EM 2008

Lehmann will "Kribbeln" zum EM-Start

SID
Mittwoch, 04.06.2008 | 16:26 Uhr
em 2008, lehmann, deutschland
© Getty
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Ascona - Provozierend baute sich Jens Lehmann auf dem Podium auf und forderte seine Fragesteller zum verbalen Gefecht.

"Soll ich stehen bleiben, dann biete ich mehr Angriffsfläche", erklärte der deutsche National-Torhüter bei seinem ersten offiziellen Auftritt als Neu-Stuttgarter herausfordernd.

Zuvor hatte der 38-Jährige 20 Stunden jede Stellungnahme zu seiner Rückkehr in die Bundesliga verweigert. Seinem neuen Arbeitgeber VfB dürfte spätestens nach dieser Vorstellung im DFB-Medienzentrum in Tenero klar geworden sein, welch unbequemen und unangepassten Profi er mit einem Einjahresvertrag ohne Option ausgestattet hat.

"Ich freue mich auf die deutschen Stadien. Als Deutscher habe ich lange in der Bundesliga gespielt. Ich finde es schön, dass ich da noch mal spielen kann", nannte Lehmann als ersten Grund für seinen Wechsel, der ihm zum Abschluss seiner Laufbahn weitere 2,5 Millionen Euro bescheren soll.

Lehmanns Zukunft fragwürdig

Zudem freue sich seine Familie und besonders seine Frau wieder auf Deutschland. Erst als "dritten Punkt" führte Lehmann an, "dass der VfB in Deutschland mit den attraktivsten Fußball spielt". Von neuen sportlichen Zielen sagte er nichts.

Auch zu seiner Zukunft in der Nationalmannschaft verlor Lehmann kein Wort. Der VfB muss nach der Verpflichtung seines "Wunschspielers" fast hoffen, dass Lehmann weiter für Deutschland spielen will.

Auch wenn Stuttgarts Manager Horst Heldt schon jetzt vorbaute, könnte leicht der Eindruck aufkommen, Lehmann lasse seine Karriere nur ausklingen.

"Hoffe, dass ein Kribbeln da ist"

"Es wäre kein Qualitätsverlust, wenn Lehmann nach der EM entscheiden sollte, nicht mehr in der Nationalmannschaft zu spielen", sagte Heldt mit Hinweis auf Oliver Kahn, der nach seinem Auswahl-Rücktritt beim FC Bayern auch noch eine starke und erfolgreiche Abschluss-Saison hinlegte.

Der 329-malige Bundesligaspieler Lehmann, der mit Schalke schon UEFA-Cup-Sieger und mit Dortmund deutscher Meister war, braucht aber den Druck. Das gab er selbst auch mit Blick auf die erste EM-Partie am Sonntag gegen Polen zu.

"Ich hoffe, dass ein Kribbeln und eine Anspannung da ist", sagte der 55-malige Nationalspieler, der nach fünf Jahren und seiner Degradierung zum Reservisten bei Arsenal London nun in der Heimat keine Probleme erwartet.

Beruhigung für Papi

In der Bundesliga sei es sogar leichter: "Das Spieltempo ist nicht so hoch", sagte Lehmann. Er versprach, dem VfB "Erfahrung, Sicherheit und Konstanz" zu geben.

"Ich denke, auch für die Bundesliga ist der Torwart Jens Lehmann eine Bereicherung", meinte Oliver Bierhoff. Der Nationalmannschafts-Manager zeigte sich erfreut, dass es nun in der Personalie "Klarheit" gibt.

Die jüngsten Unsicherheiten des Keepers vor allem im EM-Test gegen Weißrussland seien neben dem harten Training ein Stück der ungeklärten Zukunft zuzuschreiben. "Für einen Familienvater ist es beruhigend zu wissen, wo es hingeht", unterstrich Bierhoff.

Europass im Fokus der Kritik

Lehmann erneuerte indes vier Tage vor dem EM-Start die Kritik an dem offiziellen Turnier-Ball "Europass". Man müsse als Torwart sehr mutig sein, "wenn man versuchen will, den Ball festzuhalten, weil er meistens schon da ist", schilderte die deutsche Nummer 1 seine Probleme.

Die Ausrüster würden in Kauf nehmen, dass die Attraktivität durch viele Tore hochgehalten werde. "Mit dem Ball fallen Tore, die früher nicht gefallen wären", sagte Lehmann zum Unmut von Ausrüster adidas, der die Kritik erneut zurückwies.

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