EM 2008

Kroaten träumen nach Gruppensieg vom Titel

SID
Freitag, 13.06.2008 | 17:20 Uhr
em 2008, kroatien, srna, bilic
© DPA
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Klagenfurt - Slaven Bilic und sein Trainerteam tanzten im Kreis, Mladen Petric nahm Kumpel Ivan Rakitic huckepack und die Fans träumten bereits vom Finale: Der größte Sieg seit zehn Jahren hat die Kroaten in einen kollektiven Freudentaumel gestürzt.

Selbst den Vergleich mit der "Goldenen Generation", die 1998 WM-Dritter wurde und Heldenstatus genießt, scheute Bilic nach dem verdienten 2:1 gegen Deutschland nicht.

"1998 wird von vielen als beste kroatische Mannschaft aller Zeiten bezeichnet, aber das heutige Team ist auch großartig. Warum sollen wir nicht den Titel holen?", lobte Kroatiens Nationalcoach am Donnerstagabend seine Mannschaft.

Drei Stunden später konnte sich Bilic nach dem 1:1 zwischen Österreich und Polen obendrein über den Gruppensieg freuen, der den Kroaten im Viertelfinale ein Duell gegen den Geheimfavoriten Portugal erspart.

Irrenhaus in Klagenfurt

"Da waren alle von uns extrem erleichtert", gab der 39- Jährige am Freitag zu. "Das war ein Sieg für die Geschichte", sagte der Coach, auf dessen "Bilic-Boys" in der Heimat Lobeshymnen einprasselten und der in der Pressekonferenz mit großem Applaus empfangen wurde.

Selbst das Finale ist jetzt ein Thema. "Wir haben die deutsche Maschine abmontiert. Jetzt folgt der Ansturm auf Wien", schrieb die Zeitung "Vecernji list" über das "Irrenhaus in Klagenfurt". "Die deutsche Elf auf den Knien", meinte "Novi list".

Als nach der zweiten Gruppenpartie durch einen "Last-Minute"-Elfmeter des gebürtigen Kroaten Ivica Vastic (Bilic: "Dass wir schon Gruppenerster sind, hat uns der Kroate aus Kastel gesichert.") feststand, dass erstmals seit einer Dekade wieder bei einem großen Turnier der Einzug in die K.o.- Runde perfekt war, gab es endgültig kein Halten mehr.

"Ein Traum, der in Erfüllung geht"

Hunderttausende Fans verwandelten Kroatiens Städte in ein rot-weiß-blaues Fahnenmeer, in Zagreb herrschte der Ausnahmezustand. "Für uns als kleines Land ist das eine Riesensache, wenn man Deutschland mit 80 Millionen Einwohnern schlagen kann", gewährte Borussia Dortmunds Angreifer Mladen Petric Einblick in die kroatische Fußball-Seele.

Der 27-Jährige war einer von fünf Bundesliga-Legionären, für die der Sieg nach Toren von Darijo Srna (24.) und HSV-Angreifer Ivica Olic (62.) eine ganz besondere Genugtuung war.

Den deutschen "Gipfelsturm 2008" jäh unterbrochen und selbst zu einem Höhenflug angesetzt zu haben - schöner hätte der Klagenfurter Kroaten-Kracher nicht steigen können. "Dass wir gegen die Deutschen gewinnen konnten, ist wie ein Traum, der in Erfüllung geht", meinte Schalkes Jungstar Rakitic nach seinem formidablen EM-Debüt.

"Waren in jedem Bereich besser"

Der Erfolg war auch ein persönlicher Triumph für den Trainer. Spätestens mit der taktischen Meisterleistung gegen die enttäuschende DFB-Auswahl, für die nur Lukas Podolski (79.) traf, legte Bilic sein Reifezeugnis ab.

Der charismatische Tausendsassa, als studierter Jurist und Rock-Musiker ein Exot der Trainerzunft, hatte die deutschen Schwachstellen glänzend analysiert.

Mit einem kompakten Fünfer-Mittelfeld nahm Bilic DFB-Kapitän Michael Ballack die Luft zum Atmen, und den linken Defensiv-Verbund hatte er zurecht als Schwachpunkt ausgemacht. "Wir waren in jedem Bereich besser", stellte Herthas Verteidiger Josip Simunic fest.

Keine Nachlässigkeiten geduldet

Und in der Tat hätte nicht nur Supertalent Luka Modric, für Bilic "Europas bester Spieler", die Auszeichnung als "Man of the Match" verdient gehabt. Der Dortmunder Robert Kovac und Simunic standen in der Defensive bombensicher und widerlegten ihre Kritiker.

Rakitic und Co. wirbelten im Mittelfeld, und Alleinunterhalter Olic düpierte Christoph Metzelder ein ums andere Mal. "Wir hatten heute einfach den größeren Willen und das größere Herz", befand Kapitän Niko Kovac.

Das soll auch in dem für die Kroaten bedeutungslosen Spiel gegen Polen wieder so sein. Nachlässigkeiten wird Bilic, der sich die Tschechen als Viertelfinal-Gegner wünscht, jedenfalls nicht dulden, ehe es in der Vorschlussrunde zu einem Wiedersehen mit der DFB-Auswahl kommen könnte: "Wir werden jetzt nicht abheben, sondern weiter hart arbeiten."

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