiten Gruppenspiel gegen Kroatien der Einzug in das Europameisterschafts-Viertelfinale perfekt gemacht werden.

"Viele Wechsel, das ist klar, wird es natürlich nicht geben", erklärte der Bundestrainer zwei Tage vor dem Spiel gegen die unbequemen Kroaten am Donnerstag (17.45 Uhr im SPOX-Ticker).

Löw wollte zwar wie gewohnt noch keine Details seiner Aufstellung preisgeben und ließ sich zudem eine Hintertür für Überraschungen offen. Doch seine Hinweise, an der mutigen Taktik mit dem Auftakt-Doppeltorschützen Lukas Podolski festzuhalten, waren deutlich: "Wir versuchen grundsätzlich, unser Spiel durchzubringen, unsere Linie durchzufahren und unsere Taktik auszuspielen."

Fan-Liebling Podolski, der auch in Klagenfurt in seinem 50. Länderspiel als Offensiv-Kraft im Mittelfeld für zusätzlichen Druck nach vorne sorgen soll, erklärte Löw erstmals offiziell zu "unserem offensiven Mittelfeldspieler".

Friedrich für Jansen?

Im Angriff bleiben zudem Miroslav Klose und Mario Gomez erste Wahl. Um aber das gegen Polen erkannte Defensiv-Risiko hinter Podolski auf der linken Seite, wo Marcell Jansen einige Male ins Schwimmen geraten war, zu minimieren, könnte Löw zu einer überraschenden Umstellung greifen.

Der defensivstärkere Philipp Lahm könnte wieder nach links wechseln, um als "Schutzschild" hinter Podolski für größere Sicherheit zu sorgen. Arne Friedrich würde dann rechts verteidigen. "Er ist in einer blendenden Verfassung. So stark wie hier habe ich ihn selten gesehen", lobte der Bundestrainer auffällig den Berliner Verteidiger.

Podolski-Kumpel Bastian Schweinsteiger muss dagegen wohl trotz Formverbesserung weiter auf seine Chance in der Startelf warten. "Er hat in den letzten Tage eine Form, die auffallend ist. Er ist wieder sehr beweglich, agil und aktiv", äußerte Löw anerkennend über Schweinsteiger, stufte den Münchner aber zugleich in die Gruppe jener Spieler ein, die "vehement im Training auf ihre Chance drängen und die Spiele nicht nur auf der Bank erleben wollen".

Auch Michael Ballack sprach sich für ein grundsätzliches Festhalten an der mit 2:0 gegen Polen siegreichen Elf aus. Der Trainer habe "wenig Gründe", die Mannschaft zu verändern, unterstrich der Kapitän.

Lob für Ersatzspieler

Löw weiß natürlich um die Gefahr, die unzufriedene Kräfte wie Schweinsteiger oder Thomas Hitzlsperger in sich bergen. Deshalb zollte er den Ersatzkräften bei seinem öffentlichen Auftritt im Jugendsport-Zentrum von Tenero ein Motivations-Lob. "Man merkt, dass einige Spieler unbedingt in die Mannschaft wollen", sagte Löw und bescheinigte auch dem Schalker Heiko Westermann eine "glänzende Verfassung" auf dem Trainingsplatz.

"Jeder weiß, dass es toll ist, in der Mannschaft zu spielen", hat Teammanager Oliver Bierhoff erkannt. Der Konkurrenzkampf soll aber gerade wegen der schon ziemlich zementierten Stammelf unbedingt erhalten werden. "Denn es ist noch ein langer Weg", betonte der Bundestrainer.

Ballack sieht den Leistungsstand der deutschen Mannschaft nach dem gelungenen Turnier-Auftakt erst bei 80 bis 85 Prozent. "Wir werden schon gegen Kroatien mehr gefordert werden als im ersten Spiel", sagte der 31-jährige Kapitän und schloss an: "Wir wollen ins Finale, auf dem Weg müssen wir uns steigern."

Videoanalyse am Mittwoch

Löw fordert im achten Duell mit Kroatien - von den bisherigen sieben ging nur eines verloren - vor allem eine noch geringere Fehler-Quote. Alle Spieler müssten noch mehr gemeinsam in Offensive und Defensive arbeiten, unterstrich der Bundestrainer. Das sei auch die Erkenntnis aus dem TV-Studium der bisherigen EM-Partien.

Für Mittwochvormittag hat Löw eine Videositzung über die "raffinierte" kroatische Mannschaft angesetzt, bevor das Team mit dem Begleittross am Nachmittag wieder von Lugano nach Klagenfurt fliegt.

Chef-Scout Urs Siegenthaler hatte die Kroaten beim 1:0 gegen Gastgeber Österreich noch einmal beobachtet. Schon Dienstag traf sich die medizinische Abteilung mit Ärzten, Physiotherapeuten und Fitness-Trainern, um die letzten Maßnahmen zu besprechen. "Sie machen eine hervorragende Arbeit", lobte Löw. Erneut seien alle 23 Akteure "einsatzbereit".

Luxus-Problem in der Offensive

Als Luxus-Problem sieht die sportliche Leitung die großen Möglichkeiten im Offensivspiel, die auch im 34. EM-Match einer DFB-Mannschaft ausgespielt werden sollen. "Für jeden Trainer ist es schön, dass man im Offensiv-Bereich Alternativen hat, die den Unterschied ausmachen können", betonte Bierhoff.

Die neuen Wechselgerüchte um den Stuttgarter Torjäger Gomez und den FC Bayern München stufte der Trainer als gefahrlos für die Konzentration im DFB-Team ein: "Gerüchte und Spekulationen gibt es immer." Nur Transfer-Verhandlungen würde er in den EM-Tagen nicht dulden.

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