EM 2008

Volle Kraft voraus!

SID
Samstag, 07.06.2008 | 13:03 Uhr
schweiz, barnetta, kuhn, EM, euro, training
© DPA
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Basel - "Hopp Schwiiz!" Mit dem Heimvorteil als größtem Faustpfand will die Schweizer Nationalmannschaft bei der EURO 2008 Berge versetzen.

"Wir werden mit Herz auf dem Platz stehen, um etwas Großartiges zu schaffen", versprach Ludovic Magnin, Verteidiger des VfB Stuttgart, vor dem Eröffnungsspiel in Basel gegen Tschechien (17.45 Uhr im SPOX-TICKER). "Ich hoffe zudem, dass das Publikum uns über unsere Grenzen pusht. Wir müssen nicht Europameister werden, haben aber diesen Traum."

Mit der Schlagzeile "Rot-Weiss - Heiss" heizte die Zeitung "Blick" einen Tag vor der EM-Premiere die "Europhorie" im Land an. Statt ihnen Flügel zu verleihen könnten die immensen Erwartungen für die Eidgenossen aber auch zum Hemmschuh werden.

"Druck lastet auf der Schweiz" 

"Der Druck lastet auf den Schweizern. Wir brauchen uns nicht zu verstecken", meinte Tschechiens Weltklasse-Torwart Petr Cech. "Ein schwieriges Spiel, für uns und für die Schweiz, aber wir wollen kein 0:0. Wir wollen gewinnen", sagte der Keeper des FC Chelsea.

Doch die Zeiten des "Fußball total", mit denen der Europameister von 1976 und EM-Zweite 1996 noch vor vier Jahren begeisterte, sind vorbei. Stars wie Poborsky, Smicer und Nedved traten zurück. Der Beste der Kreativabteilung, Tomas Rosicky, musste verletzt passen.

Zudem hat der 2,02 Meter lange Sturm-Turm Jan Koller (35) seinen Zenit überschritten und Milan Baros das Toreschießen verlernt: Der EM-Torschützenkönig von 2004 blieb seit Jahresbeginn für den FC Portsmouth und seit 15 Monaten im Nationalteam ohne Treffer.

Brückner baut auf Italo-Bollwerk

"Meine Mannschaft ist in keiner Weise schwächer als in Portugal", wehrte Nationalcoach Karel Brückner alle Zweifel an seinem Team ab. Sicher ist, dass der 68-jährige Trainer-Fuchs weniger auf die Offensivkraft als auf die Defensivstärke seines Italo-Bollwerks mit Zdenek Grygera (Juventus Turin), Tomas Ujfalusi (AC Florenz), David Rozehnal (Lazio Rom) und Marek Jankulevski (AC Milan) baut. Nur fünf Gegentore in zwölf EM-Qualifikationsspielen sind Beleg dafür.

"Sie stellen hinten einen kompakten Block, der für uns schwer zu durchdringen sein wird", weiß Tranquillo Barnetta von Bayer 04 Leverkusen. "Da müssen wir Geduld haben und die Nerven behalten." Viele Torchancen erwartet der 23-jährige Mittelfeldstar der Schweiz nicht: "Eine, zwei, kaum mehr. Doch man kann auch mit 1:0 gewinnen."

Barnetta und Müller bereiten Kuhn Sorgen

Der Bundesliga-Legionär gehörte nach einer in der EM-Vorbereitung zugezogenen Fußverletzung zusammen mit dem ebenfalls nicht völlig fitten Abwehrchef Patrick Müller zu den Problemfällen der Nati. Beide signalisierten unmittelbar vor EM-Start ihre Einsatzfähigkeit.

"Ein Erfolg gegen die Tschechen wäre die halbe Miete, um ins Viertelfinale zu kommen", meinte der Schweizer Kapitän Alexander Frei vor seinem 60. Länderspiel. Weitere Gegner in der Gruppe A sind die Türkei (11.6.) und Portugal (15.6.). Zum EM-Ziel des Co-Gastgebers sagte der ehrgeizige Dortmunder Stürmer: "Als Kapitän ist es logisch, dass ich mich nicht mit dem Viertelfinale zufriedengebe."

Kuhns Frau schwer erkrankt

Allerdings gehen die Eidgenossen mit einigem Ballast in die EM-Mission. Ungewiss ist, wie sich die Sorge von Nationaltrainer Köbi Kuhn um seine schwer erkrankte Frau Alice auf sein Team auswirken wird.

Co-Trainer Michel Pont, der für seinen Chef zuletzt die PR-Arbeit machte, sprach zwar von einer "schwierigen Situation", beteuerte aber, dass die Arbeit "wie immer funktioniert". Vizekapitän Magnin hofft, dass dies eher Motivation ist und es gelingt, Kuhn mit einem Sieg "einen Moment des Glücks" zu bescheren.

Statistik spricht gegen die Schweiz

Aus der Statistik können Frei und Co. nur bedingt Hoffnung schöpfen. Seit 1984 (Frankreich) hat kein Gastgeber mehr den EM-Titel errungen. Zum anderen hat die Schweiz bei den beiden bisherigen EM-Teilnahmen 1996 und 2004 noch keine Partie gewonnen.

"Dieses Spiel wird jedem Einzelnen für immer in Erinnerung bleiben", meinte Kapitän Frei. "Wir werden es mit Freude, Stolz und Selbstvertrauen angehen."

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