Montag, 16.06.2008

Yakin trifft und kritisiert Kuhn

Misstöne zum Abschied

Basel - Ausgerechnet der zweifache Torschütze Hakan Yakin erwies sich nach dem versöhnlichen Abschied von EM-Gastgeber Schweiz und Trainer-Pensionär Köbi Kuhn als Stimmungstöter und Spielverderber.

Köbi, Kuhn, EM
© Getty

"Ich bin enttäuscht von Köbi Kuhn", wurde der Stürmer in einem nach dem 2:0 gegen Portugal veröffentlichten Interview mit der "Schweizer Illustrierten" zitiert. Seit drei Jahren habe er keine Wertschätzung mehr vom Nationalcoach erfahren.

"Plötzlich war ich weg vom Fenster", meinte der 69-malige Nationalspieler und ergänzte die Abrechnung mit einer generellen Kritik: "Wir haben von der WM 2006 bis zur Heim-EURO einen Schritt rückwärts gemacht."

"Wir hatten eine schöne Zeit"

Als kleinen Befreiungsschlag nach einer verkorksten EM empfanden seine Mitspieler den ersten Sieg der Eidgenossen im neunten Spiel bei einer Europameisterschafts-Endrunde.

"Wir haben versucht, dass eine schöne Erinnerung bleibt", resümierte Mittelfeldspieler Tranquillo Barnetta von Bayer Leverkusen. "Der Schmerz über das Ausscheiden ist noch da. Vielleicht ist der Sieg ein kleiner Trost." Auf jeden Fall sei es ein angemessener Ausstand für Kuhn nach sieben Jahren im Amt und 73 Länderspielen: "Wir hatten eine schöne Zeit mit ihm."

Dass es noch bessere Zeiten für den Schweizer Fußball werden, wenn Nachfolger Ottmar Hitzfeld das Zepter übernimmt, hofft Kuhn. "Er tritt eine anständige Erbschaft an", sagte der 64-Jährige, den im St. Jakob-Park die Zuschauer noch einmal mit "Köbi nationale"-Gesänge feierten: "Das Team ist jung und kann sich noch steigern. Ich wünsche ihm alles Gute."

Der historische Erfolg gegen Portugal durch die Treffer von Yakin (71./83., Foulelfmeter) war für ihn nur etwas Balsam für den K.o.: "Einige Wermutstropfen bleiben." Mit der guten Leistung habe die "Nati" die Anhänger beschenkt. "Sie wird weiter in ihren Herzen bleiben", so Kuhn, der das Team nun als Fan begleiten will.

Ziel ist die WM 2010 

Was die Schweiz nach dem versöhnlichen EM-Ende von Hitzfeld erwartet, stand auf einem Plakat: "2010, wir kommen", lautete der Auftrag für die WM in Südafrika.

"Wenn man sieben Jahre einen Trainer hatte, wird die Umstellung nicht einfach", meinte Kapitän Ludovic Magnin zum Wechsel und fügte weise an: "Wenn man gewinnt, wird es einfach, wenn wir verlieren, dann nicht." Spielmacher Barnetta erwartet keine Revolution von Hitzfeld und keinen einfachen Übergang: "Wir werden jetzt nicht alles auf den Kopf stellen. Es wird nicht einfach für ihn, weil Köbi Kuhn eine gute Ära hatte."

Nach dem Achtungserfolg gegen ein portugiesisches B-Team haderte Magnin mit seinen Gefühlen. "Ein ganz klein bisschen glücklich ist man nach dem ersten EM-Sieg", sagte der Verteidiger vom VfB Stuttgart, schränkte jedoch ein: "Wenn man sieht, dass ein Punkt gegen die Türkei zum Weiterkommen gereicht hätte, dann tut das weh."

Auch Torwart Pascal Zuberbühler, den Kuhn zum Abschluss von dessen Länderspiel-Karriere noch einmal aufbot, hat die Enttäuschung über das Aus nicht überwunden. "Ich schaue mir den Rest der EM zwar an, will es aber nicht genießen", sagte der 37-Jährige. Zum eigenen Abgang meinte er: "Ich bin stolz, so aufzuhören."

Scolari mit zu viel Risiko

Ärgerlich über sich selbst war nach dem Abpfiff Portugals Trainer Luis Felipe Scolari, der seine Elf mit Blick auf das Viertelfinale in Basel gegen Deutschland oder Österreich auf acht Positionen veränderte. "Ich habe einen großen Fehler gemacht und hätte alle wechseln müssen", sagte er.

Wir sind in diesem Spiel zu viele Risiken eingegangen, auch mit den vielen Verwarnungen, die sich im späteren Verlauf des Turniers noch rächen könnten."

Vier portugiesische Spieler sahen Gelb, darunter Paulo Ferreira, der gegen die Türkei und Tschechien zur Stammelf gehörte, und Scolaris Stuttgarter Joker Fernando Meira. "Am Schluss wurden wir ungewollt Gast einer großen Schweizer Party", meinte der Trainer mürrisch.

Für Superstar Cristiano Ronaldo ist es nach der Ruhepause im übrigen egal, wer im Viertelfinale der Kontrahent sein wird: "Ob der Gegner Deutschland oder Österreich heißt, wir können jede Mannschaft schlagen."


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